Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
F - L
Person:
Müller, Friedrich Klunzinger, Karl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1051288
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1052609
Franco , 
Gio. 
Batista. 
109 
anfertigte, und auch wieder die Ausführung der Bilder für die bei Gelegenheit der 
Hochzeit des Herzogs mit der Signora Vettoria Farnese stattfindenden Festlichkeiten 
übernahm. Später finden wir den Künstler wieder in Rom, wo er die antiken Statuen 
der Stadt zeichnete, um sie in einem eigenen Werke herauszugeben, Bühnendeko- 
rationen fertigte, 155,0 mit Girolamo Sicciolante aus Sermoneta die Fagade des 
Palastes des Kardinals von Cesis mit dem Wappen des Papstes Julius III. und Figuren 
verzierte, und eine Kapelle der Kirche S. Maria sopra Minerva mit herrlichen Fresken 
aus der heil. Geschichte schmückte. Nach Beendigung dieser Werke ging er nach 
Venedig, wo er für die Kapelle des Fr. Barbaro in der Kirche S. Francesco della, 
Vigna: eine Tafel in Oel, die Taufe Christi darstellend; in der Kirche S. Giobbe 
in Caueiro für die Kapelle der Foscari: eine Madonna mit Heiligen; auf dem Grab- 
male des deutschen Kaufmanns Christoph Fugger: den Gott Mercurius mit Abundantia, 
und Fama, und für A. M. Antonio della. Vecchia: Christus mit der Dornenkrone malte. 
Später schmückte er die Sala. doro des Dogenpalastes mit Grottesken, und eine 
Kapelle in S. Francesco della Vigna mit einer Reihe von kleineren historischen 
Fresken. Er hinterliess aber die letztere Arbeit unvollendet, weil er darüber starb. 
In solchen kleinen, mehr dekorativen Darstellungen allegorischen und mytho- 
logischen Inhalts in den Kassettirungen von Gewölben erscheint Franco besonders 
anziehend; in grösseren Gemälden zeigt er mehr manieristisches Wesen. Im All- 
gemeinen sucht er den ilorentinischen oder römischen Styl mit der eigenthümlichen 
Richtung der venetianischen Meister zu verbinden. Seine Zeichnung ist immer correkt 
und sicher, da er aber mehr nach den Antiken und Michelangelois Werken, als 
nach der Natur studirte, so wird auch sie oft zu streng und scharf; die Composition 
kostete ihn zuviel Anstrengung und Mühe, Wodurch sie oft gesucht und unfrei wurde, 
und desshalb auch der natürlichen Anmuth entbehrte. Ein vort-rerfliches Bildniss 
von ihm, den berühmten Architekten und Bildhauer Sansovino dztrstellend, besitzt 
das Museum zu Berlin.  
Franco hat auch eine beträchtliche Anzahl von Blättern in Kupfer radirt. 
Bartsch in seinem "Peintre graveur" zählt ihrer 108 auf und bemerkt, dass man 
sie bei näherer Untersuchung in vier Klassen eintheilen könne. In die erstere ge- 
hören _jene Blätter, die mit rascher Nadel radirt sind und keine Spur des Grabstichels 
zeigen. Die zweite enthält dagegen solche Blätter, die mit mehr Sorgfalt radirt 
und hie und da mit dem Grabstichel überarbeitet sind. In die dritte fallen jene 
Platten, die mit einer feinen Nadel radirt und sehr vorsichtig geätzt sind, so dass 
die Striche sehr rein und zait blieben, und auf denen dann die Ueberarbeitung mit 
dem Grabstichel in ziemlich engen und verschiedenartig sich kreuzenden Schrafü- 
rungen, welche hie und da. mit Punkten ausgefüllt sind, stattfand. Die vierte end- 
lich umfasst alle diejenigen Blätter, die eben so sorgfältig, aber breiter radirt, und 
in der Aetzung so gefördert sind, dass der Grabstichel nur die abgestumpften Striche 
nachholen durfte, wodurch sie das Ansehen eines ganz mit diesem Instrumente aus- 
geführten Kupferstichs gewinnen. Da. aber die Grabstichelarbeit auf sämmtlißhen 
Blättern eine ziemlich handwerksmässige, von einem so geschickten Maler nicht Wühl 
zu vermuthende frostige Behandlung zeigt und nicht mit der leichten und geistvollen 
Nadelarbeit zusammenstimmt, so ist Bartsch der Meinung, dass nur letztere von 
Franco herrühre, und dass alles, was mit dem Grabstichel überarbeitet ist, von irgend 
einem anderen Stecher hinzugefügt wurde. Da. ein gewisser Giß-ßßmß FTaIlßß 
an mehreren Blättern des BatiSfa Franco Antheil hatte, wie er durch seine Unter- 
schrift beglaubigt, so ist es möglich, dass dieser die Platten, von denen mehrere 
erwiesenermassen in seinen Besitz kamen, mit dem Stichel überarbeitet- 
Zu France's besten Blättern zählt man: das Opfer Abrahanfs; die Geisselung, 
nach Tizian; die Auferweckung des Lazarus, nach Raphael; Sßipids Barmherzig- 
keit, nach Giul. Romano; das jüngste Gericht, nach M. Rotta; Moses schlägt 
Wasser aus dem Felsen; Melchisedech opfert Brod und Wein; die Grablegung; die 
Auferstehung; die Anbetung der Hirten; Johannes predigt in der Wüste; die
        

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