Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
F - L
Person:
Müller, Friedrich Klunzinger, Karl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1051288
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1052001
Fiesole, Beato Fra Giovanni Angelico da. 
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Staifeleibildern von grösserem Maassstabe macht sich jener Mangel naturgemässer 
Durchbildung der Formen, bei aller feierlichen Würde in der Gesammterscheinung 
der Gestalten hauptsächlich geltend. Es scheint, als habe er in denselben eine fromme 
Befangenheit ficht überwinden können, während er in den Predellen, Giebelbildem 
n. s. w. mit ihren kleineren Figürchen sich so frei und schön bewegte; auch wirkt 
die überlleissige Ausführung bei der ungenügenden allgemeinen Körperkenntniss 
nicht günstig. Dagegen nähern sich seine Wandmalereien, insbesondere diejenigen, 
womit er seinen langjährigen Wohnsitz, das Dominikanerkloster S. Marco zu Florenz, 
schmückte, einer viel grösseren Vollkommenheit. Hier machte die Frescomalerei 
eine gewisse Mässigung in den Darstellungsmitteln unvermeidlich; hier konnte er, 
nicht beängstigt durch den Gedanken ein Cultusbild malen zu müssen, seine Ideen 
frisch, wie ihn der Geist trieb, verwirklichen. An ihnen lernt man am Besten das 
Gemüth des edlen und liebevollen Meisters kennen und verstehen. 
In diesen Wandgemälden von S. Marco, die uns ein gütiges Schicksal noch sehr 
gut erhalten, ist fast die höchst mögliche Lösung der betreffenden Aufgaben erreicht, 
ja der darin zur Erscheinung kommende überquellende Reichthnm an den schönsten 
und naivsten Köpfen ist gepaart mit einem Geist und einer Tiefe in der Auffassung 
der Thatsachen, wie sie nur den grössten Meistern eigen ist. Ueber dem Eingange 
hat er als schönstes Denkmal der Gastfreundschaft zwei Dominikaner gemalt, wie 
sie den als Pilger verkleideten Heiland gastlich aufnehmen. Ueber einer anderen 
Thüre sehen wir Christus im Grabe, eine Rechtfertigung für Alle, welche die Welt 
verlassen, um in der Klosterzelle der Auferstehung zu harren. Ueber der Kirchen- 
thüre: ein Bild des Schweigens, als Symbol des beschaulichen Lebens. Dann am 
Ende des ersten Kreuzganges: den heil. Dominicus in der Andacht zum Kreuze. Im 
Kapitelsaale malte er den Gekreuzigten, wie er von einer sehr grossen Anzahl von 
Heiligen, die in Bewunderung, Schmerz, Ekstase auf den Gekreuzigten schauen, 
angebetet wird  eines der herrlichsten Werke der Welt in Beziehung auf Tiefe 
des religiösen Ausdrucks. Im obern Klostergange finden sich eine wunderbar schöne 
Verkündigung, eine Madonna in trono mit Heiligen, und Christus am Kreuz. An 
diesen Gang stossen nun die Zellen der Klosterbrüder, die sämmtlich  32 an der 
Zahl  mit Wandgemälden geschmückt sind. Die vorzüglichsten darunter sind: die 
Verkündigung, die Geburt, Anbetung der Könige, Taufe, Darstellung im Tempel, 
Verklärung auf Tabor, die Bergpredigt, die Versuchung, das Abendmahl, Gebet am 
Oelberg, Kreuztragung, Christus am Kreuz, Grablegung, Christus in der Vorhölle, 
die Marien am Grabe, die Krönung hIariä u. s. w. Alle diese Gemälde bilden zu- 
sammen einen Cyklus aus der Lebens- und Leidensgeschichte des Erlösers und jedes 
einzelne Bild enthält einen Heiligen, wahrscheinlich den Patron des Mönchs, der 
gerade die Zelle bewohnte, Wodurch die Darstellung der Vergangenheit, überhaupt 
der Zeit, entrückt und in eine fortwährende Gegenwart versetzt wird.  
Ausser diesen und anderen Wandmalereien, sowie grösseren Staffeleibildern sind 
von Fiesole eine Menge kleinerer Bilder bekannt, die über ganz Europa zerstreut 
sind. Wir geben in Folgendem ein Verzeichniss sämmtlicher Werke des Meisters, 
die sich uns erhalten und von denen wir Kunde haben, Man sieht. im Museum zu 
Antwerpen: den heil. Ambrosius, der dem Kaiser Theodosius den Eintritt in den 
Tempel verwehrt; im Besitz des Hrn. Beckford zu Bath (England): Maria und den 
rerkündigenden Engel, ein vom innigsten Gefühle schöner reiner Andacht durch- 
flfllngenes, im zartesten Schmelz ausgeführtes Bild; im Museum zu Berlin: ein 
Jüngstes Gericht (jedoch nur geringen Theils von seiner Hand und, wie Waagen 
annimmt, von Cosimo Roselli vollendet); Maria mit dem Kinde auf dem Throne,- 
von den h. h. Dominicus und Petrus lilartyr verehrt; die h. h. Dominicus und Francis- 
cus; den heil. Franciscus von seinen Ordensbrüdern auf einer Wolke getragen; zu 
CoIrtona in S. Domenico: Madonna. mit Heiligen, Wandgemälde über der Eingangs- 
thufie, 1m Bogen die vier Evangelisten; ferner: eine Madonna mit Engeln und vielen 
Helhgen (1f140), eine fir den Hauptaltar bestimmte, der Kirche von Cosimo und 
LOFQIIZO de Medici geschenkte Tafel (jetzt im Chor); in der Kirche al Gesn: eine 
Müller, Künstlerlexikon, 11, 4
        

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