Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
F - L
Person:
Müller, Friedrich Klunzinger, Karl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1051288
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1054298
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Gozzoli. 
des Palastes vorgenommen wurden, jetzt fast ganz des Tageslichtes beraubt und 
müssen daher bei Kerzenlicht betrachtet werden. Sie sind besonders dadurch merk- 
würdig, dass in ihnen vor der Sala de' Giganti des Giulio Romano im Palazzo 
del Te zu Mantua zum erstenmale der ganze Raum der Wände zu fortlaufenden und 
ununterbrochenen Darstellungen benützt ist. Die (nicht mehr vorhandene) Altar- 
tafel enthielt die Anbetung der Könige; die Nische, worin sie sich befand, ist als 
Rosengarten ausgemalt, welcher von Engeln begossen wird , während andere knieen 
oder über den Bäumen schweben, das Christuskind (auf der Altartafel) anzuheben. 
An den zwei schmalen Seitenwänden vor der Altarnische sieht man die Anbetung 
der Hirten; dicht daneben auf der Wand zur Rechten beginnt der Zug der heran- 
nahenden heil. drei Könige, eine ügurenreiche und lebendige Compoition, welche 
sich , nur von den kleinen Fenstern und der Eingangsthüre unterbrochen, zusammen- 
hängend um die drei Wände herumbewegt. Unter dem Gedränge brachte Benozzo 
sein eigenes Bildniss mit der goldenen Unterschrift: Opus Benotii an. 
Später finden wir den Künstler in S. Augustin zu S. Gimignano, unweit Volterra, 
beschäftigt. Im Jahr 1464 fertigte er für diese Kirche ein Bild des h 'l. Sebastian, 
welcher die Einwohner des Ortes von der Pest befreit und von ihnen anäebetet wird, 
ein Gemälde, das sich mit der Angabe des Jahrs, in welchem es vollendet wurde, noch 
jetzt an der Seitenwand des Altars dieses Heiligen befindet. Dann stellte er in der 
Hauptkapelle derselben Kirche Begebenheiten aus dem Leben des heil. Augustin, und 
in den Abtheilungen des Kreuzgewölbes die vier Evangelisten dar. Diese Bilder sind 
vom Jahr 1465. In demselben Jahre vollendete er ein Bild für den Altar des heil. 
Sebastian in der Dechanei von S. G-imignano, den Tod dieses Heiligen darstellend. 
Auch im Chor derselben Kirche sieht man noch eine Altartafel von Gozzoli, eine 
thronende Madonna mit vier Heiligen, welche die Jahrszahl1466 trägt. Im Raths- 
saale von S. Gimignano malte er einige Figuren, restaurirte auch (im Jahr 1467) 
einige ältere Bilder, welche der Inschrift zufolge von Lippo Memmi im Jahr 1317 
gefertigt worden waren. Die für die Kirche der Mönche von Monte Olivete ver- 
fertigten Gemälde, unter denen besonders ein Cruciliix gerühmt wird , scheinen nicht 
mehr vorhanden zu sein. 
Nachdem also Benozzo von 1464-1467 in S. Gimignano thätig gewesen, ver- 
weilte er einige Zeit in Rom, wo er in Araoeli in der Kapelle der Cesarini arbeitete, 
beim Thurme der Conti über einem Durchgangsthor die Madonna mit vielen Heiligen 
a1 fresco darstellte, und in S. Maria Maggiore in einer Kapelle rechts vom Haupt- 
eingang einige Bilder an die Wand malte (die aber, wie die vorhererwähnten, nicht 
mehr vorhanden sind). Von Rom nach Florenz zurückgekehrt. begab er sich nach 
Pisa, wo er im Jahr 1468 anlangte, von 1469 bis an sein Lebensende thätigwar, 
und in einem Zeitraume von 16 Jahren sein Hauptwerk, seine berühmten Malereien 
im dortigen Campo Santo ausführte. Er stellte hier auf der Nordwand in 24 Bildern 
Geschichten aus dem alten Testament, von Noah an bis zum Besuch der Königin von 
Saba, dar. Der grössere Theil dieser Darstellungen, für welche der Künstler die 
Gesammtsummß von 9533 Livres von Pisa erhielt, ist noch ziemlich rein erhalten, 
und bildet eines der anziehendsten Denkmale der Kunst des 15. Jahrhunderts. Ausser- 
dem malte er in PiSa für die Nonnen von S. Benedetto an der Ripa d'Arno verschie- 
dene Begebenheiten aus dem Leben des heiligen Benedict, und für die Brüderschaft, 
der Florentiner eine Altartafel und viele andere Gemälde, von denen indessen, wie 
von denen, die er für S. Oaterina, für die Kirche S. Niccolo und für S. Croce ausser- 
halb Florenz arbeitete, kein einziges mehr erhalten ist. Nur das für den Dom zu 
Pisa. gemalte Temperabild, den heil. Thomas von Aquillß dßrstellelld. umgeben voll 
einer Anzahl von Gelehrten, welche über seine Werke streiten, ist noch vorhanden 
und wird im Louvre zu Paris aufbewahrt. 
Nachdem Benozzo im Jahr 1470 seinen Vater Lese begraben und zur Leichen- 
feier von den Pisanern eine Gratifikation erhalten hatte, starb er nach der Voll- 
endung seiner Malereien im Campo Santo selbst lebensmüde in seinem 61. Jahre. E! 
wurde von der ganzen Stadt betrauert und sehr ehrenvoll im Campo Santo begraben,
        

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