Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
M - Z
Person:
Müller, Friedrich Klunzinger, Karl Seubert, A.
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1058030
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1063102
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Schnitzer  
 Schnitzler. 
selbstständiger Künstler aufzutreten, dem bald darauf der barmherzige Samariter 
und Jeremias auf den Trümmern von Jerusalem folgte." Die Wahrheit des Ausdrucks 
und die kräftige Färbung seiner Bilder verschafften ihm einen Namen. Bald machte 
er sich ganz von den Traditionen der Klassiker frei. Sein heil. Martin, der seinen 
Mantel mit dem Armen theilt (1824) erhöhte seinen Ruf; die Einfachheit in der Com- 
Position und die Kraft der Zeichnung und Färbung, die Wahrheit und Lebendigkeit 
des Ausdrucks, der ebenso natürliche als originelle Effekt wurde gewürdigt. Schnetz 
ging nun nach Italien, Wo er, ergriffen von der Eigenthümlichkeit des Volkslebens, 
mehrere bedeutende Genrebilder schuf: so die Wahrsagerin, mehrere Räuberscenen, 
der alte Hirte in der Campagnaf, die Italienerin beim Leichenzug, die um die Ge- 
nesung ihrer Tochter betende Mutter; alle diese Bilder zeigen Wahrheit und Tiefe 
der Empfindung. Hieher gehört auch seine Ueberschwemmungsscene und seine Zi- 
geunerin, die dem Hirtenknaben (später Sixtus V.) prophezeit, im Louvre, welches 
Bild er für den Grafen Raczynski wiederholte. Unter seinen historischen Bildern 
dieser Zeit fand der Consul Boäthius, wie er von seinem Enkel Abschied nimmt, Bei- 
fall, weniger der sterbende Mazarin (1827), Welcher als ein steifes Kostümbild 
charakterisirt wurde. Dagegen wurde in seiner heil. Elisabeth auf der Wartburg 
die dramatische Auffassung und schöne Gruppirung geriihmt. Nach seiner Rückkehr- 
aus Italien malte er für mehrere Pariser Kirchen; die Arbeiten in der Lorettokir-che 
zeigen festen Styl und wahres Gefühl, diejenigen in S. Severin dagegen aus dem 
Leben Petri erscheinen zu real. Im Jahr 1840 wurde Schnetz Direktor der Aka- 
demie der schönen Künste zu Rom; und nachgehends noch zweimal, ein bis dahin 
unerhörter Fall. Unter seine letzten grösseren Bilder gehört die Einnahme von Aquila 
durch die Barbaren, eine lebendige, naturgetreue Composition. Nachdem er bereits 
1825 den Orden der Ehrenlegion erhalten, wurde er 1845 Offizier dieses Ordens und 
1847 Ritter des päbstlichen Gregorordens. Schnetz ist am bedeutendsten in seinen 
Genrebildern, welche von ergreifender Wahrheit sind; im Colorit ist er nicht immer  
glücklich , vielmehr manchmal zu trübe.  
Literatur. Cottfsches Kunstblatt 1824-1845.  Gazette des beaux arts 1860.  Kugler, 
_Kleiue Schriften 3.  Raczynski, Geschichte der neueren deutschen Kunst.  Revue des den; 
mondes 1855. 
Schnitzer, JOSBph Joachim von, Maler der Gegenwart in Stuttgart, geboren zu 
Weingarten im Jahr 17,92. Er ist ein Schüler von Seele und malte mehrere Schlach- 
ten und Kriegsscenen aus dem Feldzuge der Württemberger im Jahr 1814, welche 
sich durch lebendige, sachgemässe Darstellung auszeichnen und durch Porträtähn- 
lichkeiten interessiren, und von denen sich einige im Rapportzinimer des Königs von 
Württemberg befinden. Wir nennen namentlich: die Bestürmung von Sens und die 
Schlacht bei Montereau. Er hat auch Porträts gemalt, worunter sein eigenes , wel- 
ches Naturwahrheit und eine kräftige Haltung zeigt. Er lebt noch als Hofmaler in 
Stuttgart. 
kiäeligtur. Cottafsches Kunstblatt 1834-1841.  Raczynski, Geschichte der neueren deutschen 
Sßhnitzler, J. Michael, Maler, geboren zu Neuburg an der Kamlach im Jahr 
1735 (1784). Er war der Sohn eines Malers und siedelte schon in seinem 18. Lebens- 
jahfß nach Augsburg über, wo er seinen Unterhalt mit Glas- und Oelmalen suchte, 
daneben aber sich an der Akademie weiter ausbildete und um 1805 und 1808 den 
ersten respektive zweiten Preis erhielt. Später ging er nach Stuttgart und Ulm und 
endlich nach München, wo er als Dekorationsmaler an verschiedenen Theaterxi ar- 
beitete. Eine Zeit lang trieb er hierauf Porzellanmalerei, dann arbeitete er an der 
Dekorirung des neuen Hoftheaters und begann mit grossem Erfolg die Thiermalerei. 
Er malte sowohl lebende als todte Thiere im Genre von Hondekoeter mit grosser 
Naturwahrheit, besonders Federvieh, Singvögel, Hausthiere. Solche Bilder befinden 
sich in der neuen Pinakothek, bei Consul Wagener in Berlin, bei der Fürstin Liegnitz 
ebendort. Er war kgl. Hoftheatermaler und starb im Jahr 1862. 6 
Literatur. Br-nlliot, Dictionnaire des Monogrammes 1.  Müller, Universalhandbuch von München. 
' Abgebildet in den Denkmälern der Kunst. Atlas zu Kuglers Pandb. der Kunstzßwll- Tßf- 129, Fig. 2.
        

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