Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
A - E
Person:
Müller, Friedrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1040427
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1046566
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Eyck , Hubrecht und Jan van. 
und deren Zwecke Philipp zwar ausdrücklich geheim gehalten wissen wollte, die 
aber bei der bekannten Liebe des Herzogs zum schönen Geschlecht wohl kaum 
andere gewesen sein mögen, als die Bildnisse entfernter Geliebten von ihm zu malen. 
Auch liess Herzog Philipp nach Jan van Eyck's Wahl und Urtheil von anderen 
Künstlern verschiedene Kunstgegenstände, ltliniaturen u. s. w. anfertigen, der v0rziig- 
lichstc Beweis aber für die ausserordentliche Gunst, worin er bei ihm stand, ist der, 
dass er ihn 1428 im Geleite einer reich ausgestatteten Gesandtschaft unter dem Hrn. 
v. Roubaix zu König Juan I. von Portugal schickte, um dessen Tochter Isabella, die 
nachmalige dritte Gemahlin Philipps des Guten und Mutter Karl des Kühnen, zu 
malen. lm Jahr 1432, zur Zeit als das Genter Altar-Werk vollendet war, besuchte 
der Herzog den Künstler selbst in seiner Werkstätte zu Brügge, bei welcher 
Gelegenheit jener den Schülern und Gehülfen des Meisters Geschenke machte, und 
im Jahr 1434 übernahm Philipp, der Gute, sogar die Pathenstelle bei einem Kinde 
des Jan, dem er als Pathengeschenk sechs silberne Tassen im Gewicht von 12 Mark 
übersenden liess. Ja, der Künstler scheint bis zu seinem Tod und darüber hinaus die 
Gunst des Herzogs besessen zu haben, denn noch 1448 macht-e er dessen Tochter Lyennie 
(Hennie) ein Gnadengeschenk, um in das Kloster zu Masseyck, ihres Vaters Geburts- 
ort, zu treten. Aus letzterem Umstand scheint indessen hervorzugehen, dass trotz 
der Auszeichnung, die Jan im Leben genossen, und trotz angcstrengtester Thätig- 
keit seine Vermögensverhältnisse doch sehr bescheiden geblieben sein müssen. 
Mit der Thätigkeit der Brüder van Eyck beginnt jene grossartige Kunstreform 
zu Anfang des 15. Jahrhunderts in den deutschen Niederlanden, die sich im Gegen- 
satze zu dem Idealismus der vorigen germanischen Periode der Darstellung der natür- 
lichen Erscheinung des Lebens mit aller Macht zuwandte und sogleich mit einer Voll- 
kommenheit auftrat, die, weil scheinbar weder mit augenfälligen Vorgängen in der 
Heimath, noch mit anderen deutschen Malerschulen im sichtbaren Zusammenhang 
stehend, an's Wunderbare gränzt und die beiden Meister, welche jene neue Richtung 
in's Leben riefen, den grössten Künstlern aller Zeiten beizählt. Zwar erinnern ihre 
Arbeiten, namentlich diejenigen, welche man mit Sicherheit dem älteren Hubert 
zuweisen kann, zum Theil noch an die statuarisch feierlichen Typen des germanischen 
Styls, auch lässt sich in der gemüthlichen Stimmung, in dem Gedankengange, der 
sich in ihren Werken äussert, hin und wieder noch Verwandtes mit den Prinzipien 
des romantischen Zeitalters erkennen; allein wie mit einem Schlage ist in ihnen die 
ganze Welt der Erscheinungen der Natur erschlossen. An die Stelle des Abge- 
schlossenen einzelner idealer Gestalten oder symmetrisch geordneter Gruppen tritt 
das wirkliche Leben mit seinen individuellen Gestalten; der starre Glanz des goldenen 
Grundes wird hinweggethan und dem Blick die Möglichkeit eröffnet, in die Tiefe und 
Weite vorzudringen, Himmel und Erde, Nähe und Ferne zu umfassen. Hier finden 
wir anmuthsvolle Gebirgszüge, blühende Matten mit Quellen und Strömen, frucht- 
reiche Bäume, dort die ganze Behaglichkeit und den Schmuck menschlicher Woh- 
nungen, das mannigfachste Geräth mit dem liebevollsten Eingehen auf das Einzelne, 
mit bewundernswiirdiger Naturwahrhcit dargestellt. Zwar ist in ihren Gestalten von 
den organischen Bewegungen des Körpers nur eine wenig genügende Vorstellung 
vorhanden, selbst die Modellirung zeigt noch manche Härten, ja die Gewandung 
nimmt in ihnen erst jene eckigen harten Brüche an, welche von dem schönen 
fliessenden Faltenwurf der vorhergehenden Periode so unangenehm abweichen; aber 
man vergisst alle diese Mängel über der harmonischen Zusammenstimmung des Ganzen, 
wie sich solche ausspricht: innerlich in der Vereinigung einer reinen Begeisterung 
für die Bedeutung der jedesmaligen Aufgabe mit diesem ausführlichen Naturalis- 
mus, der gemüthvollen, oft selbst tiefsinnigen Auffassung, mit den nothwendigen 
Beziehungen, in welche die menschlichen Gestalten zu ihrer Umgebung gebracht 
sind, so dass wir darin eine heitere Verklärung des irdischen Lebens inmitten seiner 
beschränkten Verhältnisse wahrzunehmen glauben , aus s erli oh in dem Einklange 
klarer, leuchtender Farbe und dem Spiele des Lichts, für dessen Durchführung die 
von den Brüdern van Eyck erfundene und verbesserte Oelmalerei die nöthigen
        

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