Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
A - E
Person:
Müller, Friedrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1040427
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1045839
Dürer , 
Albrecht. 
515 
Das eine derselben , in der Gallerie des Belvedere zu Wien , stellt einen Nürnberger, 
Johann Kleeberger, dar, das andere befindet sichiim Besitz der Holzschuhefschen 
Familie in Nürnberg und ist das Porträt eines Ahnherrn derselben, des Hieronymus 
Holzschuher im Alter von 57 Jahren (vortrefflich gestochen von Fr. Wagner). Der 
Ausdruck dieses Kopfes ist höchst edel und würdig, das Auge leuchtend, das Ganze, 
trotz des weissen Haares, höchst jünglingskräftig, in Dürer's gewöhnlicher dünner 
lasurartiger Weise gemalt, aber bewundernswürdig durchgeführt, von vollkommenster 
Modellirung bei der leichtesten Handhabung der Farben. Es ist jedenfalls das schönste 
unter allen Porträts des Meisters , und lässt deutlich erkennen, wie er die Natur im 
günstigsten Momente aufzufassen und mit unwiderstehlicher Kraft darzustellen wusste. 
Das dritte Bild aus demselben Jahre, der Nürnberger Bürgermeister Jacob Muifel 
(in der Gallerie zu Pommersfelden) steht an Lebhaftigkeit und Klarheit der Farbe, 
sowie in der Ausführung des Einzelnen dem vorigen nach, ist aber in der Auffassung 
nicht minder vortrefflich. 
In demselben Jahre 1526, in welchem er diese Porträts malte, entstanden endlich 
auch noch die beiden zusammengehörigen Bilder mit den vier lebensgrossen Gestalten 
der Apostel Johannes und Petrus, Marcus und Paulus in der Pinakothek zu München, 
Dürefs grossartigstes Werk, das letzte von Bedeutung, welches er geschaffen 
und in Welchem sich der veredelnde Einfluss seiner niederländischen Reise , wie seine 
ganze Kiinstlergrösse überhaupt, auf die glänzendste Weise beurkundet (gest. v. 
Reindel, lith. v. Strixner). Inzwischen waren nämlich in Deutschland wichtige 
Veränderungen im Glaubensleben vorgegangen. Luther hatte die Abstellung kirch- 
licher Missbräuche und eine Läuterung des Glaubens laut verkündigt; der Wormser 
Reichstag war gehalten worden und der Muth des wittenberger Reformators ge- 
wann die Herzen des Volks. Dürer hatte sich schon 1518 zugleich mit seinen 
Freunden Willibald Pirkheimer und Lazams Spengler für Luther, und mit tiefster 
Eingebung der neuen Lehre zugethan, erklärt. Nürnberg, und Pirkheimefs Haus 
insbesondere, bildeten einen belebenden Mittelpunkt für die reformatorischen Be- 
strebungen der Zeit. Auch zu Hans Sachs, der um 1518 nach Nürnberg zurück- 
gekehrt, und ein eifriger Verbreiter der reformatorischen Lehre, vornehmlich im 
Kreise des Bürgerstandes, geworden war, stand Dürer in unmittelbarer Beziehung, 
so dass sie zusammen, Sachs im Lied und Dürer im Bild, die "Thorheit der Welt" 
verspotteten. Mit reger Theilnahme hatte unser Künstler selbst schon auf seiner 
niederländischen Reise die Ereignisse verfolgt und mit einem an Verzweiflung granzen- 
den Jammer sich über Luthers Gefangennehmung bei dessen Rückkehr vom Wormser 
Reichstag", die er daselbst vernommen, geklagt. Sein lebhafter Antheil an der Sache 
der Reformation wuchs mit der Zeit, namentlich auch seit seiner Bekanntschaft mit 
Melanchthon, der im Jahr 1526 nach Nürnberg kam, das neugegründete Gymnasium 
einzurichten und mit dem er sich schnell und innig befreundet hatte. Es drängte 
daher auch ihn, den Künstler voll relig-iösphilosophischer Gedanken im Geiste der 
gährenden Zeit und voll Eifer an ihrer Gestaltung, in ernster WVeise durch Seine 
Kunst ein Bekenntniss seines protestantischen Glaubens abzulegen und 61' 11131119 
daher jene Bilder, die er dem Rathe seiner Vaterstadt als ein Gedächtniss seiner 
künstlerischen WVirksamlaeit, zugleich aber auch als eine ernste fortdauernde Mahnung 
in jener sturmbewegten Zeit verehrte, und die Einleitungsworte der den Gemälden 
beigefügten Schrift bekunden deutlich die Vorgänge in der Seele des Meisters: „Alle 
Weltliche Regenten, In disen ferlichen zeitten: Nemen billig acht, das sie nit fur das 
göttlich Wort, menschliche verfüerung annemen Dann Gott wil nit zu seinem Wort 
gethon, noch dannen genomen haben. Darauf hörent diese trefflich vier menner 
Petrum Johannem Paulum vnd Marcum Ire warnu(ng)." Die Bilder wurden im 17. 
Jahrhundert dem Kurfürsten Maximilian I. von Bayern überlassen, die von Dürer 
selbst herrührenden Unterschriften unter denselben aber abgetrennt und den Copien, 
welche für den Verlust der Originale entschädigen sollten, angefügt. So befinden 
sich letztere (von Georg Fischer gemalt) in der Sammlung des Landauerbriider- 
hauses zu Nürnberg.
        

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