Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
A - E
Person:
Müller, Friedrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1040427
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1045111
Delaroche. 
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schönen Künste zu Paris sein grosses Gemälde: die Apotlieose der bildenden Künst-e, 
das für seine ausgezeichnetste Leistung gilt und auch unter die hervorra-gendsten 
Werke der neueren französischen Malerei überhaupt gehört. Dasselbe schmückt in 
friesartiger Weise die Halbrotunde des Preisvertheilungssaals der Pariser Kunstschule 
und ist mit Oelfarbe auf den mit siedendem Oel getränkten Stein an die Wand ge- 
malt. Der Inhalt des Bildes von circa 50 Fuss Breite und 15 Fuss Höhe mit 74 
Figuren, von denen die im Vorgrunde um ein Dritttheil die natürliche Grösse über- 
ragen, bezieht sich auf den Zweck des Saals. Es ist nämlich eine Versammlung der 
Heroen unter den Künstlern der verschiedenen Zeiten und Völker bis zum 17. Jahr- 
hundert, in deren Anwesenheit oder im Hinblick auf welche die Preise an die lebenden 
nacheifernden Kunstjünger vertheilt werden sollen. In derCMitte desselben thronen 
vor einer marmornen Halbrotunde auf einer um vier Stufen erhöhten Bank, als die 
Richter der Preisvertheilung, die vornehmsten Vertreter griechischen Kunstgeistes: 
Iktinos, Apelles, Phidias. Auf den Stufen, die zu dieser Richterbank führen, 
gewahrt man zu beiden Seiten je zwei allegorische weibliche Gestalten, von denen 
die beiden zur Linken: die griechische Kunst und die des christlichen Mittelalters, 
die rechts die römische und die Renaissance darstellen. Zu dieser allegorischen 
Mittelgruppe gehört sodann, dieselbe nach vorn absehliessend, ein knieender Genius, 
der im Begriff steht, aus einem Haufen von Kränzen einen Kranz aus dem Gemälde 
heraus unter die lebenden Anwesenden zu werfen. An die halbrunde Tribüne lehnen 
sich dann zu beiden Seiten, von je vierjonischen Säulen getragen, Marmorhallen, 
vor welchen sich, auf Ruihebänken sitzend oder vor denselben stehend, die berühm- 
testen Maler, Bildhauer und Architekten in den mannigfaltigsten Gruppen versammelt 
haben, und zwar schliessen sich rechts an die mittlere Halle die Bildhauer, links die 
Architekten an, während die Maler sodann beide Flügel einnehmen. Dieses gross- 
artige Gemälde erregte gleich nach seiner Vollendung grosses Aufsehen, und wenn man 
auch eine gewisse Disharmonie, die darin besteht, dass die Seitentheile in Auffassung 
und Ausführung die vornehme Pracht, den grossartigen Prunk und kühnen Vortrag 
der neuen romantischen Schule vergegenwärtigen, während die Mitte zu sehr wieder 
an die kalte Strenge, die nüchterne Leere und das t-odte Wesen der alten klassischen 
Richtung erinnert, störend fand; wenn man auch tadelte, dass keiner der drei Theile, 
in welche das Bild zerfällt, wesent-lich hervortritt, dem Mittelbilde die bestimmte 
Angabe seines Inhalts fehlt, die allegorischen Figuren der vier Kunstmusen nicht 
recht erklären, in welchen Beziehungen sie zu jenen drei grossen Künstlern des Alter- 
thums und zu den übrigen Versammelten der neueren Zeitrechnung stehen, und dass 
die vorderste Figur der Kränzespenderin zu dramatisch bewegt erscheine; so musste 
man dagegen doch die glückliche, im schönsten Einklange zu der Architektur des 
Saales Stehende Disposition; das feine individuelle und zugleich vollkommen edle 
höhere Leben der Gestalten; die treffenden Charaktere, denen nicht bloss eine treue 
Copie vorhandener Porträts, Sondern ein sorgfältiges Studium der Werke jedes ein- 
26111611 der dargestellten Meister zu Grunde liegt; den Reichthum und die Feinheit 
geistiger Beziehungen in der Gruppirung der besonderen Kreise, sowie im künst- 
lerischen Aufbau des ganzen Werks; die sichere Objektivität, überhaupt die geniale 
Virtuosität der Darstellung hoch bewundern. Nicht minder ist die Linienführung, der 
Ton, die überall warme Färbung durßballS ruhig und edel gehalten und das Ganze 
von wunderbar schöner Gesammtwirkung. 
Nach der Vollendung dieser grossartigen Wandmalereien, während deren Aus- 
führung mancherlei Entwürfe zu künftigen Bildern entst-anden, malte der Künstler 
den jungen Pic de la Mirandole, den seine Mutter lesen lehrt, eine heil. Familie für 
die Königin W111 England und begann hernach für die Viktoriengallerie in Versailles 
die ihm von Louis Philipp bestellte Darstellung der ersten Zusammenkunft des Königs 
der Franzosen mit der Königin von England in Eu. Im Jahr 1844 begab sich Dela- 
roche zum zweitenmale nach Rom, um dort einige Bilder für den König Louis Philipp 
zu fertigen. Er wurde während seines Aufenthaltes daselbst zum Mitglied der Aka- 
demie von S. Lucaernannt und stellte vor seinerAbreise von dort ein Bildniss des
        

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