Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
F - L
Person:
Müller, Friedrich Klunzinger, Karl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1051288
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1053244
Geläe , Claixde. 
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innere Leben und Schaffen der Natur in den Wirkungen der Luft , in dem beseelenden 
Glanze und Spiele des Lichts, in den Bewegungen des Laubes, im stillen Zug leichten 
Gewölkes , in der schattenkühlen Feuchte der Bäume , im Rieseln der Gewässer , im 
Spiel der Wellen des Meers , in den reinen Lüften des Morgens, wie in den sanften 
Nebeln des Abends, ini Schimmer des T ha-u's auf den Gräsern, in unmittelbarster Gegen"- 
wart, Alles die Freude des Daseins bekundend, entgegen. Ein zarter Duft scheidet 
Ferne von Ferne und lässt den Blick in ungemessene Weiten hinausschweifen, um 
ihn alsbald wieder in die Wärme und Fülle des Vorgrunds, auf das weiche quellende 
Leben im Helldunkel des Waldes , auf den schimmernden Teppich der "Wiese, zurück- 
zuführen. Alles ist von Licht erfüllt, Alles athmet eine beseligende Ruhe und Heiter- 
keit. Seine Gemälde sind die schönsten im Geiste der Natur gedichteten Poesien. 
Um dieses sein tief Poetisches Naturgefiihl zum Ausdruck zu bringen, wählte er die 
schönsten Gegenden, welche Italien und seine Küsten darbieten. Das Auge schaut 
darin über weite Ebenen und mannigfache Gründe hinaus, bis oft an den Saum des 
Oceans. Die Linien sind klar und in harmonischer Ruhe geführt, eine bedeutungs- 
volle plastische Gruppirung tritt besonders in dem Schwunge sanftgewölbter Baum- 
parthien , namentlich der immer grünen Eiche, welche den Vorgrund bilden, hervor; 
die Architekturen, seien es Ruinen des klassischen Alterthums oder in's Feenhafte 
umgewandelte Paläste in ihrer wundersamen Pracht, haben den Charakter des Wohn- 
samen verloren. Claude malte irdische Formen, aber er hüllte sie in ein ätherisches 
Gewand, welches nur auf Momente dem Auge des Sehers sichtbar wird: er malte 
den Gottesdienst, welchen die Natur feiert, und worin der Mensch und menschliches 
Treiben eben nur mit eingeschlossen sind. 
In der malerischen Ausführung seiner Bilder blieb Claude bis jetzt unerreicht. 
Die Wärme der Tinten und ihre wunderbare Abstufung, die Tiefe und Sättigung der 
Farbe, der Schmelz und Duft, die Wirkungen des Lichts, die Harmonie des Ganzen, 
der Zauber der Naturwahrheit in seinen Gemälden sind unnachahmlich. Stellt er 
einen Sonnenaufgang dar, so sieht man deutlich, wie die Strahlen des Gestirns das 
Gewölk durchbrechen, es zerstreuen, den Thau aufsaugen, und wie alle Bäurne und 
Pflanzen von einem zarten jungfräulichen Licht beleuchtet erscheinen; man glaubt 
den Thau auf den dunkel beschatteten Stellen wahrzunehmen. Wählt er den Moment 
etwas später, so sieht man, wie die ganze Natur durch den eingesaugten Thau neu 
erkraftigt dasteht. Malt er den Untergang der Sonne, so folgt man dem goldenen 
Schimmer, der alle Gegenstände umgibt, und glaubt, es der Natur anzusehen, dass 
sie sich nach einem heissen Tage nach der Ruhe und Erquickung der Nacht sehnt. 
Auf gut erhaltenen Bildern von ihm ist es dem Beschauer fast möglich, die Tages- 
stunden in jeder Jahreszeit zu bestimmen. 
Man kann in Claude's Gemälden deutlich zwei Perioden erkennen. In seiner 
besten Zeit haben sie einen markigeren Vortrag, kräftigere Lokalfarben und eine 
schärfere Individußlißirllng VQTMS; später, namentlich in den beiden letzten Jahr- 
zehnten seines Lcbßns, ging er mehr auf eine allgemeine Haltung und Harmonie aus, 
liess daher einen allgemeineren oft kühlen Ton mehr vorherrschen und behandelte 
das Einzelne üüchtiger. Den zauberhaften Duft und Hauch auf seinen Bildern 
brachte er namentlich durch öfteres Uebermalen und Lasiren hervor. Man macht 
an solchen Gemälden von ihm, die ungeschickt gereinigt wurden, die Bemerkung, 
dass, wenn die Lasuren weggewaschen werden, alle Farben sehr kalt und die 
Formen fest und bestimmt, fast hart erscheinen, und dass der Hauptzauber seiner 
Malereien in einem Tone liegt, der eine gewisse, beabsichtigte Stimmung hervorruft 
und als die Seele des Bildes betrachtet werden darf. 
Die Anzahl der von Claude ausgeführten in den verschiedenen europäischen 
Gallerien zerstreuten Bilder ist, wie gesagt, so gross, dass wir darauf verzichten 
müssen, sie alle namentlich anzuführen. Wir erwähnen daher hier nur der ange. 
sehensten und bedeutendsten. In England findet man von ihnen mehr als in irgend 
einem anderen Lande, was mit der den Engländern eigenen ganz besonderen Lieb. 
haberei für Claude's Malereien zusammenhängt. So sieht man in Windsorcastle;
        

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