Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
A - E
Person:
Müller, Friedrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1040427
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1045800
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Dürer, 
Albrecht. 
Personen in demselben Jahre zu Augsburg, wo er sich zur Zeit des letzten Reichs- 
tags des Kaisers Max aufhielt (im Besitz des verst. Generalpostmeister Nagler zu 
Berlin), vollendet haben. Gewiss ist, dass er den Kaiser dort malte, die Zeichnung 
zu dem Porträt desselben entwarf, das er nach dem Tode seines Gönners herausgab, 
überhaupt dass er während des Reichstags viele Bildnisse in sein Skizzenbuch zeich- 
nete, von denen er mehrere hernach stach und schnitt oder schneiden liess. Dann 
stammt aus demselben Jahre der treifliche Stich: Maria am Zaune sitzend und 
der schöne Schnitt: Maria von Engeln gekrönt und angebetet. Endlich fertigte er 
in diesem Jahre noch, nach den Angaben des W. Pirckheimer, die Zeichnungen zu 
dem grossen Triumphwagen Maximilian I., wofür ihm dieser einen Wappenbrief er- 
theilte, in welchem er ihm ein blaues Schild mit drei silbernen Schindeln gab. Dieser 
Triumphwagen erschien aber erst 1522 in acht Blättern (wovon die Platten noch in 
der k.k. Bibliothek zu WVien verwahrt werden). Eine zweite Ausgabe datirt von 
1523 , eine dritte von 1598, eine vierte von 1609. 
Im Januar 1519 starb Dürer's kaiserlicher Freund: Maximilian I. und unser 
Meister ehrte das Andenken an den Entschlafenen durch verschiedene Bildnisse, die 
er nach ihm fertigte. Er uralte ihn mit flachem Hut und Pelzmantel, einen Granat- 
apfel (das Symbol des Kaisers) in der Linken (jetzt- i11 der Gallerie des Belvedere zu 
Wien); dann schnitt e1' sein Porträt in Holz; endlich stellt er ihn auch noch umgeben 
von Schutzheiligen, wie ihm am Altar der segnende Herr erscheint, im Holzschnitt 
dar. Aus demselben Jahre dat-irte sodann das treffliche Porträt des Erzbischofs und 
Kurfürsten von Mainz , Albert von Brandenburg, im Stich, (auch der kleine Kardinal 
genannt) und der ausgezeichnete Kupferstich: der lesende heil. Antonius. 
Im Juli 1520 trat hierauf Dürer und zwar diessmal von seiner Frau und einer 
Dienstmagd begleitet , eine zweite grössere Reise nach dem Rhein und in die Nieder- 
lande an, vornehmlich zu dem Zweck, um von dem dort eben aus Spanien angelang- 
ten jungen Kaiser Karl V. die Bestätigung seiner ihm von Maximilian verliehenen 
Stellung und Besoldung zu erlangen. Der Verkauf von Kupferstichen und Holz- 
schnitten, die er mit sich führte, sollte die Kosten der Reise decken. Er zeigte sich 
auf derselben als ein Künstler, der sich langjähriger ileissiger Arbeit bewusst war, 
und nun denjenigen Vortheil daraus zu ziehen suchte, den sich jeder redlichc Mann 
wünschen muss. Seine uns noch erhaltenen sorgfältig geführten Tagebücher über 
diese Reise berichten von den grossen, ihm Während derselben erwiesenen Ehren. 
Er hielt einen wahren Triumphzug durch die Niederlande. Die Reise ging über Er- 
langen, Bamberg, Frankfurt a. M., Mainz und Köln, wo ihm für "zwei YVeiss- 
Pfennige" die berühmte von Meister Stephan gemalte Tafel der anbetenden drei 
Könige geöffnet wurde, nach Antwerpen, Wohin er kam, von Freundschaft, Liebe 
und Ehrerbietung empfangen und umgeben. Die Antwerpener Künstler bereiteten 
ihm ein grosses Fest und der Magistrat der Stadt bot ihm einen beträchtlichen Ehren- 
sold, wenn er in Antwerpen bleiben wollte, ein Antragy den er aber so wenig als den 
früher von der Stadt Venedig an ihn ergangenen einging. Bei jenem ihm bereiteten 
Feste widerfuhr ihm fürstliche Ehre. Als er „zu tisch geführet ward, do stund das 
Volck zu beeden Seiten, als führet man einen grossen herrn" und da sie „lang frölich 
bey einander waren und spatt in die Nacht, da belaithen (begleiteten) sie uns (Dürer, 
seine Frau und Dienstmagd) mitt Windlichtern (Fackeln) gar ehrlich (ehrenvoll) heim, 
und baten mich Ich soll Ihren guten Willen haben, und annehmen, und sollt machen was 
ich wolt, dazu wollen sie 1nir Allbehülflich seyn." Alle bedeutenderen Städte Flanderns 
und Brabants wurden besucht und die Werke früherer grosser niederländischer Meister in 
Augenschein genommen. Zu Brüssel sah er Bilder von Hugo van der G095 und 
Rogier van Brügge, zu Middelburg ein Gemälde von Jean Mabuse, und zu Gent 
bewunderte er das Genter Altarwerk der Brüder van Eyck, ßein überköstlich, hoch- 
verständig Gemäld und sonderlich die Eva, Maria, und Gott der Vater sind fast (sehr) 
gut." Dann kam er natürlich mit den Männern seines Berufs, mit dem alten Quintin 
Messys, Joachim Patenier, Lucas von Leyden, "ein klein Männlein und 
bürtig aus Laiden", der ihn zu Gast geladen„mit Bern ardin von Orley, und einem
        

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