Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
F - L
Person:
Müller, Friedrich Klunzinger, Karl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1051288
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1053823
Giotto. 
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Orte befinden. Der heil. Vater war mit den Arbeiten des Künstlers so zufrieden, 
dass er ihm zur Belohnung 600 Dukaten gab und ihm, wie Vasari sagt, so viele 
Gunstbezeugungen erwies, dass in ganz Italien davon die Rede war; auch ihm be- 
fahl, die Wände der Peterskirche mit Darstellungen aus dem alten und neuen 
Testament zu schmücken. Giotto malte zuerst über der Orgel einen sieben Ellen 
hohen Engel al fresco, und dann noch verschiedene andere Bilder, worunter eine 
sehr schöne Mutter Gottes, die aber sämmtlich zu Grunde gegangen sind. (Eine 
Copie dieser Maria sieht man noch in der vatikanischen Gruft.) Dann rührt von 
Giotto auch das unter dem Namen der Navicella bekannte, eine Allegorie auf die 
Kirche darstellende Mosaikbild her, das seine Stelle öfters verändern musste und 
verschiedenen Restaurationen unterworfen wurde, so dass fast nur noch die Compu- 
sition als Giotto's Werk zu betrachten ist. Dasselbe stellt ein Schiff auf bewegtem 
Meere mit den Jüngern des Herrn dar, gegen welches die Winde, menschlich personi- 
iicirt, anstürmen; oben erscheinen die Väter des alten Bundes und sprechen Trost 
zu. Nach altchristlicher Weise bedeutet es die Kirche. Vorn, zur Rechten, steht 
Christus, der Hort der Kirche, in fester Stellung, indem er den Petrus aus den 
Wellen emporzieht. Gegenüber sitzt ein Fischer in ruhiger Erwartung, die Hoffnung 
der Gläubigen bezeichnend. Das Gemälde befindet sich jetzt in der Vorhalle der 
Peterskirche zu Rom. (Der Fischer und die in der Luft schwebenden Figuren sind 
in ihrer jetzigen Gestalt das Werk des Marcello Provenzale). Bei dieser Arbeit, 
welche 1298 von ihm ausgeführt worden sein soll und für welche ihm der Kardinal 
Jacopo Stefaneschi 2220 Gulden ausbezahlt, hatte Giotto den Simone Memrni 
zum Gehülfen. Hierauf malte er in der Minerva, der Kirche der Prädikantenmönche 
zu Rom, auf eine Tafel ein grosses Cruciiix in Tempera, das seiner Zeit sehr gerühmt 
worden sein soll. Ausser diesen Arbeiten soll er aufBefehl des Papstes BonifaciusVllI. 
einige Frescogemälde im Innern des alten Porticus von S. Giovanni in Laterano aus- 
geführt haben; dieselben gingen jedoch, als ein neuer Porticus an die Stelle des 
alten trat, zu Grunde, mit Ausnahme des Bildnisses jenes Papstes, das, mit noch 
zwei anderen, gleichfalls stehenden Figuren, von der Mauer abgenommen und im 
Innern der Kirche über dem Grabmale Bonifacius VIII. angebracht wurde. 
Nachdem Papst Clemens V. im Jahr 1307 seinen Hof nach Avignon verlegt hatte, 
musste ihm Giotto dahin folgen, und der Künstler führte sowohl hier als in ver- 
schiedenen anderen Städten Frankreichs eine Menge schöner Tafeln aus, welche dem 
Papste und dem ganzen Hofe ausnehmend wohl gefallen haben sollen. 
Im Jahr 1316 kam Giotto wieder nach Florenz, doch konnte er nicht lange dort 
verweilen, weil er nach Padua gerufen wurde, um dort in der Kirche des heil. Anto- 
nius eine Kapelle mit Bildern zu schmücken. Es ist jedoch von seinen dortigen 
Arbeiten, die meistens übertüncht sind, nur noch das Bildniss des heil. Frauciscus 
unterhalb der Orgel vorhanden; wenigstens wird es den; für sein Wer]; ausgegeben. 
Auch finden wir eine von ihm im Kapitel daselbst gemalte Passion erwährlt- Vßll 
Padua ging Giotto nach Vemllß, woselbst er für den Palast des Messer Cane einige 
Bilder, worunter dessen Porträt, malte, auch für die Brüderschaft des heil. Franciscus 
ein Gemälde ausfiihrte. Nach Beendigung dieser Arbeiten begab sich Giotto wahrschein- 
lich über Bologna, woselbst er um diese Zeit die für die Sakristei von S. Maria degli 
Angioli bestimmte Tafel, bezeichnet: Op. Magistri Jocti floren., gemalt haben 
mag (deren Mittelbild sich jetzt in der Brera zu Mailand befindet, während die Seiten- 
tafeln in der Pinakothek zu Bologna aufbewahrt, werden), nach Ferrara, woselbst 
er für den Palast der Herren von Este und in S. Augustin Mehreres malte. Als Dante, 
der 111 Ravenna in der Verbannung lebte, Kunde erhielt, dass Giotto in Ferrara sei, 
wusste er es dahin zu bringen, dass sein Freund nach jener Stadt kam und dort in 
S- FTß-"Cesco für die Herren von Polenta einige Bilder al fresco ausführte. Von 
Ravenna reiste Giotto nach Urbino, wo er einige Zeit thätig war, und kehrte von 
da UbeTÄTCY-ZO, Wo er im Chor des Doms einen heil. Martin malte, de; noch vor- 
113116811 ist, aber sehr gelitten hat, auch für die Abtei von Santa Fiora ein grosses
        

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