Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
A - E
Person:
Müller, Friedrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1040427
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1045799
Albrecht. 
Dürer, 
511 
nungen, die sich noch gegenwärtig in der Hofbibliothek von München befinden. (Lith. 
von Strixner 1808 "Albrecht Dürer's christlich mythologische Handzeichnungen."  
Albrecht Dürefs Randzeichnungen aus dem Gebetbuche Kaiser Maximilian I. mit ein- 
gedrucktem Originaltext. Nebst einer Einleitung von F. H. Stöger. München, 1850.) 
In diesen höchst geistreich auf 43 Blättern ausgeführten Federzeichnungen waltet 
und schaltet die Phantasie des Künstlers in vollkommener Freiheit, bald ernst und 
voll hoher WVürdc, bald anmuthig spielend , bald in humoristischen Scherzen mannig- 
facher Art, und wenn der Künstler auch nicht immer die Bedeutsamkeit des Inhalts 
der Gebete im Auge behielt, so verfällt das Spiel seiner Phantasie doch nie in's 
Bizarre, Uebertriebene oder gar in's Gemeine und das Ganze macht einen höchst 
erfreulichen Eindruck. In die Zeit von 1515-1518 wird sodann ein mit seinem 
Monogramm bezeichnetes Bild gesetzt, der todte Christus in den Armen des Johannes, 
von Maria, den heiligen Frauen und Nicodemns beweint, mit den Bildnissen der 
Familie Holzschuher, in der Moritzkapelle zu Nürnberg. Die Composition dieses 
Gemäldes ist sehr schön , die Köpfe sind dagegen im Ausdruck gleichgültig oder gar 
unschön, der Fleischton. erscheint schwer und die Gesammtwirkung etwas bunt. Die 
Familienporträtis sind geistreich und lebendig. Im Jahr 1515 zeichnete er sodann 
für die Kaufmannswittwe Katharina Floker zu Nürnberg die architektonische Deko- 
ration ihres Hofes und es sind heute noch mehrere Gallerieverzierungen von Dürefs 
Erßndung in jenem Hause (das jetzt dem Kaufmann Gessert gehört) vorhanden, die 
in dem mannigfaltigen YVechsel ihrer Formen den lebhaften Sinn des Meisters für 
den germanischen Styl beurkunden. Endlich ist noch des berühmten Holzschnitts, 
das Rhinozeros, und des Eisenstichs: Christus am Oelberg, zu gedenken, die er in 
demselben Jahre austührte, wie er überhaupt von jetzt an bis um 1520 auch noch 
verschiedene Kupferstiche mit Madonnen und Aposteln fertigte, welche im Einzelnen 
wiederum mannigfache Beispiele einer würdigen und edlen Gesammtauffassung liefern. 
Die Jahrszahl 1516 führen zwei Bilder von Dürer in der Gallerie der Urlizien 
zu Florenz, welche die Köpfe der Apostel Philippus und Jacobus darstellen, mit Leim- 
farben gemalt, kräftig modellirt und von bedeutendem energische-m Charakter sind. 
Dasselbe Datum trägt das Bildniss seines Lehrers Wohlgemuth in der Münchner 
Pinakothek, ein seltsam scharfes, knochiges, strenges Gesicht. Aus demselben Jahre 
stammt wiederum einer seiner schönsten Holzschnitte: die Kreuzigung, und das Aetz- 
blatt: der Engel mit- dcm Schweisstuch. Vom Jahre 1517 ist uns dagegen als authen- 
tisch nur die aus vier Holzschnitten bestehende wunderliche, phantastische Compo- 
sition einer Säule, auf der ein Satyr sitzt, bekannt. Auch wissen wir, dass er sich 
in diesem Jahre am Hofe zu Bamberg aufhielt, wo er das Bildniss des Fürstbischcfs 
Georg III. von Linlburg malte. 
Reicher sind jedoch die Zeugnisse seiner Thätigkeit vom Jahr 1518. Hier sind 
zunächst die grossen iVandgenlälde zu nennen, mit denen er nach den Angaben 
Seines Freundes Pirkheimer das Rathhaus seiner Vaterstadt schmückte, nämlich die 
Allegorie auf das Richteramt, eine geistreiche Composition von vielen Figuren; dann 
ein Bild mit Pfeifern und anÖCICII lllllsikilntiell, eine glücklich angeordnete lebens- 
Wille Gruppe; endlich der gTßSSß durch die später nach seinen Zeichnungen gestoche- 
nen Holzschnitte allgemein bekannt gewordene Triumphwagcn Kaiser Maximilian I. 
Dürer hat von diesen Bildern übrigens ohne Zweifel nur die Haupttheile selber 
ausgeführt und das Ganze von Schülern vollenden lassen. Da sie schon früh sehr 
gelitten hatten, wurden sie im Jahr 1620 von G. Weyhcr stark restaurirt. Ferner 
werden angeführt: das lebensgrosse Gemälde der nackten Lucrctia, eine nüchterne 
Arbeit, in der Pinakothek zu München; der Tod der Maria, eine symbolische Dar- 
stellung, in welcher Dürer der sterbenden Heiligen die Züge der Kaiserin, in den um- 
gebenden Aposteln und andern Figuren die Porträts des Kaisers Max I., ihres Gemahls, 
ihres Sohnes und anderer berühmter Zeitgenossen anbrachte, während oberhalb der 
Sterbenden der von Engeln umgebene Erlöser erscheint, die Seele der Entschlafenen in 
seine Arme zu nehmen (in der grän. Friessehen Gitlleflß zu Wien). Auch soll er ein 
Gemälde der Trauer um den Leichnam Christi mit verschiedenen Bildnissen fürstlicher
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.