Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
A - E
Person:
Müller, Friedrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1040427
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1045964
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Dughet , Gaspard. 
Nicolas Poussin, von dem er auch den Namen annahm, so dass er allgemein 
Gaspard Poussin genannt wird, wählte aber für seine künstlerische Thätigkeit vor- 
züglich die Landschaft und hauptsächlich Rom und dessen Umgebungen, wobei er schon 
in der Wahl der Standpunkte ebensoviel edlen Geschmack als feines Gefühl für das 
Malerische an den Tag legte. Im Allgemeinen zeigt er in seinen Bildern dieselbe 
Richtung auf eine bedeutsame Auffassung der Natur in ihrer edelsten und gross- 
artigsten Gestalt, wie sein Lehrer, und in seinen früheren WVerken schliesst er sich 
noch mit ziemlicher Entschiedenheit an dessen Kunstweise an, später wusste er die- 
selbe jedoch auf eine höchst eigenthilmliche WVeise umzubilden. Bei ihm redet die 
Natur die gewaltige Sprache, welche noch jetzt aus den Gebirgen, Eichwäldern und 
Ruinen in der Umgegend von Rom hervortönt; meistens aber erhöht sich dieser Ton 
durch Sturmwind und Gewitter, welche dann das ganze Bild durchbeben. Ja, er 
erscheint da am grössten, Wo er uns die Elemente im gewaltigsten Aufruhr zeigt, 
wenn der Sturm mit furchtbarer Gewalt über das Land einherfahrt, aus dunklen Wolken 
Blitze die Lüfte durchzucken und Menschen und Thier ängstlich einen Schlupfwinkel 
suchen, und er hat auch durch solche Darstellungen Wildleidenschaftlicher Naturscenen 
hauptsächlich seinen Ruhm erlangt. Aber auch wenn Poussin die Natur in Ruhe 
darstellt, so erzeugen die dichten tVolkenschatten, welche mit einzelnen einfallenden 
Lichtern über die dunklen Massen dichtbewachsener Waldg-ebirge hinziehen, eine 
ernste, oft sogar in melancholisches Sinnen versunkene Stimmung, die indessen immer 
schön und wohlthuend, öfter sogar von der erhabensten Art ist. In den Formen 
herrscht durchaus das Hochbedeutendc vor und namentlich sind die Mittelgründe mit 
einem Ernst behandelt, wie bei keinem anderen Meister. Auch in der Wahl seiner 
Staffage ist er immer glücklich, in der Ausführung geistreich und correkt. 
Dieser Typus der Landschaftsmalerei, welchen Annibale Caracci vorge- 
bildet, der von Nicolas und Gaspard Poussin ausgebildet werden war und in 
Claude Lorrain seine höchste Verklärung fand, blieb lange Zeit der herrschende. 
Er stellt die unbenützte Natur dar, in welcher die Spuren der Menschenhand nur als 
Bauwerke, hauptsächlich als Ruinen der Vorwelt, auch als einfache Hütten zum Yor- 
schcin kommen. Das Menschengeschlecht, das wir darin voraussetzen oder auch wohl 
dargestellt finden, gehört entweder der alten Fabelwelt oder der heil. Geschichte oder 
dem Hirtenleben an. Der Eindruck im Ganzen ist daher ein heroisch pastoraler. 
Die Zahl der von Gaspard Dughet ausgeführten Bilder ist sehr gross, denn er 
arbeitete mit einer ausserordentlichen Leichtigkeit. Leider haben aber seine Oel- 
gemälde durch Nachdunkeln häuüg einen Theil ihres Werthes verloren, wo dies je- 
doch nicht der Fall ist, zeigt sich seine Eigenthümlichkeit in ihrer ursprünglichen 
TVeise. Dahin gehören die reichen Frescomalereien mit Scenen aus dem Leben des 
Elias und Elisa, mit denen er die Kirche S. Martino a' Monti zu Rom geschmückt hat; 
dahin ebenso die bedeutende Anzahl grosser in Leimfarben genialter Stailbleibilder, 
die sich in der Gallerie Doria zu Rom befinden. In derselben Gallerie sind von ihm 
auch verschiedene Oelgemälde, zum Theil vom vorzüglichstcn Werthe, x'orl1anden_ 
Anderes sieht man in den Gallerien Colonna und Corsini und in der Akademie di S_ 
Luca ebendaselbst. Im Pal. Pitti zu Florenz sind vier köstliche kleinere Bilder von 
ihm und in den Uliizicn daselbst iindet man eine treiiliche Waldlandschaft. Auch das 
Turiner Museum besitzt mehrere Bilder des Meisters, nallleIlf-lich aber ist das Museum 
von Madrid reich an YVerken seiner Hand. Dann bewahren die englischen Gallerien, 
besonders die Nationalgallerie, die Bridgewateiß, die Grosvcnon, die Devonshirehouse- 
gallerie, die Sammlung des Kensingtonpalastes zu Lßlldoll, das Fitzwilliammuseunx 
zu Cambridge, die Sammlungen zu Chiswick, im DulWich-College, zu Corshamhouse, 
Leight-Court, Holkham, Althorp, Woburn-Abbey, Lutüuhouse, die Gallerien des Lords 
Farnborough, des Lords Yarhorough und des Hrn. Wilkins zu London, des Hrn. 
Beckford in Bath, des Sir Th. Baring zu Stratton u.  eine Anzahl von gegen 
50 Bildern, die zum Theil nicht nur zu seinen vorzüglichsten Werken gehören, 
sondern zu den schönsten Landschaften, die es überhaupt gibt. In den übrigen 
grösseren europäischen Gallerien, im Museum zu Berlin, der Gallerie zu Dresden,
        

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