Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
A - E
Person:
Müller, Friedrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1040427
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1045829
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Dürer , 
Albrecht. 
Gleichmuthe wieder in die engen bürgerlichen und häuslichen Schranken zu ange- 
strengter Arbeit zurück, der er sich mit voller Geistesfrische widmete, obgleich seine 
körperliche Kraft bereits zu wanken begann. 
Im Jahr 1522 gab er den erwähnten, nach Pirkheimers Angaben componirten 
Triumphwagen des Kaisers Maximilian I. in acht Blättern nach seinen Zeichnungen 
von Hieronymus und Wolfgang Rösch geschnitten heraus. Es ist diess eine 
ziemlich nüchterne Allegorie und die reichen Ornamente des Wagens erscheinen in 
einer barocken, selbst zum Theil unschönen Manier; dagegen zeigen die allegori- 
schen weiblichen Gestalten, bei ziemlich schweren Verhältnissen und einem hässlich 
geknitterten Faltenwurf, ausserordentlich schöne Motive von zum Theil wunderbarer 
naiver Grazie. (Die Original-Holzplatten zu sämmtlichen 8 Blättern sind noch wohl 
erhalten in der k. k. Bibliothek zu Wien.) Dann trägt ein Kapitalblatt des Meisters 
im Holzschnitt, das Bildniss des Ulrich Varnbuler, Helldunkel mit drei Platten, 
gleichfalls dasselbe Datum. 
Die niederländische Reise Dürer's scheint indessen, wie bereits angedeutet, nicht 
ohne Einfluss auf die Kunstrichtung des Meisters gewesen zu sein und ihn über die 
Einseitigkeit seiner bisher befolgten Weise aufgeklärt zu haben. Denn nicht nur 
ist in den nach seiner Rückkehr ausgeführten Bildern manch neues Motiv zu be- 
merken, sondern man weiss auch aus Dürer's eigenen Aeusserungerx und aus Melanch- 
thon's Briefen (in dessen: Epist. Melanchthonis. London, 1642), dass der Meister es 
selbst zugegeben, wie ihm erst später die wahre Schönheit der Natur aufgegangen 
sei, wie er erkannt habe, dass die Simplicität die höchste Zierde der Kunst sei; wie 
er geseufzt, wenn er seine früheren bunten Bilder betrachtet, und wie er sich beklagt 
habe, dass er nun nicht mehr im Stande sei, das hohe Vorbild, das ihm jetzt vor- 
schwebe, zu erreichen.  
Vom Jahre 1523 sind die beiden Gemälde, die Heiligen Joseph und Joachim, 
Simon und Lazarus auf Goldgrund darstellend, in der Münchner Pinakothek, welche 
die Innenseiten der Flügel eines Altarwerks bildeten, das sich früher in der Kapelle 
des Hauses Jabach zu Köln befunden haben soll. Sie sind unverkennbar unter Ein- 
wirkung der niederrheinischen Schule gemalt, schön in- der Farbe und von würdigem 
Ausdrucke. Die Aussenseiten glaubt man in zwei Bildern zu erkennen , deren eines 
(im Städellschen Institut zu Frankfurt) den büssenden Hieb, dem seine Frau ein 
Gefäss über den Kopf ausgiesst, das andere (im Museum zu Köln) zwei Spiel- 
leute darstellt. Beide sind unzweifelhaft von Dürer's Hand und leicht und geistreich 
behandelt. Aus demselben Jahre stammt eine heil. Dreifaltigkeit (in der G. Deu- 
ringefschen Sammlung zu Augsburg), ein Bild, an dem die grosse edle Behandlung 
und die treffliche Ausführung geriihmt wird. Zwei vortreffliche Stiche rühren sodann 
ebenfalls aus diesem Jahre her: das Bildniss des Kardinals Albert, Kurfürsten von 
Mainz und das Porträt Friedrichs des Weisen von Sachsen; ferner die h. h. Simon und 
Bartholomäus; endlich das in Holz geschnittene WVappen Dürefs, und mehrere herr- 
liche Ilandzeichnungen in der Sammlung des Erzherzogs Karl zu Wien: der stehende 
Apostel Johannes mit gefalteten Händen, in dessen Antlitz man die Züge Luthers 
zu erkennen glaubt; St. Andreas; St. Thomas; das Abendmahl; das Bildniss 
Varnbulefs. 
Um dieselbe Zeit stach Dürer jene merkwürdigen Porträts bßfilhmter Zeig- 
genossen: des Kardinals Albert von Brandenburg- (zum Unterschiede von dem klei- 
neren, der grosse Kardinal genannt), des Kurfürsten Friedrich des Weisen, des 
W. Pirckheimer (vom Jahr 1524), welche sich, durch geistwvollste Auffassung des 
Lebens ebensosehr wie durch bewundernswürdig feine Ausführung auszeichnen. 
Unter den Gemälden der Bettendorfschen Sammlung zu Aachen wird eine Dar- 
stellung des Abschiedes Christi von seiner Mutter vom Jahr 1525 erwähnt, das eben- 
falls auf eine sehr entschiedene Weise Dürefs spätere Richtung beurkunden soll. 
Die Jahrszahl 1526 findet sich auf einem Brustbilde der lxlndonnn, mit, dem Kinde 
in den, Uilizien zu Florenz, das vorzüglich modellirt und gemalt ist. Aus derselben 
Zelt stammen sodann ein Paar in Oel gemalte Porträts von ganz vorzüglichen: Werthe.
        

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