Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
A - E
Person:
Müller, Friedrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1040427
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1041068
38 
Amerom 
Amigoni. 
sie von sinnlichen Begierden erregt, von den wildesten Aeusserungen des Lebens 
entflammt erscheint. Allein bei aller Gemeinheit der Auiiassung, zeigt sich in seinen 
Bildern dennoch eine eigenthümliche Grossheit, eine feierliche Gemessenheit und ein 
gewisses Pathos, das sich zusammengenommen mit der geschlossenen Beleuchtung, 
den scharfen grellen Lichtern und dunkeln Schatten, der klaren, warmen und kräftigen 
Färbung und einer erstaunlichen WVirkung zu einer eigenthümlichen Poesie steigert, 
die seine Gestalten, bei aller naturalistischen Derbheit, doch über die Erscheinungen 
des gewöhnlichen Lebens erhebt. Freilich eignete sich diese Darstellungsweise am 
wenigsten für heilige Gegenstände, auf denen, weil er immer dasselbe, meist sehr 
gemeine Modell, wie es sich ihm zufällig darboti, mit möglichster 'l"reue copirte, Bett- 
ler, Sackträger, Häscher, Lazzaroni, ohne andere Veränderung, als die der Gewänder, 
als  Apostel, Evangelisten, Heilige, und Zigeunerinnen, und nichtswiirdige Frauen- 
zimmer,  als Madonnen, Magdalcnen u. s. w. erschienen, so dass sogar zu seiner 
Zeit einzelne seiner Bilder wieder von den bereits eingenommenen Altären wegge- 
nommen werden mussten. Wo solcher iViderspruch zwischen Gegenstand und Dar- 
stellung dagegen wegfäillt, z. B. in seinen Genrebildern, in denen er einen eigenen 
Reiz entfaltet, namentlich aber wo er Zaubereien, Mordscenen und nächtlichen Ver- 
Iath, denen er selbst nicht fremd gewesen, malt, erscheint er daher auch am Vollen- 
detsten. 
Von Caravaggios zahlreichen, beinahe in allen Gallerien zerstreuten Bildern 
dürften ansser den genannten zu den bemerkenswerthesten gehören: zu Augsburg 
in der Gallerie: der heil. Sebastian von gewaltigem Effekt; zu Berlin im Museum: 
die sogenannte irdische Liebe und ein vortreiiliches Porträt; zu Bologna, im P. 
Zambeccari: ein heil. Johannes; zu Dresden inyder Gallcrie: der heil. Sebastian 
und drei Bilder mit Spielenden; zu Flore nz in der Gallerie der Ütlizien: Christus 
im Tempel; zu Genua im Pal. Marcello: Petri Verläugnung und im Pal. Pasqua: 
Spieler; in München in der Pinakothek: die Anbetung des Christkinds und eine 
Dornenkrönung' Christi; in Neapel: ein Orpheus im Pal. Reale; zu Paris im 
Louvre: Maria, eine Wahrsagerin und Maria auf dem Todtenbette ("das letztere Bild 
war ursprünglich für die Kirche della Scala in Rom gemalt, die Mönche liessen es 
aber wegen des Unwürdigen der Darstellung  die Maria hat das geschwollene 
Aussehen einer Ertrunkenen  wieder wegnehmen); zu St. P etersb urg in der 
Eremitage, einen lautenspielenden Jüngling, das Mahl zu Emmaus, eine Kreuzigung 
Petri; endlich zu Rom: die Grablegung Christi in der Gallerie des Vatikans, ein 
Bild tief unter dem Gegenstand, aber von höchster Meisterschaft der Technik; eine 
heil. Familie, in der Gallerie Borghese; falsche Spieler, eines der vorzüglichsten 
Bilder des Meisters (gest. von Volpato) , in der Gallerie Sciarra; eine ivailfsagerin 
in der Gallerie des Capitols; die sog. "Geometrie" und die sog. „heil. Anna und 
Maria" (eine Alte, welche Garn windet, und eine junge Nähterin), im Palast Spada; 
eine sog. heil. Magdalena im Palast Doria; eine Kreuzigung Petri in S. M. del Po- 
polo und mehrere andere Bilder in den Palästen Barberini, Braschi, Corsini, Doria, 
Rospigliosi, im Quirinal u. s. w. 
hitcratilr. Baglioni, Glowz, Vite de' Pittori, Scultori, Arcliitetti. Kap. 1733.  Lanzi, 605011, der 
 Malerei in Italien.  Fi o ri llo , Gesell. der zeichn. Künste in Italien.  K 1191 E 1', Hßndbuch der Gesell. der 
Malerei.  Waagen, Kunstwerke und Künstler in Paris. 
Amerom, H. J. van, geb. 1777 zu Gravenhztge, ein ißfeiiiißber Geure- und Porträt- 
maler, War Lehrer an der Zeichnenschule zu Arnheini, in der die tretliichen nieder- 
ländischen Maler Reij ers und Pitl oo ihren ersten Unterricht erhielten. Er starb 1833. 
 Sein Sohn Cornelis Hendrik, geb. 1804, ein gute? Pvrträtmaler, lebt zu 
Leyden. 
Amico, siehe Aspertini. 
Amigoni, Jacopo, auch AmiOODi geschrieben, geb. zu Venedig 1675, erlernte die 
Malerei in Venedig, bildete sich aber erst in lillandern weiter darin aus , trat sodann 
einige Jahre in die Dienste des Churfiirsten Max Emanuel von Bayern, um das neuer- 
Joaute Schloss zu Schleissheim mit Fresken zu schmücken, begab sich darauf nach London,
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.