Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
F - L
Person:
Müller, Friedrich Klunzinger, Karl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1051288
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1054223
Gossaert. 
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Zeuxis und Apelles sahen, und nichts anderes zu thun wussten, als ihn nachzuahmen, 
lange Zeit zur herrschenden Richtung. Während aber nun in seinen Werken bei 
allem Manierirten und Uebertriebenen doch noch ein Nachklang früherer Tiefe und 
jene meisterliche Sorgfalt eines Miniaturmalers vorherrscht, büssten seine Nachahmer 
über dem Bestreben, sich die Idealität der Charaktere , die Schönheit der Linien, das 
Verständniss der Formen jener Meister anzueignen, jenen den Niederländern inne- 
wohnenden reinen Natur- und Farbensinn ein und verfielen in leere Verzerrungen, 
Uebertreibungen und Missformen. Ja, selbst bei Mabuse, der doch noch mit grosser 
Geschicklichkeit von der Kunstweise der grossen Italiener, von jenen idealen , vollen 
und schönen Formen, von den freien, kräftigen und anmuthigen Bewegungen, von 
der edlen, von der Zeittracht unabhängigen Anordnung der Gewänder so viel sich 
anzueignen wusste, als in seinem Vermögen lag, selbst bei ihm erlangte diese 
Richtung, weil alle Kunstvorzüge und Eigenthümlichkeiten Blüthen und Früchte 
sind, die sich nur aus der lebendigen Pflanze entwickeln, und sie auch bei ihm 
nicht naturwüchsig war, nur ein Scheinleben. 
Von der grossen Anzahl der dem Mabuse zugeschriebenen Gemälde scheint in- 
dessen ein Theil noch einer Untersuchung zu bedürfen, um Copien auszuscheiden, 
Welche, nach van Mander's Zeugniss, von Pauwels van Aelst, einem Sohn 
des Pieter Koeck van Aelst zu Antwerpen verfertigt wurden. 
Für die besten bekannten Bilder seiner ersten Periode, d. h. vor seiner Reise 
nach Italien, hält man: die grosse und reiche Anbetung der Könige, im Besitz des 
Grafen Carlisle auf dessen Landsitz im Castle-Howard in Yorkshire (England); eine 
andere Darstellung desselben Gegenstandes, im Louvre zu Paris; eine Kreuzigung 
und die Goldwägerin, im Berliner Museum; die Flügel eines Altars, im Dom zu Lübeck, 
Heilige mit einer Familie Donatoren in reicher schöner Landschaft darstellend; einen 
Altar, in dessen Mitte Christus bei Simon, dem Pharisäer, und Magdalena, welche 
ihm die Füsse wäscht, nebst mehreren Aposteln, auf dem rechten Flügel die Himmel- 
fahrt der Magdalena, auf dem linken die Auferweckung des Lazarus dargestellt ist, 
im Museum zu Brüssel; eine Kreuzabnahme und eine Darstellung der Dreieinigkeit 
mit den allegorischen Gestalten der Charitas und Pax, in der ehemaligen Sammlung 
des verstorbenen Königs von Holland im Haag; den todten Christus, von Maria, 
Johannes und drei heiligen Frauen beweint, und den Erzengel Michael, Altariiügel, 
in der Pinakothek zu München; Maria in ihrem Schmerz von Johannes und von drei 
heiligen Frauen unterstützt, und die gerechten Richter zu Pferd, zwei Bilder, die 
wahrscheinlich Fragmente einer Kreuztragung sind, im Museum zu Antwerpen; den 
heil. Donatianus, den Schutzpatron von Brügge, ein Rad mit Lichtern haltend, im 
städtischen Museum zu Tournay; die thronende Maria mit dem Kinde, von Engeln, 
Heiligen und den Donatoren umgeben, im städtischen Museum zu Rouen; Maria mit 
dem Kinde unter einem Baldachin, umgeben von Heiligennnd Donatoren , im Besitz 
des Hrn. Blundell Weld in London; eine Kreuzabnahme in der Gallerie der Uffizien 
zu Florenz. Hieher gehören ferner die (schon erwähnten) Bildnisse der Kinder 
König Heinrich's VII. von England und die Porträts König Jakobs IV. von Schottland 
und seines Bruders, des Prinzen Alexander, hinter ihnen als Schutzheiliger der heil. 
Andreas, im Schloss Hamptoncourt bei London. (Ein zweites Exemplar der drei 
Kinder Heinrich VII. in der Bildersammlung des Grafen Pembroke in Wiltüllhouse 
ist, nach Waagen's Ürtheil, so gut, dass es wohl eine Wiederholung des Bildes 
in Hamptoncourt vom Meister selbst sein kann, obgleich damit die darauf vorkom- 
mende Jahrszahl 1495 in Widerspruch kommt, da die Kinder auf beiden Bildern 
durchaus in gleichem Alter erscheinen.  Eine alte Copie des Gemäldes in der Bilder- 
sammlung zu Corshamhouse.  Das Porträt der Mutter Heinrichis VII., Margaretha, 
ill der Biidersammlung zu Corshamhouse, hält Waagen für ein Bild aus der früheren 
Zeit Holbein's. 
Unter die bedeutendsten Bilder, welche der Meister waixend oder nach seinem 
Aufenthalt in Italien ausgeführt, zählt man; den an der Martersäule sitzenden 
Christus , bezeichnet "Joannes Malbodius invenit", eines der ersten Zeit seiner
        

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