Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
A - E
Person:
Müller, Friedrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1040427
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1045691
Dürer, Albrecht. 
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Dominikaner- jetzt Pfarrkirche zu Dortmund eingesetzten Tafeln zu erkennen glaubt. 
Das grosse Mittelbild stellt die Kreuzigung in einer sehr iigurenreichen Composition 
auf Goldgrund dar; auf den Flügeln sieht man: auf den Innenseiten, einerseits Maria. 
mit dem Kinde auf dem Throne, umgeben von heiligen Familienmitgliedern, anderseits 
die Anbetung der Könige; auf den Aussenseiten: den Stifter, vor Christus knieend, 
umgeben von Heiligen. Diese Malereien erinnern an die Behandlungsweise der 
Eyckschen Schule, auch hin und wieder an die kölnische des Meister Stephan. Am 
vorzüglichsten ist das Bild mit den heil. Familienangehörigen. Die Anordnung ist sehr 
symmetrisch, die Färbung klar, namentlich die Carnation der 'Weiber zart. Die Köpfe 
der Frauen sind sehr lieblich, die der Männer porträtartig gehalten, die Kinder dagegen, 
obwohl oft schön in ihren Bewegungen, ermangeln im Nackten noch der Fülle und 
in der Zeichnung des gehörigen Verständnisses; der Faltenwurf ist scharf gebrochen, 
jedoch breit in schönen Massen gehalten. Die Landschaft hat einen frischen grünen 
Ton mit tiefblauer Ferne, die sich schön gegen den Goldgrund absetzt.  Im Museum 
zu Berlin befindet sich eine Kreuzigung und in dem zu Antwerpen eine heil. Familie, 
die ebenfalls den beiden Brüdern zugeschrieben werden. 
Lileralur. Kunstblatt, Jaln-g. 184i. Nro. 102 bis Jahrg. 1843. Nro. 90. 
Dürer, Albrecht, einer der hervorragendsten und vielseitigsten Künstler, die je 
gelebt, ausgezeichneter Maler, Kupferstecher und Formschneider, Bildhauer in Holz, 
Elfenbein , Stein und Metall, Architekt und Schriftsteller über die Kunst, wurde am 
20. Mai 1471 zu Nürnberg geboren. Seine Vorfahren lebten in Ungarn, wo sie die 
Landwirthschaft und einen Handel mit Vieh trieben, und sein Grossvater Anton 
in einem Dörfchen Eytas bei dem Städtchen Jula (oder Cula), acht Meilen von Gross- 
wardein, zur TVelt kam. Dieser verliess jedoch den Stand seiner Väter, erlernte die 
Goldschmiedekunst und verheirathete sich in Jula. Sein ältester Sohn Albrecht, 
geb. 1427, erlernte den Beruf des Vaters, begab sich "als Goldschmiedsgeselle auf 
Reisen und liess sich, nachdem er sich längere Zeit zuerst in Deutschland und her- 
nach in den Niederlanden bei den ersten Künstlern seines Fachs aufgehalten, im Jahr 
1455 in Nürnberg nieder, wo er 1467 die Tochter seines Meisters, des berühmten 
Goldschmieds Hieronymus Haller, ehlichte und mit dieser 18 Kinder zeugte, deren 
drittes unser Albrecht war. Von früher Jugend an aufgeweckt, lernbegierig und 
geschickt in allem, was er angriif, wurde dieser vom Vater, dessen Liebling er war, 
in seiner Kunst unterrichtet, machte auch in dessen Schule so rasche Fortschritte, 
dass er schon 1484 sein eigenes Porträt in halber Gestalt (in der Sammlung des ver- 
storbenen Herzogs Albert von Sachsen-Teschen noch erhalten) zeichnen und zwei 
Jahre darauf, eine schöne getriebene Arbeit in Silber, das Leiden Christi in sieben 
Darstellungen zur grossen Befriedigung seines Vaters ausführen konnte. Neigung 
und innerer Beruf zogen Albrecht Dürer jedoch mehr zur Malerei und sein Vater 
scheint das Talent des Jünglings noch zeitig genug erkannt zu haben, denn er brachte 
ihn, trotz eigenem Widerstrebeh, da 61' ihh einmal für seine Kunst bestimmt hatte, im 
Jahr 1486 zu Mich ael YVohlgemuth , damals berühmtem Meister in Nürnberg, in die 
Lehre, um sich bei diesem zum Maler zu bilden. Nach vollendeter dreijähriger schwerer 
Lehrzeit, während welcher er viel von Wohlgeniuths "bösen Gesellen" zu erdulden ge- 
habt , er aber sowohl diese als seinen Lehrherrn selbst in der Kunst bald weit über- 
troffen, wie noch einige erhaltene Zeichnungen vom Jahr 1489 (die eine in der Samm- 
lung des Fürsten Esterhazy, eine andere in der des verstorbenen Herzogs von Sachsen- 
Tesßilen, noch eine dritte: geharnisohte Reiter darstellend, bez. A. D. 1489, ehemals 
in der Sammlung des Kunsthändlers Woodburn zu London), und das angebliche Porträt 
seines Vaters in den Uffizign zu Florenz, mit dem Familienwappen und der Jahrszahl 
1490 auf der Rückseite, ein Kopf Voll ChßYalS-ter und Naturwahrheit, beweisen, begab 
er sich 1490 als Gesell auf die Wanderschaft, und besuchte mehrere deutsche Städte, 
ilVahTSCheiniiCh Mich die Niederlande. Im Jahr 1492 finden wir ihn in Kolmar, wo noch 
drei Brüder deS Martin Schön, den ihm sein Vater ursprünglich zum Lehrherrn be- 
stimmt hatte, lebten und er hinlänglich Gelegenheit hatte, die Werke des Letzteren zu 
studiren. Diese waren es auch, die einen entschiedenen Einfluss auf seine Kunstbildung
        

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