Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
F - L
Person:
Müller, Friedrich Klunzinger, Karl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1051288
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1057517
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Lionardo , 
Giovanni di Ser 
Liotard, Johanp Michael. 
Lieblichkeit in seinen heiligen Familien mit Johannes,  mit der herzutretenden Anna, 
den heiligen Zacharias und Joseph. Das Porträt ist durch ihn zur vollsten Selbst- 
ständigkeit und Vergeistigung gelangt; ihm ist es zuerst gelungen, das feine Spiel 
der Empfindung auf der Gesichtsoberiläche wiederzugeben, er hat in der Wahl der 
Gewandung und des Hintergrundes zuerst die verschiedenen Stimmungen, unter denen 
ein Porträt aufgefasst sein will, zur Anschauung gebracht. Von diesem Genre nennen 
wir sein eigenes Bildniss H" und das der Mona Lisa, Gemahlin des Giocondo,  an 
welch' letzterem er vier Jahre arbeitete und es doch für unvollendeterklärte, wie er 
überhaupt sich selbst nie genügte und nur Weniges ganz ausführte. Von dem Porträt 
werden wir zu jenen allgemeinen Charakter- und Empiindungsbildern geführt, in 
denen eine Naturstimmung so trefflich erfasst ist, wie in seiner Leda, seinem Bacchus, 
seiner Pomona. Aber endlich mischt sich bei ihm das Kühne mit dem Weichen, um 
seiner Hand die merkwürdigsten Verbindungen menschlicher und Thiergestalt zu ent- 
locken, ja ihn selbst zu politischen Satyren in Thicrgestalt zu veranlassen. An- 
langend die Art und Weise der Darstellung, so hat er der Zeichnung erst die sichere 
und gemässigte anatomische Grundlage gegeben, er hat zuerst in Italien das Körper- 
hafte in der Lichtwirkung völlig dargestellt. Er wusste der Oelmalerei gerade das 
zu entlocken, was allein durch sie gegeben werden kann. Während man tief be- 
dauern muss, dass das erwähnte Abendmahl, welches er für das Refektorium der 
Dominikaner von S. Maria delle Grazia malte, nur noch als Ruine vorhanden ist, 
gereicht es zur Befriedigung, doch solches durch einen guten Kupferstich von 
Raphael Morphen verbreitet und Originalcartons der einzelnen Köpfe erhalten zu 
wissen, sowie man überhaupt noch viele Federzeichnungen von ihm hat. Er schrieb 
auch über die Malerei Trattato della Pittura. Als Bildhauer schuf er das Modell 
zu einer kolossaleu Reiterstatue Herzogs Franz I. Sforza, dasselbe wurde aber im 
Jahr 1499 von den Franzosen zerstört. Als Architekt erhielt er im Jahr 1490 den 
Auftrag, eine grosse Kuppel für den Dom in Mailand aufzuführen. Als Ingenieur 
leitete er unter Anderem das Wasser der Adda nach Mailand, als Mechaniker schuf 
er einen Löwen, der beim Einzug Königs Franz I. in Mailand als Automat sich 
diesem entgegenbewegte und sein Herz von Lilien ausschüttete. Als Anatom schrieb 
er eine Abhandlung über die Bewegungen des menschlichen Körpers, wovon jedoch 
nur ein Fragment erschien. Von seinen Gedichten ist noch ein Sonnet erhalten: 
Chi non pub quel che vuol etc. Als Musiker verfertigt-e er selbst ein Instrument fast 
ganz aus Silber in Form eines Pferdekopfs , und übertraf alle Musiker, die nach Mai- 
land gekommen waren , um sich hören zu lassen. Unter seinen Schülern war Bern. 
Luini, Marco d'Oggione, G, A. Beltraffio, Cesare da. Sesto, Franc. Melzi. 
Er bezeichnete seine Werke mit L. d'la finse, pin.; Leonardo inv. und beigesetzten 
Monogrammen. Im Jahr 1519 starb er zu Cloux bei Amboise , umgeben von seinem im 
treuen Diener Vilanis und seinem Freunde , obengenannten Melzi , nicht in den WM 
Armen Königs Franz I., wie Vasari angibt. 
Literatur. Brulliot, Dictionnaire des Monogrammes.  Burckhardt, Der Cicerone, 5- P3931- 
Fiorillo, Geschichte der zeichnendeu Künste in Italien.  Göthe, Winkelmsnn und sein Jahr- 
hundert. Bd. II. Abth. I. S. 6155.  Kügler, Handbuch der Geschichte der Malerei.  Otto Mündler, 
Essai d'une Analyse critique de 1a notice des tableaux italiens du Musee National du Louvre.  Stark, 
Leonardo da Vinci, Sepnratabdruck aus dem Album des pädagogischen Seminars an der Universität 
Jena.  Fasari, Leben der ausgezeichnetsteu Maler, Bildhauer und Baumeister 3 ß- 
 Lionardo, Giovanni di Ser, Goldschmied in Florenz. Er war ein Schüler des 
Cione und fertigte nach besserer Zeichnung als.seine Vorgänger Vieles mit dem 
Ciselireisen und in gelötheter Arbeit, darunter vornämlich den Altar und die Tafel 
von Silber in S. Jacob zu Pistoja, an welcher ausser verschiedenen historischen Dar- 
stellungen eine Figur des heil. Jacob sehr geriihmt wird.   
Literatur. Vasari, Leben der ausgezeiohnetsten Maler, Bildhauer und Baumeister. Erster Theil. 
Liotard, Johann Michael, Zeichner und Kupferstecher, geboren zu Genf im 
Jahr 1702. Er war ein Zwillingsbruder des Johann Stephan und der beste Schüler 
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Abgebildet in denDankmälel-n de: Kunst. 
Ebendsselbst. Taf. 74, Fig. i. 
   
Atlas zu Kuglers Handb. der Kuustgesch.
        

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