Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
F - L
Person:
Müller, Friedrich Klunzinger, Karl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1051288
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1053735
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Giordano. 
Führung eines Cyklus von Bildern in den zehn Gewölben der Seitenschife der Kirche 
des Escorials, die seit Philipp II. Zeiten unbemalt geblieben waren. Man sieht da- 
selbst die Empfängniss Maria; die Menschwerdung Christi; die Anbetung der Könige; 
den heil. Michael, der die Dämonen aus dem Himmel jagt; den Triumph der streiten- 
den Kirche; den Triumph der jungfräulichen Reinheit und einige andere allegorisehe 
und symbolische, auf den Dienst an den betreffenden Altären unter ihnen Bezug 
nehmende Gemälde dargestellt. Nach Beendignng dieser Arbeiten schmückte er die 
Gewölbe des Hauptschifes der Kirche mit Fresken. Hier sieht man von ihm: den 
Tod der Jungfrau Maria; das jüngste Gericht; den Zug der Kinder Israel durch die 
Wüste und Pharao's Untergang im rothen Meer; den Mannaregen und Simson, der 
die Honigscheibe aus dem Rachen des Löwen nimmt; den Sieg des erwählten Volkes 
Gottes über die Amalekiter; Moses, der das gelobte Land sieht; Elias unter dem 
Wachholderstrauch und David in Unterhandlung mit Abimelech. In den Gewölben des 
Chors stellte er vier Scenen aus dem Leben des David und vier Begebenheiten aus 
der Geschichte Salomon's dar. Alle diese Malereien, sowohl in dem Treppenhause 
als in der Kirche, vollendete Giordano in der kurzen Zeit von zwei, Jahren. Ausser- 
dem malte er für den König und die Königin Mutter im St-yle und in der Art und Weise 
verschiedener Meister, die ihm genannt wurden, verschiedene Bilder aus der heiligen 
Geschichte und Mythologie. Als er einmal während dieser Zeit auf eine Frage der 
Königin nach seiner Frau und seinen sonstigen Angehörigen die Antwort mit dem 
Pinsel gab, indem er in ganz kurzer Zeit seine ganze Familie auf einem Gemälde 
sprechend ähnlich darstellte, gerieth die Königin in eine solche Bewunderung, dass 
sie ihre kostbare Perlenschnur vom Halse nahm, und Giordano ersuchte, dieselbe 
seiner Frau als Ehrengeschenk nach Neapel zu überschicken. 
Das schönste Werk von allen aber, die Luca bis jetzt in Italien und Spanien 
ausgeführt, war seine Darstellung der Stiftung des Ordens vom goldenen Vliess durch 
Philipp den Guten, Herzog von Burgund, im grossen Saale des Palastes von Buen- 
retiro.  Für das Vorzimmer dieses Saales malte er vier Bilder in Oel, Scenen aus dem 
Krieg von Granada darstellend, an die gewölbte Decke andere Schlachten, die der 
Eroberung jener Stadt vorhergingen, in die Zwickel aber die vier Wielttheilß- Auch 
ein ovales Zimmer desselben Palastes schmückte er mit Fresken, den Aufgang der 
Sonne in allegorisch mythologischer Weise darstellend. Auf eine an ihn ergangene 
Einladung malte er sodann in der Kuppel der Sakristei der Kathedrale von Toledo 
die heil. Jungfrau, wie sie, umgeben von Engeln und Heiligen , dem heil. Ildefonso 
das Messgewand anlegt. Hierauf zierte er auf Befehl des Königs die Kuppel der 
Kapelle des alten Palastes zu Madrid mit Fresken aus dem alten Testamente, und die 
Zwickel mit allegorischen Figuren. Auch sieht man von ihm daselbst noch einige andefe 
in Oel gemalte Bilder, welche alle Zeugniss für den Reichthum seiner Phantasie und 
die Leichtigkeit des künstlerischen Producirens ablegen. Im Auftrag desselben 
Mßnaircilell malte 81' an die Gewölbe und in die Zwickel der Kapelle der heil. Jungfrau 
in der Kirche Atücha zu Madrid Bilder aus der heil. Geschichte. Ausser diesen unend- 
lich Vielen Bildern, die er im Laufe von zehn Jahren für den König, füT KlTcllßll lIl 
und ausserhalb Madrids ausgeführt, ist auch die Zahl derjenigen nicht unbeträchtlich, 
die er während derselben Zeit für Privaten gefertigt. 
Nach dem im Jahr 1700 erfolgten Tode Karl II. malte Giordano im Auftrag 
seines Nachfolgers Philipp V. für dessen Grossvater Ludwig X-IV'9 König" von Frank- 
reich, noch eine Reihe von Gemälden. Da aber der inzwischen ausgebrochene spanische 
Erfolgekrieg die Ruhe Europas auf's Tiefste erschütterte, und den König für eine 
fernere Unterstützung der Kunst nicht sehr geneigt machte, S0 beschloss Luca, sein 
Vaterland wieder heimzusuchen. Er kehrte daher mit Genehmigung des Königs über 
Genua. und Florenz, wo er verschiedene Bilder für den Grossherzog malte, und E0111, 
wo er für den Papst zwei grosse Gemälde; den Durchgang der Kinder Israel durch 
das rothe Meer, und Moses, wie er Wasser aus dem Felsen schlägt, ausführte, in 
seine Vaterstadt zurück. Hier wurde er mit groSSer Auszeichnung empfangen und 
sogleich Wieder von allen Seiten mit Aufträgen überhäuft. Er malte für die Kapelle
        

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