Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
F - L
Person:
Müller, Friedrich Klunzinger, Karl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1051288
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1053777
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Giorgio di Martina, Francesco di. 
sein, der 1388 in Orvieto arbeitete. Die erste Nachricht über sein Wirken zeigt 
ihn uns in Orvieto, wo damals (1447) Fiesole malte; genauere und zuverlässigere 
Auskunft über sein Leben und seine Thätigkeit erhalten wir aber erst 20 Jahre 
später, von 1467 an, in welchem Jahre er sich verehlichte. Sanesische Schriftsteller 
schreiben ihm zwar während dieser 20 Jahre Zahlreiche Arbeiten in ihrer Stadt bei, 
von denen die um 1457 entstandene kleine Kapelle bei S. Pietro alla Magione, 
Wölbung und Sims der (1470 vollendeten) Kapelle vor dem Gemeindeplatz, und das 
Grabmal des Cristofano Felici in S. Francesco (1462) von ihm herrühren können, 
obgleich es dafür keine Gewissheit gibt. Jedenfalls scheint er sich in jener Zeit 
eifrig mit dem Studium der Ruinen antiker Bauwerke abgegeben zu haben, wie er 
selbst in seinem Traktat über die Architektur erzählt, und wie noch einige erhaltene 
Skizzenbücher von ihm mit Zeichnungen solcher Reste alter römischer Bauten beweisen. 
Von 1469-1470 finden wir ihn sodann zu Siena an den Wasserbehältern für den 
Brunnen auf der Piazza del Campo , 1471 mit den Malereien in der grossen Kapelle 
des Spitals von S. Maria della Scala, 1472 mit Bildschnitzereien, einer Decke und 
mit anderen Malereien für dasselbe Spital beschäftigt. In dem nämlichen Jahre hatte 
er an dem kolossalen Fischteiche im obern Thal der Bruna, der die Stadt Siena mit 
guten Fischen versehen sollte, zu thun, wozu er schon 1469 die Pläne entworfen 
hatte. Das Schicksal dieses Baues war aber kein günstiges, indem derselbe schon 
1492 Risse bekam und 1493 einstürzte. 
In den Jahren 1475-1476 arbeitete Francesco di Giorgio in seiner Vaterstadt, 
und zwar an der Franciscanerkirche, die damals erneuert wurde, und deren beide 
Klostergänge (1487 beendigt) ihm zugeschrieben werden. Die Glanzperiode seiner 
rühmlichen Thätigkeit beginnt aber erst mit dem Jahre 1478, in welchem er in die 
Dienste Friedrich's von Montefeltro, Herzogs von Urbino trat. Zwar rührt der bekannte 
Palast in Urbino , der früher dem Ginrgio zugeschrieben wurde , nicht von diesem her, 
sondern als seine Arbeiten können nur die berühmten Reliefs daran mit Trophäen 
und sonstigen militärischen Darstellungen (jetzt in den oberen Corridoren daselbst 
verwahrt) betrachtet werden, allein er entfaltete sonst eine ausserordentliche Wirk- 
samkeit. S0 war er, nach seiner eigenen Angabe, zu gleicher Zeit mit 136 Gebäuden 
für den Herzog beschäftigt. Unter denselben führt er allein vier Festungen an: die 
von Cagli am Furlopass, die von Sasso di Montefeltro, von Tavoleto und Serra di 
S. Abondio. Aller Wahrscheinlichkeit nach sind aber auch die Burgen von Castel 
durante (jetzt Urbania) und S. Arrgelo in Vado, beide im Metaurusthale, an der 
Strasse von Urbino nach Toscana, von ihm. Der Herzog war so wohl mit den Ar- 
beiten des Künstlers zufrieden, dass er 1480 der Signorie von Siena den Vorschlag 
machte , ihn in den Magistrat seiner Vaterstadt aufzunehmen. Diese Aufnahme fand 
zwar damals noch nicht statt, dagegen beauftragte ihn die Republik mit der Beauf- 
sichtigung des Baues der Veste von Sesta und der von Cerreto in Chianti. Auch der 
Nachfolger Friedrichs, der 1482 gestorben war, Herzog Guidobaldo, fuhr fort, den 
Künstler Zu besßhäftigen , wie auch dessen Schwager , Giovanni della Rovere , Herr 
von Senigalliß und Präfekt von Rom , für den er die kleinen Festungen V01! Mondavio 
und Mondolfo baute. Hierauf machte er 1484 auf Veranlassung von Luca Signo- 
relli, der wegen eines geeigneten Architekten um Rath angegangen Worden war, 
dieiPläne und ein Modell zu der Kirche Madonna del Calcinajo bei Cortona, eines 
der schönsten und interessantesten kirchlichen Gebäude in dieser Gegend, aus der 
Zeit, Welche der grossen Umgestaltung des Baustyls vorausging. Dasselbe war aber 
bei Giorgids Tode nur bis zur Kuppel fertig, und wurde von dem Florentiner Pietro 
di Domenico di Norbo (1514) vollendet. 
Endlich ging auch Francesco di Giorgids Wunsch, Mitglied des Raths seiner 
Vaterstadt zu werden, im Dezember 1485 in Erfüllung. Zugleich wurde ihm die 
Aufsicht über den Bau der Brücke über die Mersa und die von Petriolo übertragen- 
1486 wurde er zum Militärarchitekten der Republik ernannt und mit der Beauf- 
sichtigung der Festungswerke des ganzen Gebiets beauftragt, auch das Jahr darauf 
aus Urbino , wo er für den Herzog beschäftigt War, Zllrückberufen, um den 138-11 de?
        

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