Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
F - L
Person:
Müller, Friedrich Klunzinger, Karl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1051288
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1053489
Ghiberti , Tommaso 
Ghiberti, Vettorio, der ältere. 
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nur interessant ist, dass wir durch sie die jetzt ganz unbrauchbaren Vorstellungen 
jener Zeit über diese Gegenstände kennen lernen. Den Schluss des Werks bildet 
ein ebenfalls durchaus unbrauchbares Fragment über die Proportionen des mensch- 
lichen Körpers. In derselben Bibliothek zeigt man noch ein anderes Manuscript, 
das aber ebenfalls nichts von Ghiberti eigenhändig Geschriebenes enthält, sondern 
gleichfalls eine Abschrift ist. Es führt die Ueberschrift: Ghiberti Opera d'Archi- 
tetta-Autogn, und enthält- skizzenhaft hingeworfene Beobachtungen, Vorschriften 
über Architektur und viele mehr oder minder ausgeführte Zeichnungen. 
Ghibertfs Werke bezeichnen auf eine sehr entschiedene Weise den Uebergang 
aus der älteren Richtung des germanischen Styls in die moderne Kunst. Merkwürdig 
durchdringt sich in ihnen der Geist des 14. und der des 15. Jahrhunderts mit einem 
Zuge freiester Schönheit, wie solche im 16. Jahrhundert zur Blüthe kam. Dabei 
erscheinen sie durchweg voll des höchsten Lebensgefühls, gleich denen des Dona- 
tello, nur noch wahrer, naiver und schöner. Seine früheren Arbeiten haben, was 
die Hauptmotive der künstlerischen Anlage betrifft, noch wesentlich das Gepräge 
des germanischen Styls, jedoch zeigt sich in ihnen bereits eine grössere Formenfülle 
und ein Streben nach freierer Entwicklung und Bewegung. In seinen späteren 
Werken erscheint zwar dieses Gepräge auch nicht völlig verwischt, allein die be- 
fangene germanische Bildung der früheren Zeit machte nicht einem ebenfalls be- 
fangenen Realismus, wie in denen der meisten seiner Zeitgenossen, sondern einem 
Idealismus voll Adel und Würde Platz, und der Einüuss der Antike bildete mit dem, 
dem Meister eigenen Schönheitssinn die ursprüngliche Richtung mit allen überwälti- 
genden Reizen der Einzelnform um. Aber nicht nur in der Form an sich, auch in 
der Composition, und in dieser noch mehr als in jener, macht sich in ihnen das 
moderne Element geltend, spricht das neue Jahrhundert, insoferne Ghiberti das 
Relief von der blos andeutenden, durch Weniges das Ganze repräsentirenden Dar- 
stellungsweise befreien wollte und auf eine vollständige, iigurenreiche, malerische 
Anordnung und Wirkung hinstrebte. Ja, er, geht in diesem Streben so weit, dass 
selbst in der Behandlung die eigenthümliche Anmuth und Weichheit, welche er so- 
wohl über seine nackten als seine gewandeten Gestalten auszugiessen wusste, mehr 
als das Resultat des Effekts der Beleuchtung der Form, als dieser selbst erscheint. 
Dadurch und durch die allen Gesetzen des plastischen Styls widerstreitende Ein- 
führung der von ihm mit bewundernswürdiger Geschicklichkeit gehandhabten Linien- 
perspektive in das Relief musste nun allerdings ein Zwitterwesen entstehen, das 
weder nach der einen, noch nach der anderen Seite einen beruhigenden Eindruck 
hervorbringen konnte. Auch hat diese Neuerung für die spätere Zeit manche üble 
Folge hinterlassen. Ghiberti wusste aber dem unausbleiblichen Widerspruch der 
Darstellung mit so viel Geschmack und feinem Sinne zu begegnen, dass derselbe 
über der Vollendung des Dargestellten fast vergessen wird, wenigstens nirgends 
auf empfindliche Weise wirkt oder stört, wusste überhaupt, namentlich in seinen 
späteren Werken, einen S0 hohen Adel, eine so zarte Anmuth zu entfalten, dass 
er jedenfalls zu den anziehendsten und liebenswürdigsten Meistern der gesammtßll 
modernen Kunst zu zählen ist. 
Literatur. Vasari, Leben der ausgezeichnetsten Maler, Bildhauer und Baumeister.  Cißoßßalßr 
Storia della Scultura.  C. F. v. Rumohr, Italienische Forschungen.  Kuglen, Handbilßh denKunst: 
geschichte.  Burckhardt, Der Cicerone  Dr. Giov. Gaye, Carteggio inedito därtisti der secolr 
XIV , XV., XVI. Firenze, 1839-1840.  
lupferworke. Lasinio, Le tre porte del Battisterio di Firenze. Fir. 1823.  Monumenti sePolclal-l di- 
Firenze.  Die drei Thüren des BaPtisteriums zu Florenz. Gez. von Feodor lwanowitsch. Rom. 
Herausgegeben von H. Keller 1798.  L9 tre porte de! Battisterio di Firenze, incise ed illustrate 
da Benvenuti. Firenze, 1821.  Bassurilievi delle porte di S. Giovanni di Firenze. 11 Blätter, gest. 
von Calendi. 1802.  F. Gregori und Th. Putsch, Die Thüren von Ghiberti von St. Johann z! 
Florenz. 1772-1774, 
Ghiberti, Tommago, Bildhauer und Erzgiesser, der ältere Sohn des Lorenzo 
Ghiberti, geb. zu Florenz 1417 , half seinem Vater bei seinen Arbeiten, besonders 
bei seiner zweiten Bronzethüre für das Baptisterium zu Florenz. 
Ghibefti, VGÜJOIiO, der ältere, Bildhauer und Erzgiesser, der jüngere Sohn 
des Lorenzo Ghiberti, geb. 1419 zu Florenz und 1496 noch am Leben, half
        

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