Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
A - E
Person:
Müller, Friedrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1040427
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1045885
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Albrecht. 
Dürer , 
heit, wie er ja auch in dieser Zeit gerade das Meisterwerk seines Lebens, die vier 
Apostel, schuf. 
Wie bereits bemerkt, beschränkte Dürer Seine künstlerische TVii-ksamkeit nicht 
auf die Malerei allein, die er auch aufMiniaturen und zwar mit ganz ausgezeichneten; 
Erfolg ausdehnte, wie wir an einem grossen, einst von Gustav Adolph aus München 
entführten, später von Herzog August von Braunschweig für die Bibliothek zu 
Wolfenbüttel erworbenen grossen Missale erkennen  wir sehen ihn gelegentlich 
auch in der Baukunst sich umthun, besonders aber als Bildner in verschiedenen 
Schnitzwerken von Holz, Elfenbein , Speckstein, in Porträtsmedaillons u. s. w. thätig. 
Die Zahl der von Dürer auf uns gekommenen Handzeichnungen, Gemälde und 
Schnitzereien lässt sich nicht wohl bestimmen, von Kupferstichen zählt man aber 
allein 104, von den Holzschnittcn 174. 
Ueberblickt man diesen Reichthum von Kunstschöpfungen und vergleicht die 
einzelnen Leistungen nach ihrer künstlerischen Beschaffenheit, so muss vor Allem 
die Gleichmässigkeit des Styls auffallen, die vom ersten Strich bis zum letzten Zug 
keine wesentliche, ja nicht einmal irgend eine stark hervortretende Veränderung 
erleidet, dann dass die Bildung dieses Styls in keiner sichtbaren Beziehung zu dem 
Meister steht, zu Michael Wo hlgemu tl1, der den Grund dazu gelegt, ein fast einzig 
dastehendes, sprechendes Zeichen der ausserordent-lichen, in Dürer wirkenden Kräfte. 
In seinen Sculpturarbeiten findet man mehr ein Einarbeiten auf malerische 
Wirkung, auf Hervorheben der Umrisse des Details, auf geistreiche Lebendigkeit, 
während die plastische Durchbildung, das Gefühl für die feineren Uebergänge, für 
die gemessenere Rundung der Form, welche die Reliefbildung verlangt, nicht in 
gleichem Maasse hervor-tritt, im Einzelnen sogar mangelt, was aber natürlich mit seiner 
anderen künstlerischen Thätigkeit zusammenhängt, welche ihm die Zeit zur Aneig- 
nung vollkommener bildnerischer Fertigkeit natürlich nur karg zumessen konnte. 
Eine mehr oder minder malerische Behandlungsweise und der Mangel jener gesetz- 
mässigen vollendeten Technik, welche nur das Ergebniss vieljähriger Uebung und 
Gewöhnung sein kann, verbunden mit dem ihm eigenen, aus der innern Kraft und 
Lebendigkeit seines Geistes quellenden Styl, erscheinen somit als charakteristisch 
und maassgebend für die Bcurtheilung, wenn es sich bei plastischen Werken, deren 
ihm eine ungeheure Anzahl beigemessen wird, um seinen Namen handelt. 
Die Kupferstecherkunst nahm durch ihn einen ganz neuen Aufschwung, denn 
er liess sich die Vervollkommnung ihrer Technik so sehr angelegen sein, wie die des 
Holzschnitts, und wenn auch die WVerke einzelner Kupferstecher aus der nieder- 
ländischen Schule vor Dürer, z. B. des anonymen Stechers vom Jahr 1466, des Franz 
von Bocholt, ferner des Martin Schongauer und Anderer Blätter aufweisen, 
welche an Reichthum und Eigenthümlichkeit der Composition, Tiefe und Innigkeit 
de? EmPündllng und des Ausdrucks, an Adel und Lieblichkeit der Köpfe und Be- 
wegungen den besten von Dürer theils an die Seite gesetzt, theils sogar vorgezogen 
zu werden VeTdienQn, S0 bleibt doch letzterem immerhin das grosse Verdienst, seine 
Vorgänger in der Kupferstecherkunst durch Richtigkeit und Gründlichkeit der Zeich- 
nung, durch Ausbildung der Linienmanier, durch Kraft und Wlirkung des Helldunkcls, 
durch treue Durchführung und Gleichfdrmigkeit der Darstellung, auch in den Neben-  
Sachen und Hinßßfg'l'ülldell, sowie durch Gewandtheit und Fleiss des Grabstichels 
wesentlich überboten zu haben. TVenige seiner Zeitgenossen führten ihr Instrument 
so zart, mit solcher Bestimmtheit des Umrisses, solcher Charakteristik der Zeich- 
nung. Nur hin und wieder verleitete ihn der TVettstreit irn Kupferstich mit Lucas 
von Leyden und Lucas Kranach zu einem gewissen Haschen nach Feinheit 
und Eleganz. 
Auch auf die Formschneidekunst übte Dürer, obgleich die meisten der von ihm 
herausgegebenen Holzschnitte von Schülern , Gehülfen und eigentlichen Formschnei- 
dem ausgeführt wurden, einen sehr grossen Einfluss. Durch Uebertragung aller 
Eigenschaften einer freien, ausgebildeten und kräftigen Federzeichnung auf den 
Holzschnitt, Verschmelzung der Umrisse, plastische Behandlung der Oberflächen,
        

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