Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
A - E
Person:
Müller, Friedrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1040427
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1046219
Edelinck, Gerard. 
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Galle. Der Unterricht dieses sonst sehr geschickten Künstlers reichte übrigens 
nicht aus, ein so grosses Talent, wie sich ein solches in Edelinck entfaltete, zu ent- 
wickeln und es blieb demnach einem andern, Frangois de Poilly in Paris, zu dem 
er sich 1665 begab, vorbehalten, die bedeutenden Anlagen des jungen Mannes aus- 
zubilden. Bald erreichte der Schüler den Meister und binnen kurzer Zeit hatte er 
alle andern künstlerischen Zeitgenossen seines Fachs übertroffen. Seine Verdienste 
wurden von allen Seiten anerkannt und belohnt. LudwigXIV. gab ihm eine Woh- 
nung in der Manufacture des Gobelins und räumte ihm noch sonst verschiedene andere 
Vortheile ein. 
Edelinck nimmt unter den Kupferstechern aller Zeiten einen der ersten Plätze 
ein, und viele seiner Werke sind bis heut-e nicht übertroffen, ja dürften es vielleicht 
nie werden. Seiner ausserordentlichen Sorgfalt in der Behandlung des Grabstichels 
kommt nur seine ungeheure Leichtigkeit und Kühnheit gleich , mit der es ihm mög- 
lich wurde, über 420 Blätter meistens in sehr grossem Format auszuführen, unter 
denen auch nicht ein einziges Mittelmässiges sich findet. Mag er auch in einzelnen 
Elementen der Technik von einzelnen Meistern übertroffen werden, so überrragt er 
doch, was das Ganze der künstlerischen Behandlung anbetrifft, alle seine Vorgänger 
und seine Nachfolger blicken an ihm hinauf. Wenn Goltzius fast einzig und allein in 
der kunstreichen Anwendung des Stichels, Massen hauptsächlich in der Gleichmässig- 
keit, Feinheit und Stärke des Tons, Franz de Poilly ausschliesslich in der Form die 
Lösung der Aufgabe für den Kupferstecher suchte, so hat Edelink die Verdienste und 
Vorzüge dieser einseitigen, und wenn auch noch so geistvollen Richtungen zusammen- 
gefasst und zu einem Zwecke vereinigt, in welchem keine einzelne glänzend und 
blendend hervortritt, sondern jede sich dem (ianzen zur völligen Harmonie und Voll- 
kommenheit unterordnet. In seinem Vaterlande von dem durch Rubens auch in der 
Kupferstecherkunst angefachten Leben inspirirt und dadurch zu einer ruhigen , kräf- 
tigen , vielseitigen Thätigkeit angetrieben, fand er in Frankreich eine aufs höchste 
gesteigerte Kunstfertigkeit vor, in die er sich bewundernswürdig rasch einübte, wo- 
durch es ihm gelang , die Vorzüge der niederländischen und der französischen 
Stecherschule zu verbinden, so dass er als der Schluss und Gipfel beider betrachtet 
werden kann. 
Er war in hohem Grade der Zeichnung mächtig, nicht nur von Seiten des Um- 
risses , sondern auch in der Modellirung, im Helldunkel und in der Luftperspektive, 
um auf diese gründliche Kenntniss der Form und Rundung der Körper die perspek- 
tivische Bewegung der Strichlagen auf's Genaueste berechnen zu können. Dabei 
wusste er seinen Stiche] , je nach dem zu behandelnden Gegenstande, von den kräf- 
tigsten Kreuzschraiiirungen bis zur sanften Punktirung mit bewundernswiirdigem 
Takte, gleich dem Daumen des geschickten Bildners, der dem fügsamen Wachs Leben 
und Anmuth verleiht, so sicher und leicht, so gemessen und gemässigt, so streng und 
wieder so spielend, so stark und doch wieder so weich zu führen, dass jeder Stoff im 
angemessenem-m Vortrag-rund das Ganze in vollendetster Haltung erscheint. 
Edelinck's Kunst wurde oft zu gar geschmacklosen Aufgaben, z. B. zur allegori- 
schen Einfassung von Thesen, welche, für die Universität bestimmt, von Ch. Lebrun 
gezeichnet worden waren, missbraucht, auch war er in der Wahl der Gegenstände 
nicht immer glücklich. Dagegen sind seine Porträts, selbst wo die Person der Dar- 
stellung völlig gleichgültig ist, immer wegen ihrer Behandlung äusserst interessant, 
ja einige von ihnen werden sogar immerdar vollgültige Muster-werke bleiben. 
Unter seine Meisterstiche im Porträtfache zählt man die Bildnisse folgender Per- 
sonen: der Madame Helyot, nach J. Galliot, von zartester Behandlung; des Jacques 
Galliot; Philipp de Champaigne; Charles Lebrun , letzteres nach Largilliere; 
H. Rigaud, nach ihm selbst; M. van der Bogaard, nach Rigaud; Fr. Tortebat, 
nach de Pille; des Jacques Blanchard; Nataniel Dilgerus (1683); Fr. Leonard, 
nach Rigaud; Pierre Carcavy; Jul. Hard. Mansart, nach Rigaud; Charles 
d'Hosier, nach R i g au d; Jules P. de Lionne , Fr. Michel le Tellier , nach 
Mignard und Lebrun; Peter van Bouc; P. Tallemant; M. P. V. Bertin, die beiden
        

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