Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
F - L
Person:
Müller, Friedrich Klunzinger, Karl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1051288
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1053742
GiOIÖRIIO. 
ZZO 
S. Carlo in der Kirche bei den Vätern dell' Oratorio, in S. Maria Egiziaca, für S. Maria 
di Donna Regina, für den Vicekönig von Neapel, für den Herzog von Ascalona, und 
war bis zu seinem Tode unermüdlich thätig. Seine Leiche wurde in S. Brigida zu 
Neapel, in der von ihm gemalten Kapelle des heil. Nicolas von Bari , beigesetzt. Er 
hinterliess ein Vermögen von 130,000 Scudi. 
Unter seine vorzüglichsten Schüler zählt man: Paolo de' Matteis, Aniello 
und Niccolö Rossi, Matteo Pacelli, Tommaso Fasane, Giuseppe Simo- 
nelli, Andrea Miglionico, Giov. Bat. Lama und Francisquitto. 
Giordano war unstreitig eines der grössten Talente der neueren Malerei, mit 
ganz ausserordentlichen Anlagen zum Maler geboren. Vielleicht hat aber auch nie 
ein Künstler mit seinen Gaben einen sträflicheren Missbrauch getrieben. Er besass 
einen unerschöpflichen Reichthum der Phantasie und die bewundernswiirdige Fertig- 
keit, die augenblicklichen Ergüsse seiner schnellauileuchtenden Einbildungslaraft, die 
beim Beginne schon das ganze Bild fertig sah, ohne sich bei Einzelnheiten mit 
Bedenken, Wählen, Abwägen aufzuhalten, mit fliegendem Pinsel darzustellen. 
Selbst Schönheitssinn, Charakteristik, dramatisches Leben, Farbengluth kommen 
stellenweise in seinen Bildern zur. glanzvollen Erscheinung; allein der Hast, seine 
Gedanken so rasch als nur möglich dargestellt zu sehen, der beispiellosen Leichtig- 
keit und Sicherheit im Fertigmachen, und dem aus dieser Schnelligkeit des Produ- 
cirens sich ergebenden Gewinn setzte er alle höheren Anforderungen der Kunst: 
Erhabenheit und Würde, Ernst und Tiefe, Nachdenken und Durchbildung hintan, 
und der verderbliche Zuruf seines Vaters: Fa presto! klang ihm, auch als er ihn 
längst nicht mehr hörte , immer noch , sein ganzes Leben lang, in den Ohren. Nach- 
dem er die grossen alten italienischen Meister studirt, begnügte er sich, da er allem 
Ernsten, Strengen, Durchdachten, Schwierigen, der Ausführung der Details aus- 
wich, damit, ihre Darstellungsweise in den wesentlichsten Zügen wiederzugeben, 
Wodurch es ihm denn auch vefmöge seiner grossen Geschicklichkeit und Uebung 
gelang, den Schein der Vollkommenheit seiner Vorbilder zu erreichen. Er küm- 
merte sich wenig um eine schöne und richtige Zeichnung, obwohl er ganz tüchtige 
Kenntnisse im Zeichnen besass, um die Auswahl schöner Formen, um erhabenen 
Ausdruck, überhaupt um den geistigen Inhalt seiner Compositionen, in denen er 
dunkle Allegorien, Mythologie und Geschichte, Tausende von fabelhaften, von er- 
fundenen und wirklichen Figuren wild und bunt durcheinander mischte. Sein Streben 
war nur auf glänzenden äusseren Erfolg gerichtet, seine Absicht ging nur dahin, 
möglichst rasch die Räume zu übermalen, und wenn schon P. da Cortona viele 
Figuren in Seinen Bildern anbrachte, Welche keinen anderen Zweck hatten , als die 
Lücken zu füllen, S0 bediente sich Giordano dieser leichten Methode, mit fast unbe- 
dingter Willkiirlichkeit in der Anordnung, noch viel häufiger. 
iMan wird um so härter und strenger in der Beurtheilung dieses Meisters, wenn 
man die entschiedenen und grossen Vorzüge, welche er bei allen Mängeln in sich 
vereinigt, in Betracht Zieht; Wenn man das Feuer und den Reichthum seines Geistes, 
die eminente Fruchtbarkeit Seines Pinsels, in der es ihm kein Maler gleich gethan, 
die Kühnheit, die Leichtigkeit und den ungeheuren Umfang seiner Darstellungen 
anstaunt; wenn man sich durch das liebliche Colorit, obgleich die Töne nicht 
wahr sind, durch die in demselben herrschende Anmuth, durch einen gewissen Trug 
der Kunst ungemein angesprochen fühlt; wenn man die ausserordentliche Gabe be- 
wundert, die er besass, Hauptwerke der berühmtesten Maler: Raphael, Tizian, 
 Veronese, Velasquez, Rubens u. s.w. so nachzuahmen, dass damit die ge- 
ubtesten Künstler und Kenner getäuscht wurden; wenn man sich dem Reize hingibt, 
den geWiSSe Köpfe , den der angenehme Schein des Lebens in seinen Bildern auf den 
Beschnner ausübt; wenn man solche bedeutende künstlerische Verdienste erwägt 
und man sich sagen muss, dass die unselige Geschicklichkeit seiner Hand nichts 
Anderes als den Verfall der Kunst beschleunigen half. Wahrhaft verderhlich wirkte 
sein Fhnlluss und Vorbild auf die spanische Malerei. Die einheimischen Künstler, 
die keine so grosse mechanische Fertigkeit besassen , wie er, denen es an natürlicher
        

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