Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
A - E
Person:
Müller, Friedrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1040427
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1045202
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Denner. 
wieder, die Laufbahn des Künstlers zu verlassen und sich dem Kaufmannsstande zu 
widmen. Gehorsam seinen Eltern , erlernte Denner nun die Handlung und kam 1'707 
als Cornmis nach Berlin.. Hier fand er jedoch Gelegenheit zu Kunststudien an der 
Akademie, er machte rasche Fortschritte und sah sich schon im Jahr 1708 im Stande, 
durch Porträtmalen sein Brod zu verdienen. Der erstaunliche Fleiss der Aus- 
führung in seinen Bildnissen und ihre Aehnlichkeit verschaiften ihm hohe Gönner, 
so dass, nachdem er 1709 den Herzog Christian August, Administrator von Holstein- 
Gottorp, und dessen Schwester, sowie bald darauf die ganze holstein'sche Fürstenfamilie 
nebst mehreren Hofbeamten auf einem grossen Bilde gemalt hatte, sein Ruf als 
Porträtmaler gegründet und sein Glück gemacht war. Er reiste an allen deutschen 
Höfen umher, malte die Porträts der Fürsten und Grossen der verschiedenen Länder 
und liess sich für seine Bilder sehr hohe Preise bezahlen. Auch an den Höfen von 
Holland und England fand er vielfache Beschäftigung, rühmende Auszeichnung und 
fürstliche Belohnung für seine Arbeiten. 
 Denn'er's Porträts sind bewundernswerth wegen der unsäglichen Sorgfalt der 
Ausführung und der ausserordentlichen Vollendung, wegen der frappanten Wahrheit 
und Aehnlichkeit der Formen, die sie wie unmittelbare Spiegel des Lebens erscheinen 
lassen. Kein Maler hat die Nachahmung der Natur so weit getrieben, als er. Man 
sieht die Poren und Blutgetässe auf der Oberfläche der Haut, ja die schwächsten 
Falten ihres Gewebes, jede Runzel nachgebildet, zuweilen hat er sogar in dem Aug- 
apfel die Gegenstände abgemalt, die sich darin spiegeln; und trotz dieser mikroscopi- 
sehen Genauigkeit der Behandlung verliel er doch weder in Trockenheit oder kleinliche 
Gelecktheit, noch verlor er darüber die malerische Haltung. Seine Bildnisse behalten 
auch, von der Ferne betrachtet, ihre Kraft und Wirkung und sind mit warmem Naturgefiihl 
gemalt. Die Farbe ist wahr und der Vortrag durchaus nicht manierirt. Trotz dieser 
aussergewöhnlichen Vorzüge machen seine" Porträts entfernt nicht den Eindruck der 
Bildnisse eines van Dyck's, Rubens, Tizian's oder Rembrandts Man ist er- 
staunt über diese wunderbare Treue der Nachahmung  die ihn indessen viel weniger 
gekostet haben mag, als man glaubt, denn er hat im Ganzen eine sehr grosse Menge 
Bilder gemalt  ; aber das Gefühl bleibt kalt und empfindet nichts von der poetischen 
Wirkung, welche die Werke jener Meister auf den Beschauer hervorbringen. Es fehlt 
ihnen jene dichterische Weihe, welche das körperliche Leben als den Ausdruck des 
geistigen darstellt. Ausserdem ist in den übrigen Theilen seiner Bilder die Zusammen- 
stellung ziemlich geschmacklos, die Zeichnung schwach und die Gcwandung formlos. 
In den Beiwerken soll ihm später seine älteste Tochter, eine geschickte Miniatur- 
malerin, geholfen haben. 
Von Dennefs Bildnissen , die sehr theuer bezahlt werden, sind viele im Privat- 
besitz; doch sieht man immerhin noch schöne Exemplare in öffentlichen Gallerien, 
So besitzt das Museum zu Berlin: das Bildniss eines alten Mannes in braunem Pelz, 
und das eines Mannes in mittleren Jahren in einer gepuderten Alongeperücke; die 
Gallerie zu Dresden: sechs Bildnisse bejahrter Personen, drei männliche und drei 
weibliche und ein als St. Hieronymus aufgefiihrtes Brustbild; das Städeysche Institut 
in Frankfurt a. M.: das Porträt einer alten Frau; In der Pinakothek zu München 
sieht man: die Bildnisse eines alten Mannes und einer alten Frau; in der Leuchten- 
berg-"schen (ialleric: den Kopf einer alten Frau. Das Louvre zu Paris verwahrt von 
ihm: das trelfliche Porträts einer alten Frau (bez. Donner. fec. 1724 London) und 
die Eremitage in St. PetcrSbllrg: einige kleinere Bildnisse. Auch das Museum 
der bildenden Künste zu Stuttgart ist im Besitz einiger Ilorträts von Denner, 
worunter das des llrIalers Seibold , der sein Schüler gewegg-n Sein S011, In der 
Gallerie des Belvedere zu YVien zeigt man ebenfalls zwei Bildnisse von ihm, das 
eines alten Mannes und einer alten Frau, und in der fürstlich Esterhazyschen Samm- 
lung ebendaselbst: das Porträt des Grafen von Zinzendorf. 
Denner hat auch einige Bildnisse radirt, sie sind aber äusserst selten. Man 
nennt darunter besonders: das Brustbild eines Mannes von mittlerem Alt-er mit einer 
Alongeperücke und das Brustbild des Pastors Jean. Conrad. Held Eimbeck.
        

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