Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
A - E
Person:
Müller, Friedrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1040427
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1045127
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Delaroche. 
Papstes , eine heil. Familie und eine Italienerin mit ihren zwei Kindern , eine ausser- 
ordentlich reizende und liebliche Darstellung, eines der vollendetsten Bilder des 
Meisters öffentlich aus. Nach seiner Rückkehr sah man in seinem Atelier sodann im 
Jahr 1845 die kleineren Farbenskizzen zu vier grossen Bildern für Versailles: zu 
einer Schlacht der Franken und Longobarden, der Krönung Karl des Grossen, der 
Taufe Chlodwigs und der Anerkennung des Papstes durch Karl den Grossen zu 
Aachen. Eine Frucht seines Aufenthalts in Rom war ferner das Bild in der gräflichen 
Raczynskfschen Sammlung zu Berlin: Pilger auf dem St. Petersplatz zu Rom (1847). 
Nachdem Delaroche sofort längere Zeit nichts mehr öffentlich ausgestellt gehabt, 
sah man von ihm 1851 zu Paris wiederum ein grossartiges Gemälde: Marie Antoinette 
vor ihren Richtern (gest. v. Frangois), auf dem besonders der Kopf der unglück- 
lichen Königin als ein Meisterstück von Charakteristik und Ausdruck, als das Ge- 
lungenste und Ergreifendste bewundert wurde, was der Künstler überhaupt ge- 
schaffen. Dasselbe gehört, wie der grösste Theil von Delaroche's Bildern, durch den 
Adel des Styls unbedingt der historischen Gattung an: ein historisches Gemälde ist 
es aber in so ferne nicht, als der Künstler sich, wie in den meisten seiner Werke, 
darauf beschränkte, einen an sich schon ergreifenden und inhaltsvollen Moment zu 
wählen und einzig und allein für sich reden zu lassen, statt mit philosophischem Geiste 
und mit schöpferischer Einbildungskraft eines jener erfolgreichen Ereignisse aus den 
Jahrbüchern der Menschheit, das in der Bildungsgeschichte unseres Geschlechts 
Epoche gemacht, herauszuheben und seiner vollen Bedeutung nach darzustellen. 
Sein neuestes Gemälde: die Gircndisten (1856), stellt diese dar, wie sie, im Gefäng- 
niss vereinigt, vom Commissär abgerufen werden, um zur Hinrichtung abgeführt 
zu werden. 
Auf Delaroches Malereien aus der christlichen Geschichte übte seine 1834 unter- 
nommene erste Reise nach Rom, wohin er sich begab , um sich durch Studien Für die 
Ausschmückung der Kirche St. Madelaine zu Paris mit einem Freskeneyklus aus der 
Magdalenenlegende vorzubereiten, eine Arbeit, die sich aber später zerschlug, den 
grössten Eiuiluss. Mit der ganzen Energie seines Geistes suchte er daselbst in den 
Sinn der alten, vorraphaelischen Meister, besonders des Fiesole, einzudringen, und 
es gelang ihm, seine Bilder ebenfalls zum Ausdruck jener auf Seelenreinheit und 
Innigkeit ausgehenden Gefühlsweise zu machen, zugleich aber mit der Einfalt und 
Strenge des alten Kirchenstyls die Ergebnisse einer gereifteren Kunstbildung zu 
verbinden. Zeuge davon ist namentlich seine heil. Cäcilie (gest. v. Forster), ein 
Bild von unendlicher Grazie und mit ausserordentlicher Delikatesse gemalt. Seine 
heil. Amalie (gest. von Mercury) wurde für ein Fenster der Kapelle im Schlosse 
E11 auf Glas VCOPiTiI; seine heil. Familie, für die Königin von England gemalt, ist 
ein Gemälde voll zarten religiösen Gefühls und seine "Vierge a la vigne" (gest. von 
S. Jesi) hat eine reizende, wenn auch etwas üppige Gesichtsbildung. 
Auch in der Porträtmalerei hat Delaroche höchst Bedeutsames geleistet. Seine 
Bildnisse des Ministers Guizot (geSt. v. Calamatta) und des Grafen Mole sind her- 
vorragende Erscheinungen, namentlich aber sein Porträt Napoleens (gest. v. Aristide 
Louis) ist, obgleich nicht nach der Natur gemalt, das ähnlichste und geistreichste 
von allen Bildnissen des Kaisers. 
Ausser den angeführten Werken des Meisters sind uns von Zeichnungen und 
Bildern von Delaroche noch bekannt, unter den ersteren: der Tod Ludwig XIIL; die 
Folgen eines Zweikampfs; der Abschied Karl I. von seinen Kindern; eine Vorlesung; 
das Kartenhaus; der Herzog von Guise bei der Belagerung von Metz und ein um- 
gesehlagenes Boot in der Brandung (in der Gallerie des L. Ravenet zu Berlin), eine 
in Kreide ausgeführte Zeichnung, welche von der früheren Richtung des Künstlers 
in der Landschaftsmalerei eine hohe Vorstellung gibt. Unter den letzteren; eine 
Kreuzabnahme; die sieben Schmerzen der Maria; die Jungfrau von Orleans; der 
heil. Vinzens von Paula; der Tod des A. Caracei; Filippo Lippi; die Kinder im 
Gewitter; eine Scene aus der Bartlxolomäusnacht; "der letzte Präsident und Gallilei.
        

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