Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
F - L
Person:
Müller, Friedrich Klunzinger, Karl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1051288
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1051855
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Ferrari, Francesco Bianchi 
Ferrari, Gaudenzio. 
in der Nähe von Rovigo , gest. 1708, lernte anfänglich das Figurenmalen und später 
unter Gabriel Rossi die Verzierungs- und Ansichtsmalerei, welche er zuerst in_ 
Ferrara einführte und weiter verbreitete. Man sieht dort noch verschiedene der- 
artige Bilder und Landschaften, die er mit historischen Darstellungen staüirte; er 
hinterliess aber auch einige geschichtliche Bilder in den Kirchen zu Ferrara und 
anderwärts, worunter wir nur an sein Martyrium des heil. Sebastian in S. Petronio 
zuBologna erinnern wollen. Seine Hauptstärke bestand indessen in der Architektur- 
lnalerei. Er malte auch in verschiedenen Städten Italiens und in Wien Dekorationen 
iiir Theater.  
Ferrari, Francesco Bianchi, genannt il Frari, ein ausgezeichneter Historien- 
maler, geb. 1447, gest. 1510, lebte in grossern Ansehen und Ruf zu Modena und 
schuf dort eine grosse Anzahl trefflicher Werke, von denen aber nur noch wenige 
erhalten sind. Im Louvre zu Paris sieht man von ihm: eine Madonna auf dem Throne 
mit Engeln und Heiligen, die besonders in den Köpfen einen Einfluss des Fr. Francia 
erkennen lässt, ohne dass jedoch darunter des Meisters edle Eigenthümlichkeit Noth 
gelitten. Die guten Verhältnisse, die freien Bewegungen, die zierlichen Hände 
und Füsse, die helle leuchtende und warme Färbung verrathen eine sehr achtbare 
und vielseitige Ausbildung. Die ausserordentliche Verwandtschaft aller Theile dieses 
Bildes, selbst der gemalten Reliefs am Throne mit dem berühmten Bilde des heil. 
Franciscus von Correggio in der Dresdner Gallerie bestätigt die Vermuthung, dass 
er der Lehrer des Letzteren gewesen. 
Ferrari, Gaudenzio, Maler und Bildhauer, ein höchst verdienstvoller und äusserst 
fruchtbarer Künstler, geb. 1484 zu Valduggia im Kreise Novara (Sardinien), gest. 
1549 zu Mailand, erhielt den ersten Unterricht in der Kunst von Girolanro Giove- 
none zu Vercelli, kam hierauf nach Mailand zudem Maler Stefano Scotto, der ein 
vorzüglicher Arabeskeumaler gewesen sein soll (von dem aber keine WVerke auf uns 
gekommen zu sein scheinen), bildete sich jedoch dort meistens nach Leonardo da 
Vinci, dessen Carton mit der Darstellung der heil. Anna er, mit Hinzufügung des 
heil. Joseph und einiger anderer Heiligen, für S. Marco zu Vercelli in Farben copirte. 
Im Jahr 1502 sehen wir ihn dann in der Werkstätte des P. Perugino thätig und 
enge Freundschaft mit Raphael schliessen, dessen bereits sich entfaltendes Genie 
_ihn mächtig anzog. Diese Vorbilder und eigenes emsiges Streben, entwickelten 
jetzt sein erninentes Talent so rasch, dass er schon 1504 in dem berühmten piemon- 
tesischen Wallfahrtsort Varallo ein grosses umfangreiches Werk ausführen konnte, 
das die Kräfte eines Jünglings zu übersteigen scheint und heute noch allgemeine 
Bewunderung erregt. Er stellte nämlich in der Capella del saero monte den Opfer- 
tod Christi in einer grossen Composition dar, und zwar die Hauptiiguren als plastische 
naturgemäss colorirte Arbeiten; hinter denselben sind dann die Wände mit Fresken 
gemalt, Welche reitende Krieger, zuschauende Frauen u. s. f. darstellen und gleich- 
sam die Fortsetzung und Ergänzung der Sculpturen bilden. An dem Gewölbe Sieh; 
man achtzehn klagende Engel, zum Theil vom schönsten Ausdruck. Nach Voll- 
endung dieser Werke folgte er Raphael zuerst nach Flgrenz, und, nachdem er 
sich hierauf wieder einige Zeit in der Heimath aufgehalten und 1507 im Minoriten- 
kloster zu Varallc eine Darstellung im Tempel und einen Christus unter den Schrift- 
gelehrten gemalt hatte, im Jahre 1508 nach Rom. Im Jahr 1510 kehrte er jedoch 
wieder nach Varallo zurück, wo er in der Kapelle S. Margherita die Geschichte 
Christi in 21 Bildern, die übrigens alle den Einßuss des Leonardo verrathen, malte. 
Sie tragen die Jahreszahl 1513. Nachdem er diese und andere Arbeiten vollendet, 
begab sich Ferrari abermals nach Rom, wo er Raphael bei der Ausführung seiner 
Fresken in der Farnesina und im Vatikan half, und nach dem Tode des Letztgrgn 
in Gemeinschaft mit Giulio Romano und PieriIIO del Vaga fortarbeitete, jetzt 
eifrigst bemüht, auch den Styl dieser Meister sich anzueignen. Im Jahr 1524 zog 
er wieder nach Varallo, woselbst er nunmehr eine ungeheure Thätigkeit entfaltete, 
eine Menge Bilder und Sculpturen ausführte und Viele Schüler bildete, unter denen 
bf-ISOIIÖQTS Andrea Solari, Bernardino Lanini, Firmo Stello, Cesare Luini,
        

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