Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
F - L
Person:
Müller, Friedrich Klunzinger, Karl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1051288
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1053841
gewähren, anreiheu, Zu oberst sind Statuen von Evangelisten, Propheten, Pa- 
triarchen und Sibyllen angebracht, von denen es indessen zweifelhaft bleibt, ob sie 
sich auf Giotttfs ursprüngliche Ideen beziehen. Ein zweites Hauptwerk von Giotto 
ist die nach seinem Plane um dieselbe Zeit begonnene brillante gothisclie Facade des 
Doms zu Florenz, die aber nur zur Hälfte ausgeführt und 1588 abgeworfen wurde, 
ohne bis heute durch eine andere ersetzt worden zu sein. Dieselbe soll aus einer 
Menge von Darstellungen aus dem Leben der heil. Jungfrau in besonderen Taber- 
nakeln und aus Statuen von theils religiöser, theils historischer Bedeutung bestan- 
den haben.  
Während der Bau dieser beiden kirchlichen Monumente sammt ihrer künstleri- 
schen Dekoration unter seiner Leitung rasch vorwärts schritt, malte er für die 
Nonnen von S. Giorgio und für die Abtei von Florenz einige Bilder, die zu Grunde 
gegangen sind. Ferner stellte er im grossen Saale des Podesta in einem allegori- 
rischen Gemälde die Gemeine in der Gestalt eines Richters , sitzend , mit dem Scepter 
in der Hand, über dem Haupte eine gleichwägende Waage und zu seinen Seiten die 
Tugenden der Stärke , Klugheit, Gerechtigkeit und Mässigung dar. 
Giotto hatte unterdessen das Ende seiner Tage erreicht, er starb und wurde 
in S. Maria del Fiore begraben, woselbst ein Grabmonument das Andenken an den 
grossen Künstler wach erhält. Der glorreiche Lorenzo de' Medici, der ältere, liess 
seine von Benedetto da Majano gearbeitete Büste in Marmor, mit einer Inschrift 
von Angele Poliziano versehen, in S. Maria del Fiore aufstellen. 
Schüler von Giotto waren: Taddeo Gaddi, Puccio Capanna, Ottaviano 
aus Faenza, Pace aus Faenza, Guglielmo aus Forli und Pietro Cavallini. 
Das unsterbliche Verdienst des ruhmgekrönten Giotto , dieses gewaltigen Refor- 
mators der Kunst im 14. Jahrhundert, der in allen drei Künsten so Ausserordentliches 
geleistet, liegt unbestritten auf Seiten der Malerei, der seine Hauptthätigkeit ange- 
hört, die mit ihm einen ganz neuen Umschwung annahm. Seine Wirksamkeit, welche 
gerade in die Blütheperiode der toskanischen Dichtkunst fiel, erstreckte sich über 
ganz Italien, von Neapel bis an den Fuss der Alpen, ja selbst das ferne Frankreich 
wurde der Schauplatz seines Schaffens. Ein Jahrhundert nach seinem Tode noch 
gebot sein energischer Geist über die ganze Richtung der Kunst und von Mund zu 
Mund, von Geschlecht zu Geschlecht wurde sein Ruhm getragen. Päpste und Fürsten, 
Städte und angesehene Klöster wetteiferten , ihm ehrenvolle Aufträge zu geben und 
waren stolz auf den Besitz seiner Werke. Die hervorragendsten Männer seiner Zeit, 
Dante , Pet-rarca, Boccaccio und der Geschichtsschreiber Villani waren seine Freunde 
und seines Lobes voll. 
UnterSllßllell Wir nun, worin diese kühne Reformation der Kunst bestanden, 
worin Giottds grosse künstlerische Bedeutung gelegen, so finden wir dieselbe 
durchaus nicht in einem ausschliesslichen Streben nach idealer Schönheit oder Tiefe 
der Empündung, worin ihm die gleichzeitigen Sienesen und selbst in gewisser 
Beziehung sein Lehrer Cimabue überlegen, oder nach Durchführung seiner 
Werke bis in's Wirkliche, bis in die Täuschung, worin ihn der geringste der Mo- 
dernen übertreifen kann. Selbst das Colorit, das zwar leichter gehalten ist, als in 
der byzantinischen Vorzeit, befolgt immer noch mehr eine conventionelle Scala. 3-13 
die Wirklichkeit. Auch die menschliche Gestalt erscheint nur so weit vervollkomm- 
lleh als zum freien Ausdruck der geistigen und leiblichen Bewegung dienlich ist, 
und letztere wird noch nicht darum dargestellt, weil oder wenn sie schön undan- 
mllßhig ist, sondern weil der Gegenstand sie verlangt. Der Typus seiner Köpfe bei 
Männern und Frauen, in denen jede Rückerinnerung an die Antike, die bei den 
Sienesen noch so lebendig vorhanden, verschwunden erscheint, ist nicht unangenehm, 
aber ohne Reiz. In Beziehung auf Würde der Darstellung, auf Feinheit und Tiefe 
der Empfindung, auf vollendete Ausführung, haben also schon Giotto's Vorgänger 
den Anforderungen ihrer Zeit entsprochen. Allein die christliche Kunst musste jetzt 
einen weiteren Umfang, einen reicheren Inhalt gewinnen und diesen ihr zu erobern
        

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