Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
F - L
Person:
Müller, Friedrich Klunzinger, Karl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1051288
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1053479
196 
Ghiberti , Lorenzo. 
fassung derselben zahlreiche Figuren und Köpfe, sowie höchst anmuthsvolle Orna- 
mente. Ringsumher, als Verzierung des die Bilder umschliessenden Rahmens, wie  
den Querleisten, sieht man nämlich 24 überhöhte Nischen, in deren jeder eine fast 
ganz Tundgearbeitete Gestalt angebracht ist; ferner schauen in den Ecken in "kreis- 
förmigen Vertiefungen 24 Köpfe von Frauen und Männern hervor, unter denen man 
in der Mitte der Thüre , wo der Meister seinen Namen eingegraben hat , das Porträt 
seines Stiefvaters Bartoluccio und "sein eigenes erkennt. 
Zur Zeit als Ghiberti _sich mit diesen Thüren beschäftigte, war er aber auch noch 
anderweitig in seiner Kunst thätig. So liess er für die Kirche S. Croce zu Florenz 
ein Grabmal für, Lodovico degli Obizzi und Bart. Valori unter seiner Leitung aus- 
arbeiten; fertigte fir die Kirche des Klosters degli Angeli ebendaselbst 1428 den 
Sarkophag der h. h. Protus, Hyacinthus und Nemesius (nun im Kabinet der modernen 
Broncen in der grossherzoglichen Gallerie); vollendete er den schönen, 1439 be- 
gonnenen Sarkophag des heil. Zenobius, im Dome zu Florenz, mit Reliefs, die 
Wunder dieses Heiligen darstellend. Ausserdem führte er, wie sein Biograph Vasari 
sagt, für unzählige Personen verschiedene Werke sowohl in Bronce als in Gold und 
Silber aus, von denen derselbe namentlich aufführt: die Verzierung um einen antiken 
Carneol mit schöner vertiefter Arbeit für Giovanni de' Medici; einen Knopf für den 
Chormantel des Papstes Martin, von Gold mit ganz erhabenen Figuren; eine Mitra 
mit Laubwerk von durchbrochener Goldarbeit, mit vielen schönen ganz erhabenen 
Figuren, für denselben Papst; eine Mitra für Papst Eugen, der 1439 nach Florenz 
kam und des Künstlers Werke bewunderte, mit reichen Verzierungen und Reliefs- 
darstellungen, unter denen besonders ein thronenderHeiland, von Engeln umgeben, 
Maria, in gleicher Umgebung, die vier Evangelisten und noch viele Engelsgestalten 
gerühmt wurden. Während der Ausführung der ihm übertragenen Verzierungen 
der Einfassung und des Gesimses zu der ersten, von Andrea Pisano gearbeiteten 
Thiire des Doms starb der Meister. 
Ausser den genannten Werken schreibt die Sage dem Ghiberti das broncene 
Postament eines broncenen Jiinglings, gewöhnlich Idolo genannt (im Kabinet der 
antiken Broncen der mediceischen Gallerie zu Florenz), und das Bronzethürchen mit 
dem herrlich gedachten Reliefbild des thronenden Christus an dem marmornen Sakra- 
mentsschrank im Chor von S. Maria nuova in Florenz zu. 
Ghiberti machte auch zufolge eines ihm 1436 ertheilten Auftrags die Zeich- 
nungen zu den Glasgemälden der Fenster der Kuppel von S. Maria del Fiore, mit 
Ausnahme einer einzigen von Donatello componirten; sie wurden aber nicht von 
ihm, wie Vasari irrig bemerkt, sondern von Francesco di Domenicc Livi auf 
Glas ausgeführt. Auch zu einem Fenster in der Hauptkapelle der Dechanei von 
Arezzo entwarf er für den Kaufmann Lazzaro di Giovanni di Feo di Baccio die Zeich- 
nung. Sie stellte eine Krönung der Mutter Gottes dar. Dass Ghiberti auch die 
Baukunst verstanden , geht daraus hervor, dass er im Jahr 1420 dem BrunßUßSChi 
als Mitarbeiter beim Bau der Kuppel von S. Maria del Fiore zu Florenz beigegeben 
wurde. Jener aber, eifersüchtig auf die Idee, die ihn bei jenem Kuppelbau leitete, 
wollte die Ehre der Erfindung und Ausführung desselben nicht mit dem damals 
zwar als Erzgiesser in sehr grossem Ansehen stehenden, ihm aber als Baumeister 
nicht ebenbürtigen Ghiberti theilen; er suchte daher und fand auch schon nach 
wenigen Jahren Mittel und Wege, Ghiberti von der Theilnahme am Bau zu ent- 
fernen. vDie Sage schreibt ferner dem Ghiberti den Plan von S. Lorenzo zu Florenz 
zu, aber ohne nähere Begründung. 
Endlich schrieb auch Ghiberti ein Werk über die Kunst, das sich in einer 
Abschrift aus der zweiten Hälfte des 15.Jahrhunderts noch jetzt auf der Biblioteca 
Magliabecchiana zu Florenz befindet. Dasselbe besteht in einer Reihe ziemlich un- 
verständlicher Betrachtungen über das dem Künstler Wissenswerthe, worauf ein 
Abriss über die Geschichte der Kunst folgt, in welchem die alte Kunst etwa zwölf, 
die mittelalterliche leider nur neun Seiten einnimmt. 48 Blätter sind sodann einer 
langen Abhandlung über das Licht, das Auge, das Sehen u. s. w. gewidmet, an der
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.