Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
F - L
Person:
Müller, Friedrich Klunzinger, Karl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1051288
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1053815
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Giotto. 
finden wir sodann vier Kapellen in S. Croce. In der ersten sieht man Scenen aus dem 
Leben des heil. Franciscus; in der zweiten: Begebenheiten aus dem Leben Johannes, 
des Täufers, und Johannes, des Evangelisten; in der dritten: die Marter der Apostel, 
und in der vierten: die Vermählung und die Verkündigung Mariä, die Anbetung der 
Könige, Simeon im Tempel und den Tod der Mutter Gottes. Diese Bilder sind aber so 
verblichen und verdorben , dass man jetzt kaum noch die Unirisse der Figuren mehr 
erkennt. Dagegen sind vier Evangelisten aus einem Gewölbe ebendaselbst noch 
gut erhalten (gest. v. Gebr. Riepenhausen). Auch in der Kapelle der Baroncelli 
in derselben Kirche sieht man noch ein Temperabild des Meisters, eine Krönung 
Mariä, bezeichnet: Opus Magistri Jocti. Die Gemälde über den Grabmälern 
des Carlo lrfarzuppini und Lionardo Aretino in S. Croce, ein Crucitix und eine Ver- 
kündigung sind überweisst. Das Abendmahl und darüber: Christus am Kreuz mit 
einem Stammbaum der Franciscanef und einigen Scenen aus der Legende des heil. 
Franz (letztere von geringeren Händen), im Refektorium ebendaselbst (gest. von 
Lasinio und von Ruscheweyh), das Giotto einst bestritten, ihm in neuester 
Zeit aber wieder mit Recht zugeschrieben worden, ist jedoch, obgleich in sehr ver- 
dorbenem Zustande, noch erhalten. Auch zwei Reihen kleiner Tafeln, welche ehemals 
die Schränke der Sakristei von S. Croce schmückten und Scenen aus dem Leben 
Christi und des heil. Franciscus, in je I3 Bildern, darstellen, ist noch wohl erhalten. 
Zwanzig davon befinden sich gegenwärtig in der üorentiniscben Akademie, zwei 
minder bedeutende sind im Museum zu Berlin, vier im Privatbesit-z. Ferner stellte 
Giotto in der Kirche del Carmine , in der Kapelle Johannes, des Täufers, das ganze 
Leben dieses Heiligen in Bildern dar, die noch vorhanden, aber etwas verblichen 
sind; auch malte er im Palaste der Guelfen zu Florenz eine Geschichte des christ- 
lichen Glaubens al fresco, wobei er das Bildniss des Papstes Clemens IV. anbrachte. 
Hierauf verliess Giotto Florenz, um sich über Arezzo, wo er während der Durch- 
reise die Kapelle des heil. Franciscus in der Dechanei ausmalte, und an einer runden 
Säule die Bildnisse der h. h. Franciscus und Dominicus anbrachte, auch für eine 
Kapelle des Doms die Steinigung des heil. Stephanus (zu Grunde gegangen) fertigte, 
nach Assisi zu begeben, wo er in der Kirche S. Francesco die von Cimabue be- 
gonnenen Arbeiten vollenden sollte. Unter den dortigen Malereien werden ihm in 
der Oberkirche diejenigen Bilder aus dem Leben des heiLFranciScus von der Scene 
an, wo Franz bei dem Hauptmann von Celano speist, bis zur Ueberfihrung seines 
Leichnams nach Assisi mit aller Wahrscheinlichkeit zugeschrieben. Zu seinen vor- 
zügliohstell Leistungen aber gehören die Bilder in der Unterkirche von S. Francesco 
daselbst, Wo er über dem Grabe dieses Heiligen in den Dreieckfeldern des Kreuz- 
gewölbes die drei Gelübde des Francisoanerordens, die Armuth, die Keuschheit und 
den Gehorsam, sowie die Verklärung des heil. Franciscus darstellte. (Die Sage Schreibt 
Dante, der mit dem Maler sehr befreundet war, die Erfindung dieser vortrefflichen 
Gemälde zu; ja, sie lässt den Dichter selbst aus jener Welt herabsteigen , um dem 
Künstler im Träume die Gedanken zu diesen Werken einzuüössen.) Gewiss ist nur, 
dass Giotto wenigstens in der Darstellung der Armuth entschieden der Allegorie des 
Dichters folgte, wie sie dieser in seinem Paradiese schildert. 
Nach Florenz zurückgekehrt, malte Giotto für Pisa. einen hell-Frßnßisclls, der 
die Wundenmale empfängt, ein Bild, das so sehr gefiel, dass die Pisaner Giotto 
aufforderten, einen Theil der inneren Wände ihres Campo santo mit Bildern zu 
schmücken. Dort soll er die Geschichten des Hiob (gest. v. Lasinio) gemalt haben. 
(Diese grossartigen Bilder werden aber neuerdings dem Francesco da Volterra 
zugeschrieben.) 
Durch alle diese Werke verbreitete sich der Ruhm des Meisters immer 
Weiter, so dass sich selbst der Papst veranlasst sah, Giotto nach Rom Z1! 
berufen. Hier malte er in der Tribune von S. Peter 5 Darstellungen aus dem Leben 
Christi, und das Hauptbild in der Sakristei, ein trefflich Vollendetes Temperabild, V9" 
dem sich gegenwärtig noch Fragmente, Christus, die Madonna, Apostelüguren und 
die Enthauptung des heil. Paulus darstellend, unter Glas und Rahmen an demselben
        

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