Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
F - L
Person:
Müller, Friedrich Klunzinger, Karl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1051288
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1053606
Gietteughen 
Gigoux. 
209 
eine solch sichere Uebung erworben, dass ihn Prof. Julius Schnorr von Carols- 
feld bald darauf ganz an sich zog und ihn als einen ausgezeichneten Gehülfen bei 
seinen grossräumigen Malereien im Saalbau der neuen königl. Residenz verwenden 
konnte. Hier führte er fünf grosse Wandgemälde aus dem Leben Karl's des Grossen, 
Rudulplfs von Habsburg und Friedrich Barbarossas nach Schuorr's Cartons aus, 
malte auch in dem unterbrochenen Friese darüber später vier Bilder nach eigenen 
Compositionen. 
Unter verschiedenen Staifeleigemälden, welche Giesmann zwischen diesen 
grösseren Arbeiten ausfiihrte, finden wir namentlich das Gleichniss vom verlorenen 
Sohne rühmend genannt.  
Gietteughen, Joseph oder Jost, ein Formschneider aus Courtrai, der von 1545 
an lange Jahre für Hubert Goltzius an dessen bekanntem Kaiserwerk gearbeitet 
und die Bildnisse der Kaiser in Medaillenform geschnitten haben soll. Goltzius ver- 
band bei diesen Bildnissen bekanntlich den Holzschnitt in Helldunkel mit dem Kupfer- 
stich, eine Manier, in deren Anwendung er der erste gewesen sein soll. 
Giifard, Pierre Francois, ein Kupferstecher, geb. 1648 zu Paris, gest. 1723, 
leistete namentlich im Bildnissstich einiges Anerkennenswerthe. 
Gigante , G. , ein Landschaftsmaler zu Neapel, von dem wir aber nur wissen, dass 
er 1847 für den Kaiser von Russland eine Aussicht von der Strada nuova auf den 
Golf von Neapel ausfihrte.  
Giglio, Meister, ein Goldschmied aus Pisa, der im Jahr 1349 die Statue des heil. 
Jacobus über dem Altare der Kathedrale S. Jaccpo zu Pistoja in einem dem Andrea 
Pisano bereits verwandten Style der germanischen Kunstrichtung fertigte. Der 
Styl ist edler, die Arbeit reiner und schärfer als bei älteren Werken ähnlichen 
Gegenstandes, namentlich ist die Gewandung von herrlicher Zeichnung. Die Vcll-. 
endung der Arbeit fällt in's Jahr 1353, und wurde sie durch eine besondere Depu- 
tation, mit besonderer Feierlichkeit, als sei es eine bereits heilige Sache, aus der 
Werkstatt des Künstlers abgeholt. Von anderen Werken Giglids ist bis jetzt nichts 
bekannt; wäre aber nur die genannte Statue aus seiner YVerkstatt hervorgegangen, 
so würde sie Zeugniss genug abgeben für die grosse Meisterschaft des Künstlers. 
Vasari schreibt diese Statue irrthümlicher Weise dem Lionardo di Ser Gio- 
vanni aus Florenz, einem Schüler des Cione, zu. 
Literatur. Dr. Ernst Förster, Beiträge zur neueren Kunstgeschichte. Leipzig, 1835. 
Gigoux, Jean Francois, ein der modernen Richtung der französischen Malerei 
angehöriger Maler, geb. zu Besangon, aber schon seit 1833 in Paris thätig. An 
seinen die verschiedenen französischen Kunstausstellungen zierenden Bildern, im 
sogenannten historisch romantischen Genre, nimmt man ein nicht unbedeutendes 
Talent wahr. Die Auffassung ist pikant, die Anordnung und Gruppirung gefällig, 
die Zeichnung meist correkt, die Behandlung der Stoffe naturgetreu, das Colorit 
gefällig. Nur die Darstellung kirchlicher Gegenstände widerstrebt seinem Pinsel, 
wie er namentlich in seinen Bildern in der Magdalenenkirche zu Paris bewies. 
Wir kennen von ihm: die Communion des Leonardo da Vinci (1833); Kleopatra. 
an ihren Sklaven Versuche mit Gift anstellend (1838); die heil. Genovefa (1849); die 
Taufe des Königs Chlodwig (1844); einen todten Christusuvon Engeln beweint; 
Kleopatra (1851); eine büssende Magdalena; Galatea (1852).  Auf der grossen 
Pariser Kunstausstelluug im Jahr 1855 sah man von Gigoux: die Ernte, und ein sehr 
schön gezeichnetes Porträt. 
Gleich Tony Johannot und Anderen hat sich Gigoux auch mit Illustrationen 
zu Werken französischer Dichter befasst. Man rühmt in dieser Beziehung seine 
Holzschnittzeichnungen zu einer Prachtausgabe des Gil Blas von Lesage, den er- 
Seite für Seite mit seltenem Talent für humoristische Karrikatur illustrirte. Grosse 
Verdienste hat sich der Künstler gleichfalls seiner Zeit durch seine interessanten, 
nach dem Leben höchst effektvoll auf Stein gezeichneten Bildnisse erworben, durch 
die er nicht wenig zum Aufschwung der Lithographie in Frankreich beih-ug 
Gigoux ist seit 1842 Ritter der Ehrenlegion. 
Müller, Künstler-Lexikon. II. 14
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.