Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
F - L
Person:
Müller, Friedrich Klunzinger, Karl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1051288
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1053466
Ghiberti , Loreuzo. 
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milie, nach dessen frühzeitigem Tod seine Mutter den Goldschmied Bartoluccio 
heirathete, bei welchem Lorenzo nun erzogen" wurde, und von dem er dann, weil 
es zugleich sein erster Meister war, den Beinamen di Bartoluccfo annahm. 
Ghiberti übte sich anfänglich üeissig in der Goldschrniedekunst, goss kleine 
Bronceüguren, die er mit vieler Anmuth vollendete, zeigte aber schon frühe 
mehr Vorliebe für die Bildhauerei und Zeichenkunst, in welcher ihn Gherardo 
Starnina unterrichtet haben soll. Der in Florenz 1400 ausgebrochenen Pest zu 
entgehen, begab er sich nach Rimini, wo er ein Zimmer des Pandolfo Malatesti 
verzieren half, kehrte jedoch, obgleich er sich durch seine Arbeiten dort sehr 
beliebt gemacht hatte, und nur ungerne entlassen wurde, nach kurzer Zeit schon 
wieder nach seiner Vaterstadt zurück, um an der 1401 von der Signoria_ und der 
Zunft der Handelsleute zu Florenz ausgeschriebenen Preisbewerbung um die zwei 
noch fehlenden, im Erzguss auszuführenden Pforten von S. Giovanni Theil zu nehmen. 
Das binnen Jahresfrist zu vollendende Probestück bestand in einem Relief in Bronce 
ausgeführt, mit einer Darstellung von Abrahams Opfer. Ghiberti trug mit seiner, 
unter der Leitung seines Vaters mit emsigem Fleisse ausgeführten Arbeit über die 
anderen fünfMitbewerber: Fil. Brunelleschi, Jacopo della Quercia, Niccolö 
von Arezzo, Francio di Valdambrina und Simone da Colle, genannt de' 
Bronzi, den Sieg davon. Ihm wurde das grosse Werk, die Fertigung der Bronze- 
thüren für eines der Seitenportale des Baptisterium, 1403 übertragen, aber erst 1424 
war die prachtvolle Arbeit vollendet. Er befolgte darin, was die äussere Anordnung 
betrifft, nach Vorschrift der Besteller, das Vorbild der ersten älteren von Andrea 
Pisano gefertigten Bronzethüren des Hauptportals, und führte seine Darstellungen 
in dieser einfachen, den strengeren Anforderungen der Plastik mehr entsprechenden 
Weise mit grösster Vollendung und Harmonie durch. Die zwanzig Hauptfelder ent- 
halten Begebenheiten aus dem neuen Testamente, während er in acht ähnlichen 
Füllungen Gegenstände darstellte, welche mit jenen Scenen in einer gewissen Be- 
ziehung stehen. S0 brachte er zu unterst die vier Evangelisten, zwei auf jedem 
Thürilügel, und weiter oben die vier Kirehenlehrer an. Die Friese, welche die Bild- 
felder umgeben, sind mit Epheublättern und anderem Laubwerk verziert; dazwischen 
liegen Simsglieder und aufjeder Ecke schaut ein männlicher und ein weiblicher Kopf 
hervor, die Bildnisse der Sibyllen und Propheten von der mannigfaltigsten Schön- 
heit. WVährend er an diesem herrlichen Werke arbeitete, fertigte er, nach Vasari, 
mehrere grosse Broncestatuen für die äussere Dekoration der Kirche Orsanmichele, 
nämlich 1414 die des Täufers Johannes und 1419-1422 die des Matthäus und des 
heil. Stephanus. Auch gehören in diese Zeit die von ihm seit 1417 ausgeführten 
beiden Reliefs für das Taufbecken in S. Giovanni zu Siena, die Taufe Christi und 
Johannes vor Herodes darstellend, sowie das auf Kosten des Convents und der Repu- 
blik, aus Dankbarkeit gegen den 1424 verstorbenen Lionardo Dati, General der 
Prädikantenmönßhe, errichtete Grabmal in S. Maria Novella zu Florenz auf dem 
Fussboden neben der Treppe, Welche zur Sakristei führt. 
Durch alle diese Arbeiten hatte sich Ghiberti einen solch ehrenvollen Namen 
als Künstler erworben, dass die Übermeister der Zunft der Handelsleute von Florenz 
beschlossen, durch ihn noch eine Thüre fertigen zu lassen und zwar die für das 
Hauptportal des Baptisteriums, an Welchem sich bis jetzt die Thüren des Andrea 
Pisano befanden, die dann an das Zweite Seitenportal versetzt werden sollten. Am 
2.Januar' 1425 übertrug man Ghiberti, ohne ihn, wie bei der ersten, an eine Vor- 
schrift zu binden, sondern ihm völlig freie Hand lassend, diese zweite Thüre, bei 
deren Ausführung seine Söhne Tommaso und Vettorio und Michelozzo di 
Bartolomrneo seine Gehülfen waren. 1447 waren sämmtliche Reliefs vollendet und 
Ghiberti erhielt die Zahlung für seine Arbeit; aber erst 1452 War 811611 die Vergol- 
dung der ganzen Thüre beendigt. 
Diese wunderbar schönen Thüren, von denen Michelangelo sagte, dass sie 
würdig waren, die Pforten des Paradieses zu bilden, enthalten in zehn grossen 
Feldern, fünf auf jedem Flügel, Scenen aus dem alten Testament, und in der Um-
        

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