Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
A - E
Person:
Müller, Friedrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1040427
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1041369
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Avanzo Veronese. 
Kirche Madonna della Mezzaratta bei Bologna, ferner eines Altarwerks in S. Giacomo 
Maggiore (vom Jahr 1408) und einiger Tafeln von scharfem und strengem Styl in 
der Pinakothek zu Bologna, auch (nach Förster, Kunstblatt Jahrg. 1847, Nro. 10) 
der Maler desselben sein könnte. 
Avanzo Veronese, Jacopo d', ein Meister, dessen Werke von ganz besonderem 
Werth für die Entwicklungsgeschichte der italienischen Malerei in Italien sind, war 
neben Orcagna der grösste Nachfolger Giotto's. Er schmückte mit seinem älteren 
Kunstgenossen, Aldighiero da Zevio, 1376 die Kapelle S. Felicc in S. Antonio 
zu Padua mit Fresken aus der Legende des Jacobus major, und begann im Jahr 1377 
die Malereien der S. Georgskapelle ebendaselbst. Unter den Bildern der ersteren 
Kapelle sind die Darstellungen; der in das Schloss der Gräfin Lupa. geführte Leich- 
nam des Apostels und der Uebertritt der Gräfin sammt ihrem ganzen Gesinde zum 
Christenthum, die Erscheinung des heil. Jacob bei dem Könige Ranimirus im Schlaf 
und der Sieg des Letzteren unter dem Beistand des Apostels über die Saracenen bei 
Clavigium; ferner hinter dem Altar: das Bild der Kreuzigung in drei durch Säulen 
geschiedenen Abtheilungen, rechts davon das Votivgemälde der Familie des Stifters 
und ein (ganz übermalter) heil. Christoph von Avanzo's kunstgeübter Hand. Aber 
erst in den Fresken der Georgskapelle tritt uns die Darstellungsweise des Meisters 
in ihrer ganzen Bedeutung entgegen. Dies sind 21 grosse Bilder, welche folgende 
Scenen aus der christlichen Geschichte und den Legenden des heil. Georgs, der heil. 
Lucia und der heil. Katharina darstellen. An der Rückwand: die Verkündigung; 
die Anbetung der Hirtenpdie der Könige; die Darstellung im Tempel; die Flucht 
nach Aegypten; an der Altarwand: die Krönung Maria; die Kreuzigung. An den 
Seitenwänden, links aus der Geschichte des heil. Georgs: der Kampf mit dem Drachen; 
die Taufe des Königs Zevius von Silena und das Votivbild der Familie des Stifters; 
Georg trinkt auf Diocletians Befehl den Giftbecher, ohne Schaden; er wird gerädert, 
aber nicht getödtet; er soll die Götter anbeten, aber auf sein Gebet stürzen die heid- 
nischen Tempel ein; er wird hingerichtet. Gegenüber oben, aus der Geschichte der 
heil. Katharina: ihre TVeigerung, die Götter anzubeten; ihr Streit mit den Philo- 
sophen; ihr Martyrium auf dem Rad und ihre Enthauptung. Darunter aus der Go- 
schichte der heil. Lucia: ihre Verantwortung "vor dem Präfekten von Syrakus; der 
Vergebliche Versuch, sie zur Richtstätte zu schaffen; die verschiedenen Anstrengungen 
sie zu tödten; die Ausstellung ihres Leichnams. Auch die Decke war früher mit den 
Bildnissen der Propheten geschmückt gewesen. Ob auch Aldighiero an diesen 
Gemälden Antheil gehabt habe, ist nicht mit Bestimmtheit zu ermessen; unzweifel- 
haft aber bleiben sie in der Hauptsache ein Werk Avanzds, selbst wenn ihm andere 
Künstler und Gehülfen bei der Durchführung der grossen Arbeit behülflich waren. 
In diesem höchst interessanten Bildercyclus steht zwar Avanzo seinen Vor. 
gängern Giotto und Orcagna an Poesie der Auffassung, m1 Hoheit und Macht der 
Gedanken nach, allein er erreicht sie in der Mannigfaltigkeit und einheitlichen Ab- 
rundung der Composition, im lebensvollen Eingehen auf das Vorbild der Natur, und 
übertrifft sie und alle seine Zeitgenossen an malerischer Durchführung, an Tiefe, 
Reinheit und Vielseitigkeit des psychologischen Ausdrucks, an specieller bis in's 
Einzelne durchgeführten Idealisirung, ohne von der idealen Bildung in's POrträtm-tige 
zu verfallen. Die Köpfe seiner heiligen Personen sind ungemein schön, und wenn 
seine Gestalten, bei aller grösseren Lebendigkeit in der Bewegung, als die Seinen 
Vorgänger, noch nicht vollständig durchgebildet erscheinen, sich auch in Seiner Ge- 
wandung noch keine weitere Entwicklung bemerkbar macht, so zeigt er dagegen in 
der Modellirung, in der Abstufung der Töne, in der Beßbäwllfllllg der Geset-ze der 
farbigen Erscheinung und der Perspektive, ja. Sßgßl hin lllld Wieder in dem Streben 
nach optischer Illusion, Fortschritte, die den Uebergang von der Kunstweige des 14, 
zu der des 15. Jahrhunderts, durch welche die Malerei erst ihrer eigenthümlichen 
Bestimmung entgegen geführt wurde, vermitteln. 
Andere Werke Avanzds, über dessen Herkunft und Lebensgchigkgale nichts 
Näheres bekannt ist, sind untergegangen; so z. B. zwei Triumphzüge im Palast della
        

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