Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
A - E
Person:
Müller, Friedrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1040427
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1045475
Donatello! 
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gedrungen war, erhielt er von der Signoria dieser Stadt den Auftrag, zu Padua dem 
Gattamelata, Condot-tiere der venezianischen Truppen, ein Denkmal zu errichten, 
bestehend in einer Reiterstatue, und er entledigte sich desselben zur so grossen all- 
gemeinen Zufriedenheit, dass die Paduaner ihn auf alle mögliche Weise festzuhalten 
suchten. Er blieb auch längere Zeit daselbst und lieferte während seines dortigen 
Aufenthalts eine grosse Anzahl trefflicher Werke, worunter namentlich die Reliefs" 
am Hauptaltar in S. Antonio, und ein Relief über der Thüre des Chors in vergoldetem 
Gyps, eine Grablegung darstellend; ein kolossales Pferdegerippe aus Holz; ein 
h. Sebastian für ein Nonnenkloster daselbst; ein grosses Crucitix und fünf Statuen 
über demselben in Bronze u. s.w. geriihmt werden. Zu Venedig- feltigte er dann die 
Statue eines Johannes, des 'l'äufers (in der Kirche S. Maria de' Frari), für Faenza 
in die Dechanei von Monte Pulciano ein Marmorgrabnial, und nach seiner Rückkehr 
nach Florenz ein Handbecken für die Sakristei von S. Lorenzo. Von Florenz begab er 
sich nach Rom, um dort die TVerke der Alten zu studiren , und führte dann während 
dieser Studien ein Tabernakel für die St. Peterskirche aus. Auf der Heimreise nach 
seiner Vaterstadt fertigte er in Siena die Bronzestatue eines h. Johannes, des Täufers, 
und einige Reliefs für die Dornverwaltung, auch wurde ihm im Jahr 1458 (laut einer 
sienischen Frkundo) die Marmorfigur eines Bernardinus übertragen. In Florenz wieder 
angekommen, verzierte er dann für Cosimo von Medici die Sakristei von S. Lorenzo 
mit Stuccatur und Reliefs aus dem Leben der Evangelisten; fertigte für diesen Ort 
'ferner zwei kleine Bronzethiiren mit halherhabenen Arbeiten aus dem Leben der 
Apostel und Märtyrer; dann für das Kreuz der Kirche vier kolossnle Heilige in Stucco 
(zu Grunde gegangen); führte für S. Maria. del Fiore zwei Kolosse von Bachsteinen 
und Gyrps (nicht mehr vorhanden) aus, und stellte über der Thiire von S. Croce eine 
Bronzestatue des heil. Ludwig auf. Ausserdem arbeitete er für Cosimo und mehrere 
Privatpersonen verschiedene andere Werke in Bronze und Marmor, von denen in- 
dessen nur noch ein bald Mercur, bald Pcrseus, bald Amor genanntes Kind in Bronze 
(in dem Saal der modernen Bronzen in der Gallerie der Utiizien zu Florenz) und das 
Grabmal der Familie Martelli in Form einer von WVeiden geüochtenen Wiege unter- 
halb dor Kirche S. Lorenzo ebendaselbst vorhanden zu sein scheinen. In späteren 
Jahren besuchte er Rom noch einmal und verfertigte dort unter Anderem das 
Grabmal des Giov. Crivelli, Archidiaconus von Aquileja in S. Maria d'Ara Celi. Die 
Bronzereliefs aus dem Leben Christ-i an den Kanzeln von S. Lorenzo zu Florenz ge- 
hören zu den letzten Arbeiten des Meisters; sie wurden erst nach seinem Tode von 
seinem Schüler Bertoldo vollendet.  
Donatello hinterliess im Ganzen eine so beträchtliche Anzahl von YVerken, dass 
kaum ein zweiter Bildhauer zu finden sein dürfte , der während seines Lebens so viel 
gearbeitet. In ihm, der sich dem rückhaltslosesteu Naturalismus, ohne alle Rücksicht 
auf ideale Schönheit, hing-ab, concentrirte sich die neue Richtung der italienischen 
Sculptur in ihren schärfsten Seiten und er führte sie mit voller Energie in's Leben 
ein. Sein Streben ging vorzugsweise dahin, eine kraft- undlebensvolle Körperlich- 
keit und hierin das ganze Gefühl der irdischen Existenz zur Erscheinung zu bringen; 
er schreitet dabei bis zur vollständigsten und ergreifendsten charaktervollen Dar- 
stellung der herbsten Leidenschaft, unbßkümmßfü, 0b hiemit ein edler gestimmtes 
Gemiith sich einverstanden erklären konnte, und oft selbst mit Zurückdrängen des 
ihm eigenen Schönheitssinnes, an dem es ihm durchaus nicht fehlte; er erreicht aber 
dafür auch eine ausserordentliche tiefe Wahrheit und eine zwingende Kraft und Ge- 
waltigkeit, wesshalb ihn auch Buonarotti hoch verehrte. In seinen Reliefdarstel- 
lungen suchte er die mit der Antike mehr übereinstimmende stylgemässe Anordnung, 
aber nicht ohne oft durch die dramatische Lebendigkeit der Darstellung und einzelne 
wunderbare Züge des Lebens zu überraschen. In seinen Statuen waltet dagegen 
seine realistische Richtung auf's Entschiedenste vor, und wo es galt, energische, 
heroische Gestalten darzustellen, zeigt er sie in g-rossaitigster Entfaltung.  Man 
Abgeb. 
in den Denkmälern de: Kunst. 
Kunstgesch. 
Atlas zu Kuglers Haudb. d. 
Taf. 65, 
Fig. s 11.10.
        

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