Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
F - L
Person:
Müller, Friedrich Klunzinger, Karl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1051288
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1053439
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Gherardi , Filippo 
Cherardini , Alessandro. 
Bufolini mehrere Zimmer seiner Wohnung selbstständig nach eigenen Erfindungen 
mit Kinderspielen, Grottesken, Festons, Masken u. s. w. zu schmücken unternahm. 
1539 von Vasari nach Bologna berufen, führte er mit diesem und Battista Cungi 
drei vier Ellen lange Tafeln für das Kloster S. Michele in Bosco aus; auch malte 
er in Gemeinschaft mit Stefano Veltroni die grossen Festons, welche in Büscheln 
um die Fenster laufen. Darauf kehrte Gherardi nach S. J ustino zurück und vollendete 
dort für den erwähnten Abt die früher angefangenen oben besprochenen Zimmer, 
malte auch in Citta di Castello eine Tafel in Oel und in einem Halbkreis über der 
Seitenthüre von S. Fiorido drei Figuren in fresco. Nachdem aber Vasari nach Venedig 
berufen worden war, um dort für die Brüderschaft della Scalza. die Dekorationen zu 
einem glänzenden Feste sowie zu einer Comödie anzufertigen, folgte Doceno mit 
B. Cungi auch dorthin seinem Meister und Freund, half diesem die genannten Arbeiten 
vollenden und schmückte, nachdem dieselben beendigt waren, mit ihm die Decke eines 
Saals im Pal. Cornaro mityZierrathen und neun grossen Oelbildern. Von Venedig 
reiste er wieder nach Justino und von da nach Perugia, wo er die Festgemälde zum 
Empfang des Papstes Paul lII. entwarf, auch verschiedene andere Malereien aus- 
führte. 1543 wurde Doceno von Vasari nach Rom gerufen, um diesem bei seinen 
dortigen Arbeiten für den Kardinal Farnese zu helfen; leider konnte Gherardi ihn 
wegen Krankheit zu gleichen Zwecken nicht auch nach Neapel begleiten, er widmete 
sich aber, nachdem sein Meister 1546 nach Rom zurückgekehrt war, sogleich wieder 
dessen Diensten. Von hier aus begab sich Doceno nach S. Justino, malte hier 
mehrere Jahre und erhielt endlich 1554 die Erlaubniss zur Rückkehr in's Vaterland, 
aus dem er wegen Theilnahme an politischen Umtrieben irn Jahr 1537 verbannt 
worden war. Er kam nach Florenz und schmückte daselbst, unterstützt von Vasari, 
die Fagade eines Hauses am Arno mit prachtvollen Gemälden. Darauf malte er zu 
Cortona in der Kapelle der Brüderschaft a1 Gesu Wände und Wölbung und kehrte 
nach vollendeter Arbeit 1555 nach Florenz zurück, um Vasari bei der Aus- 
schmiickung des herzoglichen Palastes behülflich zu sein. Er starb aber während 
der Arbeit. Herzog Cosimo I. ehrte sein Andenken durch ein Grabmal mit der Büste 
des Verstorbenen in Marmor und einem sehr anerkennenden Epitaph in der Kirche 
San Francesco zu Borgo , woselbst seine sterblichen Ueberreste beigesetzt wurden. 
Gherardi war so zu sagen die rechte Hand Vasari's. Er führte seine Zeich- 
nungen mit einer Freiheit aus, welche ihm sein eigener gewandter, reicher und für 
Verzierungen angeborener Sinn eingab. Die Behandlung der Frescomalerei verstand 
er, nach Vasari's eigenem Zeugniss, besser als dieser. 
In S. Maria del Popo zu Perugia zeigt man noch eine in Oel gemalte Altartafel, 
deren oberer höchst anmuthige und zierliche Theil von Doceno herrührt, die untere 
Parthie malte Lattanzio. 
Literatur. Vasari, Leben der ausgezeichnetsten Maler, Bildhauer und Baumeister.  Lanzi, Ge- 
schichte der Malerei.  
G-herardi, Filippo, ein Maler aus Lucca, der sich bei Pietro da Cortona bil- 
dete und gemeinschaftlich mit seinem Mitschüler und Freund Gio. Coli an verschie- 
denen Orten eine grosse Anzahl grossräumiger Gemälde ausführte. Ihre Arbeiten 
Waren S0 ähnlich, dass man kaum zu unterscheiden vermochte, was von der Hand 
Gherardi oder von der des Coli war. Bilder von ihnen sieht man noch in Rom (in 
der Kirche der Luccheser), in Venedig (Bibliothek von S. Giorgio Maggiore), nament- 
lich in ihrer Vaterstadt, Woselbst Gherardi nach C oli's Tod fast das ganze Karmeliter- 
kloster malte. Gherardi starb, 61 Jahre alt, im Jahr 1'704. 
Gherardini , Alessandro, Maler aus Florenz , geb. 1655, geSb. 1723 , ein Schüler 
von Ales s. Rosi und Nebenbuhler Gabbianfs, dem er aber an Talent überlegen 
War. Er besass eine sehr grosse Fertigkeit im Nachahmen der Kunstweise Anderer, 
würde es aber auch in Bildern von eigener Erfindung weit gebracht haben, wenn er 
nicht zu rasch und zu viel gemalt hätte. Seine besten Arbeiten sind wohl durchdacht 
und sinnreich erfunden. Im Kloster S. Marco zu Florenz malte er mit Pocetti, 
Dandini und Anderen Darstellungen aus dem Leben des heil. Antonin.
        

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