Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
F - L
Person:
Müller, Friedrich Klunzinger, Karl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1051288
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1053235
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Gelke , Ciaude. 
mit Bildern schmückte, und sogleich den jungen Künstler einlud, ihm die Land- 
schaften und Architekturen in seine Gemälde zu malen. Der Sturz eines Vergolders, 
der neben ihm vom Gerüste fiel, entleidete ihm aber die Arbeit und er entschloss 
sich wieder, nach It-alien zurückzukehren. Er reiste übe1' Lyon nach Marseille, wo 
er mit Charles Errard, dem Hofmaler Ludwig XIII. zusammenkam, in Gesellschaft 
desselben die Reise weiter fcrtsetzte und mit ihm 1627 am Tage des heil. Luoas 
in Rom eintraf. Zwei Landschaften, die er hier für den Kardinal Bentivoglio malte, 
entschieden sein Glück und nach prüfungsvoller Jugendzeit erstieg er jetzt rasch die 
glänzenden Höhepunkte seines Ruhms. Jene Werke hatten nämlich einen so grossen 
Erfolg, dass sich sowohl der erwähnte Kardinal als auch Papst Urban VIII. zu seinen 
Beschützern erklärten. Der ungeheure Beifall, den seine Werke fortan einern- 
teten, veranlassten jedoch schon bei Lebzeiten des Künstlers eine Menge Maler 
aus Gewinnsucht zu Nachahmungen seiner Arbeiten , so dass sich Claude täglich auf- 
gefordert fand, die ihm beigelegten von seinen eigenen zu unterscheiden. Er sah 
sich daher genöthigt, um diesem einträglichen Unt-erschleif zu begegnen und den 
Liebhabern seiner Gemälde zeigen zu können, was von ihm componirt sei, wohl 
auch , um durch eine Gesammtübersicht über seine bisherigen Leistungen das Einerlei 
der Ideen in seinen Compositionen oder Wiederholungen zu vermeiden, ein Buch an- 
zulegen, in welchem er die Skizzen zu seinen Gemälden oder die nach letzteren 
gefertigten Copien sammelte, mit der Bemerkung auf jedem Blatte, für wen oder 
für welchen Ort er die ausgeführten Bilder oder die Originalien gemalt. (Dieses 
kostbare Werk, welchem er den Namen: „Liber Veritatis", Buch der Wahrheit 
oder der Aechtheit, denn es sollte die Unächtheit nachgemachter Bilder durch das 
Nichtvorhandensein in demselben beweisen, gab, und in welchem die ilüchtigsten 
Skizzen wie die fein ausgeführten Blätter die Wirkung vollendeter Gemälde machen, 
befindet sich gegenwärtig im Besitz des Herzogs von Devonshire.)" Aher selbst 
dieses Mittel vermochte den Umlauf vieler unterschobener Gemälde nicht zu hemmen; 
denn es fanden sich immer Maler, die sich seine Freunde nannten, während er 
arbeitete, bei ihm ein, copirten bei ihm in Gedanken die Composition und die Anord- 
nung seiner jeweiligen Bilder, führten dann diese Copien in seiner Manier aus und 
verkauften sie oft, ehe Claude selbst mit seinem eigenen , im Gedanken und im Ar- 
rangement jenen ähnlichen, ursprünglichen Gemälde fertig war. S0 tragen noch heu- 
tigen Tages so ungeheuer viele Nachahmungen und Copien den Namen des Meisters. 
Mit Ehren und Reichthümern überhäuft, arbeitete Claude Lorrain, obgleich 
seit 40 Jahren an der Gicht leidend, fast bis zu seiner letzten Stunde (die Königin 
von England besitzt eine Zeichnung von ihm vom Jahr 1682), und bei seinem 
emsigen Fleisse ist daher die Anzahl der von ihm selbst ausgeführten Gemälde ausser- 
ordentlich gross, wie er denn z. B. dem „Liber veritatis" zufolge in dem JahT61644 
allein 17 grosse Gemälde ausführte. Die Figuren in seinen Landschaften kosteten 
ihn viele Mühe, er liess sie sich daher oft von Filippo Lauri, Jacques Courtois, 
Jan Miel, Franc. Allegrini u. s.w. machen. 
Man kann eigentlich nur den Giov. Domenico Romano als wirklichen Schüler 
von Claude betrachten; denn die grosse Undankbarkeit desselben gegen seinen 
Meister war Veranlassung, dass dieser keinen Zögling mehr in sein Haus aufnahm. 
Trotzdem konnte Claude keinem Bekannten, der ihn befragte, Seinen Rath vorent- 
halten, und man nennt unter letzteren besonders Herrmann Swanevelt. 
Der heroisch pastorale Typus der Landschaftsmalerei, der durch Annibale 
Caracci vorgezeichnet, durch die beiden Poussin weiter ausgebildet worden war, 
erhielt durch Claude Lorrain seine höchste Verklärung. Keiner hat den dem innersten 
Wesen des Menschen verwandten Geist, welcher aus der Natur so mächtig, so wohl- 
thuend, so tröstend anspricht, so in seiner edelsten und heitersten Gestalt in seinen 
Bildern wiederzugeben gewusst, als dieser grosse Künstler. In ihnen tritt uns das 
In Facsimileü herausgegeben Äuter dem Titel; Liber verfßlfiß. Or a. Cüllection uf 200'P:ints After 
the originale desigu of Claude le Lorrain. in the collßcülßn of Bis Grace the Duke of Devunshira, 
executed hy Richard Exu-lom. London, 1774-1777.
        

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