Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
F - L
Person:
Müller, Friedrich Klunzinger, Karl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1051288
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1054571
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Grünewald , Matthias 
Grnenler. 
Verkündigung, von einem Schüler Grünewalds ausgeführt, das Innere mit der 
h. h. Magdalena, Ursula, Erasmus und Katharina ist von Lucas Kranacb; 
das Innerste zeigt über einer grossartigen Landschaft eine Glorie der heil. Jungfrau, 
vor welcher der Donator, Kurfürst Albrechmzkniet, auf den Seitenüügeln sieht man 
die h. h. Alexander und Mauritius in der Rittertracht des 16. Jahrhunderts, auf der 
Rückseite den heil. Augustin und Johannes den Evangelisten; diess rührt von Griinewald 
her. Aus dieser Vertheilung der Arbeit geht oüenbar hervor, dass Grünewald als 
der Meister zu betrachten ist, bei dem das ganze Werk bestellt wurde, dass Lucas 
Kran ach, als der tüchtigste seiner Gehülfen, die zweite Stelle einnimmt, und dass 
ein schwächerer Schüler die äusseren Bilder malte.  Auch ein schönes zwischen 
1513 und 1519 gemaltes Rosenkranzbild in der Antonikapelle des Doms von Bam- 
berg ist ein Werk Grünewalds, gleich wie zwei Tafeln in der Abefschen Sammlung 
im Schlosse zu Ludwigsburg, von denen die eine Maria mit dem Jesuskinde, die andere 
(aus dem Kloster Banz bei Bamberg stammend) die Apostel Jacobus den älteren, 
Thomas, Andreas und Johannes den Täufer, Erasmus und Christoph darstellt. Im 
Berliner Museum wird ihm ein heil. Hieronymus und in der Darmstädter Gallerie ein 
"das Mannasammeln" betiteltes Bild zugeschrieben. 
Nach allen diesen von ihm erhaltenen unzweifelhaft ächten Bildern des Meisters 
zu urtheilen, müssen wir Grünewald als einen der bedeutendsten und grössten Maler 
des 16. Jahrhunderts anerkennen. Fehlt ihm auch der geistige Fond Dürer's, 
dessen Phantasie und energische Charakteristik, so kommt Grünewald letzterem doch 
an Freiheit und Grossartigkeit der Auffassung, an Breite der Behandlung völlig 
gleich, ja er übertrifft ihn sogar öfters in Einfachheit und natürlicher Würde, in 
Haltung und Bewegung, in seiner vom feinsten Kunstgefühl geleiteten Mässigung 
der sichtlich aus der Wirklichkeit entlehnten Züge. Er hat sich durch die edle 
Grösse und anmuthsvolle Schönheit seiner Charaktere mitten unter den Verlockungen 
zum Niederen und Gemeinen, denen selbst der grösste Genius der deutschen Kunst 
nicht zu widerstehen vermochte, rein erhalten und sich dadurch um diese ein unver- 
gängliches, nicht hoch genug zu stellendes Verdienst erworben. Seine Charaktere 
sind stets bedeutend und würdig, die Gewandung ist studirt und mit Geschmack in 
grossen Massen gehalten, die Proportionen der Figuren hielt er zwar etwas kurz, 
die Zeichnung ist aber sicher und fest, in den Formen nicht eckig und mager, wie 
die seiner Zeitgenossen, seine Umrisse sind nicht dunkel umgrenzt, in seiner späteren 
Zeit selbst weich, sein Colorit ist blühend, ohne bunt zu sein, und die Farben sind 
harmonisch in ihrer Zusammenstellung. Ein dunkeles Purpur oder Violet, ein leuch- 
tendes Grün mit mildernden Lasuren üben bei ihm einen besonderen Reiz; auch liebt 
er das Schillern des Sammts. Der Fleischton ist bei den männlichen Gestalten meist 
bräunlich fahl mit tiefen etwas schweren Schatten, bei den Frauen meist angenehm 
röthlich und klar. Der Vortrag ist höchst gediegen, verschmolzen und die Model- 
lirung sehr stark. Seine Landschaften zeigen grossartige Linien und sind äUSSETSt 
zart behandelt. 
Zahlreiche Tafeln, die sich in der Gegend von Aschaffenburg zerstreut finden 
und an denen die Weise Grünewalds in verschiedenen Verblassungen Sichtbar ist, 
beweisen seine Wirksamkeit als Lehrer. Doch ist uns keiner seiner Schüler nament- 
lich bekannt. Dass er der Lehrer des Lucas Kranach gewesen, ist "nWßhYSßhein- 
lich, dass er aber auf Letzteren einen so grossen und wesentlichen Einfluss ausge- 
übt, dass manche Gestalten auf Bildern Zweifel erregen, welcher von beiden der 
Urheber gewesen sei, ist eine unbestreitbare Thagsache, DieSS bezieht sich nament- 
lieh auf die Darstellung der Charaktere bei Männern und Frauen, der Tracht, und 
Färbung bei den Frauen und auf die Art und Weise, wie bei Männern und Frauen 
die Hände gezeichnet sind. 
Literatur. Passavant, Kunstblatt, Jahr-g. 1841 Nro. 104.  Derselbe, Kunstblatt, Jahr-g, 1846 Nra. 
32 u. 48.  Kugler, Handbuch der Geschichte der Malerei.  Fors ter, Geschichte der deutschßn 
Kunst. Leipzig, 1851.  Waagen, Kunstwerke und Künstler in Deutschland, 
Gruenler, Ehregott, ein Historienmaler in Leutenroda, Von dem wir seit 1834 
Gemälde angeführt finden. Im Jahr 1850 sah man von ihm zu Berlin: Napoleon,
        

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