Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
F - L
Person:
Müller, Friedrich Klunzinger, Karl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1051288
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1053291
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Genga , Girolamo. 
gestattete ihm aber später, sich in gleicher Eigenschaft nach Malta zu begeben, 
woselbst er die Festungswerke mit grosser Einsicht regelte, auch die Modelle zu 
einer Stadt, zu einigen Kirchen und dem Palast des Grossmeisters fertigte, aber 
nach kurzem Aufenthalte starb. 
 Genga, Girolamo , Maler, Bildhauer und Architekt, geb. zu Urbino 1476, gest. 
1551, erlernte die Anfangsgründe der Kunst bei einigen unbekannten Malern seiner 
Vaterstadt, machte aber hier so tüchtige Fortschritte , dass ihn sein Vater zu Luca 
Signorelli in die Lehre that, der ihn binnen kurzer Zeit schon als seinen besten 
Gehilfen bei seinen Arbeiten in Cortona, Orvieto u. s. w. verwenden konnte. Später 
begab er sich in die Schule des P. Perugino, wo er mit Raphael vertraute 
Freundschaft schloss. Darnach wandte er sich nach Florenz, wo er eifrig studirte, 
und von da nach Siena, wo er im Hause des Pandolfo Petrucci mehrere Zimmer mit 
Fresken schmückte, die allgemeine Anerkennung fanden. Nach Urbino zurückge- 
kehrt, wurde er von dem Herzog Guidobaldo II. vielfach beschäftigt, malte auch 
dort in Gemeinschaft mit Timoteo della Vite die Kapelle von S. Martino im 
bischöflichen Palast. Von Urbino ging Genga nach Rom, wo er in der Kirche von 
S. Katharina von Siena in der Strada Giulia eine Auferstehung Christi (ein noch heute 
vortrefflich erhaltenes Bild) ausführte und sich viel mit dem Zeichnen und Messen 
-antiker Gebäude beschäftigte, über die er ein handschriftliches Werk hinterliess. 
Vom Herzog Francesco Maria von Urbino zuriickberufen, war er vielseitig für diesen 
Kunstgönner thätig, folgte demselben auch in die Verbannung nach Cesena, wo er 
für den Hauptaltar von S. Agostino eine Tafel in Oel malte: Gott Vater mit der heil. 
Jungfrau und den vier Kirchenvätern (jetzt in der Gallerie der Brera zu Mailand). 
Auch für eine Kapelle der Kirche S. Francesco zu Forli fertigte er eine Verkündigung 
al fresco, wie er überhaupt ausserdem noch verschiedene andere Werke in der Ro- 
magna ausführte. 
Nachdem der Herzog in seine Staaten wieder zurückgekehrt war, wurde Genga 
von demselben bei Herstellung des alten Palastes und Errichtung eines neuen 
Thurmes auf dem Berge Imperiale oberhalb Pesaro als Baumeister beschäftigt. Dieser 
Palast wurde von Francesco Menzochi, Rafaellino del Celle und Camillo 
da Mantua nach Genga's Zeichnungen mit Fresken geschmückt. Da der Künstler 
sich aber auch noch bei der Befestigung von Pcsaro dem Herzog sehr verdienstlich 
empfohlen hatte, liess sich letzterer durch ihn auf dem Berge Imperiale bei Pesaro 
einen neuen Palast bauen, der die Bewunderung aller Fürsten war, die in jene 
Gegend kamen, besonders des Papstes Paul IIL; auch nach seinen Zeichnungen den 
Hof zu Pesaro und den kleinen Park herstellen; ferner das Schloss von Gradara und 
den Hof von Oastel Durante in Stand setzen. Nach seinen Plänen wurde endlich 
das Kloster der Barfüssler in Monte Baroccio und das Kloster Santa Maria delle 
Grazie zu Sinigaglia begonnen, sowie der bischöfliche Palast in letzterer Stadt und 
die Kirche von S. Giov. Battista in Pesaro (letztere von seinem Sohne Bartolommeo) 
ausgeführt. Durch alle diese Bauten verbreitete sich sein Ruhm als Architekt immer 
mehr, auch nach auswärts , so dass der Kardinal von Mantua den Herzog von Urbino 
bat, ihm den Girolamo zu schicken, damit er ihm seinen bischöflichen Palast wieder- 
herstelle. Genga unterzog sich dieser Arbeit und gab demselben eine Fagade, die 
an Grossartigkeit, Gefälligkeit der Verhältnissaund vortreffliche Anordnung- alle 
Gebäude seiner Zeit übertroffen haben soll. 
Genga war übrigens nicht allein Maler und BaumeiStGY, C1" beSßhäftigte sich 
auch mit der Sculptur. So fertigte er unter Anderem für das Schloss Imperiale ein 
paar Engel aus Erde, die in Bronce gegossen und in einem Saal jenes Palastes auf- 
gestellt wurden. Ferner modellirte er für den Bischof von Sinigaglia und den Herzog 
von Urbino eigenthümlich schöne Trinkgeschirre, die in Silber ausgeführt wurden. Nach 
seinen Zeichnungen endlich arbeitete der damals noch sehlälunge florentinische Bildhauer 
Bart. Ammanati das Grabmal des Herzogs Francesco Maria in S_ Chiam zu Urbino. 
Schüler von Girolamo Genga waren; Fpancesco Menzocchi und Baldassare 
Lancia aus Urbino.
        

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