Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
F - L
Person:
Müller, Friedrich Klunzinger, Karl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1051288
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1052794
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Führich. 
lockende Frische und in der Ausführung erkennt man überhaupt einen durchaus tüch- 
tigen und gediegenen Techniker. 
Führich , Joseph , Historienmaler, einer der Hauptvertreter der streng kirchlichen 
Malerei der Gegenwart, geb. 1800 zu Kratzau in Böhmen, bildete sich unter 
Bergler in Prag, kam dann später nach Rom, wo er unter Anderem in der Villa 
Massimi neben Overbeck drei Bilder aus Tasso's befreitem Jerusalem ausführte, 
Nach seiner Rückkehr in's Vaterland wurde er zu Wien an der k. k. Akademie als 
Professor angestellt. Früher wandte er seine künstlerische Thätigkeit fast aus- 
schliesslich dem Romantischen zu, wie jene Bilder nach Tasso; die Zeichnungen zu 
W. Waiblingers Mährchen von der blauen Grotte; die 15 Zeichnungen zu Tieck's 
Genoveva, von denen er auch einige in Oel ausführte; ferner zu dessen Pliantasus 
und seinem Elfenmährchen; sein Erlkönig, nach Göthe; die Umrisse zu Göthe's: 
Hermann und Dorothea; zu Bürgers wildem Jäger u. s. w. beweisen. Später widmete 
er sich jedoch ausschliesslich der strengen kirchlichen Malerei in der von Overbeck 
eingeschlagenen Richtung. Unter seine Hauptwerke in dieser Beziehung gehören: 
Jesus auf dem Gange zum Garten, Johannes an der Hand führend und von Petrus 
und Jakobus gefolgt (1827); Josua mit seinem Heere dankend zum Himmel auf- 
blickend, während die Mauern Jericho's zusammenstürzen; die trauernden Juden 
(lith. v. Hanfstängl); die heil. Adelheid und der heil. Franz von Assisi vor der 
Mutter Gottes; die Menschwerdung Christi (lith. v. Chr. Becker); Boas und Ruth 
(lith. v. Leybold); die heil. Gudula (lith. von M. Stoll); der Gang nach dem Oel- 
berge (lith. v. Leybold); die heil. Filomena (lith. von Leybold); Maria und Joseph 
auf der Reise nach Bethlehem, Unterkommen suchend; der Triumph Christi in Oel 
auf Goldgrund gemalt (in der Sammlung des Grafen Raczynski in Berlin); Christus 
während des Sturmes schlafend im Schiffe (lith. von Ed. Schaller); Gott Vaterxauf 
Wolken sitzend und von Engeln umgeben, schreibt dem Moses mit dem Finger die 
Gebote auf die steinernen Tafeln; die Erscheinung kämpfender Reiter in den Wolken 
erschreckt die Einwohner von Jerusalem kurz vor der Einnahme der Stadt durch 
Antiochus Epiphanes (beide letztere Gemälde in der Gemäldegallerie im Belvedere 
zu Wien); die heil. Anna (1844); die Jünger auf dem Wege nach Emmaus; der 
heil. Kreuzweg in 14 Stationen (Fresken in der Kirche des heil. Nepomuk zu Wien); 
die vierzehn Stationen des Kreuzwegs auf dem Laurenzberge zu Prag (gest. v. Zelisk o 
und Skala); der Traum des heil. Joseph, in welchem dieser vom Engel zur Flucht 
aufgefordert wird (gest. von A. Petrak);peine Pieta (gest. von Petrak), ein Bild 
von bewältigender Stärke der Empündung; der Gang der Hirten zur Krippe; der 
Fischzug Petri (1850); das Urtheil Salomoms; die erste Taufe in Samaria. Von 1854 
an beschäftigte sich Führich mit den ihm übertragenen Malereien des Presbyteriums 
in der Altlerchenfelder Kirche zu Wien. 
Führich hat auch einige Blätter, auf denen man nebige Monogramme findet, 
meisterhaft radirt, von denen wir namentlich hervorheben: 9 Blätter: das Vater- 
unser oder Gebet des Herrn, die sieben Bitten (1826); 11 Blätter: der Triumph 
Christi (1839); die Hochzeit zu Kana (1841). 
Im Jahr 1841 wurde Führich vom Kaiser von Oesterreich für seinen Triumph 
Christi die goldene Künstlermedaille verliehen; 1844 ernannte ihn die königl. Alm- 
demie zu München zu ihrem Mit-gliede und'1845 die kaiserl. österreichische Regie- 
rung zum ordentlichen akademischen Rath. 
In FühricHs Werken tritt uns ganz der Tiefsinn, die Grösse und Schönheit der 
i-eligiöskii-Chlichen Richtung der Malerei unserer Zeit entgegen. Sie zeichnen sich 
durch den Adel der Gedanken, tiefes Eingehen in die Elemente der katholischen 
Mystik, den sittlichen Ernst der Auffassung, tüchtige Charakteristik, Reinheit der 
Formen, die freien und ungezwungenen Bewegungen, die einfache Schönheit der 
Gewandungen, die edlen und klaren Verhältnisse der Massen und Linien aus. Allein 
sie t-heilen auch die Schwächen, an denen diese Kunstrichtung überhaupt leidet. Die 
Gestalten haben meistens zu wenig individuelle Beseelung, zu Wenig Kraft; es sind 
fast immer mehr resignirte Dulder, als thatkräft-ige Personen. Daher jener vor-
        

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