Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
A - E
Person:
Müller, Friedrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1040427
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1046673
Eyck , Lambert vah. 
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Psalterium im brittischen Museum, eine Sammlung von Gebräuchen des ritterlichen 
Zweikampfes in der königl. Bibliothek zu Paris , die Geschichte der Könige von 
Jerusalem in der. königl. Bibliothek zu Wien mit Miniaturen von 1430 bis 1450 
weisen mindestens unmittelbar auf die Eyck'sche Schule in ihrer frühesten Zeit. 
Jan van Eyck soll auch die Glasmalerilüsse erfunden haben; diess ist indessen 
nur eine Sage, welche in der Gewohnheit, diesem Künstler die Vervollkommnung 
des technischen Verfahrens in der Oelmalerei zuzuschreiben ihren Grund haben mag, 
aber sonst keine Beweise für sich hat. 
 Die künstlerische Thätigkeit der Brüder van Eyck übte einen ungeheuren Ein- 
iluss auf die gesammte Kunstübung ihrer Zeit nicht nur 'in ihrer Heimath und 
Deutschland, sondern auch jenseits der deutschen Grenzen in Frankreich, ltalien, 
Spanien. Namentlich aber spricht sich derselbe in den Wlerken ihrer unmittelbaren 
Schüler und Nachfolger aus; doch wurde trotz manchen einzelnen vorzüglichen 
Leistungen die Grösse und Bedeutsamkeit der Meister von Keinem unter ihnen erreicht. 
Die namhaftesten Schüler der Brüder van Eyck waren: Pieter Christophsen; 
Gerhard van der Meeren; Justus von Gent; Hugo van der Goes; Anto- 
nello von Messina; König Reue von Anjou; Rogier van der Weyden 
der Aeltere, welcher ebenfalls eine bedeutende Schule gebildet, und nach dem 
Tode Jan van Eyck's der Mittelpunkt der nordischen Malerei wurde. 
Literatur. Bart. Facius, De viris illustribus. Flor. 1743.  Vasari, Leben der ausgezeichnetsten 
Maler, Bildhauer und Baumeister.  Carel van Mander, Het Schilder Boeck. Tütmsterdam 1618.  
Marcus van Varnewyck, De Historie van Belgis 1568.  Inunerzeel, De Levens en Werken 
der Holl. en Vlaam. Kunstschilders u. s. w. Amsterdam, 1842.  Descamps. La vie des peiutres ilamands, 
allemands et hollandois. Paris, 1753-1760.  L. de Bast, Messager desvSciences et des Arts. Gent.  
Carton, Les trois freres van lüyck. Bruges. 1848.  Joachim von Sandrart, Teutsche Akademie 
der edlen Bau-, Bild- und Malereikünste. Nürnberg, 1675-1679.  Fiorillo, Geschichte der zeich- 
nenden Künste in Deutschland und den vereinigten Niederlanden.  Wlaagen, Ueber Hubert und Johann 
van Eyck. Breslau, 1822.  Derselbe, Nachträge zur Kenntniss der nltniederliindischen Maler-schulen 
des 15. und 16. Jahrhunderts. Kunstblntt, Jahrg. 1847. Nro. 41 11'.  Derselbe, Kunstwerke und 
Künstler in England und Paris. Berlin, 1837-1839. 3 Bände.  Schnnase, Niederländische Briefe. 
Stuttgart, 1834.  J. D. Passavant, Kunstreise durch England und Belgien. Mit 2 Umrissen nach 
den Bildern des Genter Altarwerks. Frankfurt, 1833.  Derselbe, Beiträge zur Kenntniss der alt- 
niederliindischen Malerschulen. Kunstblatt, Jahrgang 1841. Nro. 3-13. Jahrgang 1843. Nro. 54-63.  
Derselbe, Die christliche Kunst in Spanien. Leipzig, 1853.  Dr. G. Rathgeber, Annalen der 
niederländischen Malerei u. s. w. Gotha, 1842.  H. G. Hotho, Vorstudien für Leben und Kunst. 
Stuttgart und Tübingen 1835.  Derselbe, Geschichte der deutschen und niederländischen Malerei. 
Berlin, 1843.  Derselbe, Die Maler-schule Huberts van Eyck, nebst deutschen Vorgängen und Zeit- 
genossen. Berlin, 1855.  Kugler, Handbuch der Geschichte der Malerei. Berlin, 1847.  Ernst 
Förster, Geschichte der deutschen Kunst. Leipzig, 1851.  De Laborde, Le ducs de Bourgogne. 
Paris, 1849. 
Eyck , Lambert van, der jüngste Bruder der Vorig-en, war ebenfalls Maler, wie 
aus den Rechenbüchern der Herzoge von Burgund im Archiv der Rechnuugskammer 
zu Lille in den Jahren 1430 und 1431 (mitgetheilt von dem Grafen Delaborde in 
seinem Buche: „Les Ducs de Bourgogne") hervorgeht, nach welchen er Zahlungen für 
gelieferte Arbeiten erhielt. Ausserdem weiss man aber von seinem Leben nur noch, 
dass er, wie die „acta capitularia" der Kathedrale von Brügge mittheilen, im Jahr 
1442 den Leichnam seines Bruders Jan nach erlangter Erlaubniss des dortigen Bi- 
schofs von dem äusseren Umgang der Kirche, in welchem er begraben lag, weg- 
nehmen und in der Kirche selbst, in der Nähe des Taufsteins, beisetzen durfte. Man 
schreibt ihm die Ausführung des von seinem Bruder erfundenen und begonnenen, ehe- 
mals in der St. Martinskirche zu Ypern zum Gedävclltniss des Abts Nicolaus von Mael- 
becke aufgehängt gewesene Altargemälde, ein Triptychon mit der scholastischen 
Symbolik der Jungfrävulichkeit Marien's (jetzt im Besitz des Hrn. Boegart zu Brügge), 
zu. (Siehe auch Jan van Eyck.) Es stimmt in der ausgezeichneten Ausführung 
der Nebensachen, von Gold, Edelsteinen, Haaren, Landschaft ganz mit-ähnlichen 
Gegenständen des Genter Altarwerks überein, zeigt aber in den Köpfen und Händen 
eine viel schwächere Zeichnung als die Bilder des Jan van Eyck. Man nimmt dess- 
halb an, dass letzterer die Composition des Bildes entworfen und Lambert dasselbe 
vollendet. Des Letzteren Talent reichte darnach zwar aus , es mit der unvergleich- 
lichen Technik, welche er sich von Seinen Brüdern angeeignet hatte, in allen Neben. 
Sachen denselben gleich zu thun, in den Hauptsachen musste er aber jenen nach-
        

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