Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
A - E
Person:
Müller, Friedrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1040427
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1044944
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Dannecker. 
Prinzen Paul von Württemberg; der Grossberzogin Stephanie von Baden; des Prinzen 
Maximilian von Thurn und Taxis; der Freifrau von Alopeus; des Fürsten Metternich; 
des Musikers Zumsteeg; des Prof. Bethman-Holweg in Bonn; des Freiherrn von 
Neurath; der Gattin des geheimen Legationsraths von Pistorius. Endlich verdienen 
hier auch die Porträtreliefs von Jung Stilling und Friedrich Hang genannt zu Werden. 
Den Lebensabend des Meisters trübte eine bis an sein Ende dauernde Störung 
der Seelenkräfte. Seine früher unerschütterte Gesundheit wurde zuerst in Folge der 
anstrengenden Arbeit bei der Johannesstatue untergraben, so dass man seinem nahen 
Ende schon 1829 entgegensah. Er erholte sich jedoch wieder, verlor aber allmählig 
das Gedächtniss, so dass sich ihm später sogar die Kenntniss der nächsten Umgebung 
und das Bewusstsein der Werke eigener Schöpfung verdunkelte , bis der Tod diesem 
trübseligen Zustande ein Ende machte. 
Unter den Schülern Danneckefs sind besonders: Wagner, Zwerger, Im- 
hof, L. Mack und Distelbarth zu nennen. 
Mehr die Treiflichkeit, als die Zahl der Werke ist es, was Dannecker berühmt 
gemacht. Er folgte der von Canova zuerst wieder eingeschlagenen edleren, zugleich 
der Antike und der Natur zugewendeten Richtung der Plastik und zeichnete sich in 
seinen Werken besonders durch das zarte Gefühl für Naturwahrheit, namentlich an 
weiblichen Formen und im Pwträt, durch sorgfältiges anatomische-s Studium und feine 
Individualisirung aus. lhm gebührt daher das bleibende Verdienst, an der Wieder- 
erweckung der Bildhauerkunst aus ihrer tiefen Erschlaffung während des verflossenen 
Jahrhunderts, in die noch seine Jugend fiel, mitgearbeitet zu haben und namentlich 
für Deutschland der erste ausgezeichnete Vertreter der neuen Richtung geworden 
zu sein. Man kann auch in seinen Werken beinahe die ganze Entwicklung der 
neueren Sculptur erkennen. An den Genien, Karyatiden und anderen plastischen 
Arbeiten im Schlosse zu Hohenheim, an den Figuren des umfangreichen Monuments 
für den Bürgermeister Bonhöfer in Schwäbisch Hall, woran unter anderen Zöglingen 
der Anstalt Dannecker ein vorzüglicher Antheil zugeschrieben wird, nimmt man noch 
die alte französische Manier der pausbackigen Engel, der gesuchten graziösen YVen- 
dungen , der frisirten Haare, der hinausliatternden, gedrehten Gewänder wahr. Die 
Gestalt des Milo von Kroton verräth dagegen schon eine selbstständigere Annähe- 
rung an die Natur und ein tieferes Studium des Laokoon. Später wandte er sich 
dann immer entschiedener einer edlen einfachen Naturauffassung zu und er erreichte 
bei seinem liebevollen Eingehen auf die Schönheit des Details eine ungemein zarte 
und richtige Behandlung des Nackten. Sein Entzücken an der Schönheit trieb ihn 
jedoch zugleich , sich immer lebendiger in den Geist und den Styl der antiken Kunst, 
in der er sie am Vollendetsten ausgeprägt fand, hineinzuleben und mehr als ein Werk 
ist Zeuge dieses Ringens. So nähern sich die Ariadne, jenes mit Recht gefeierte 
Werk, das als die schönste Blüthe seines Genius zu betrachten ist, und die trauernde 
Cercs mehr dem idealen Schönen, während Amor und Psyche mehr die schöne Wirk- 
lichkeit repräsentiren. Dabei ist nicht unerwähnt zu lassen, dass ihm die Darstellung 
des Zarten, YVeichen, Weiblichen besser gelang, als die des Bestimmten, Kraftvollen, 
Männlichen, wesshalb auch die Mehrzahl seiner Werke in weiblichen Gestalten be- 
steh'n Seine Darstellungen aus der griechischen Mythe gehören seiner früheren 
Zeit, die christlichen einer spätern an. Die Statuen des Heilandes und des Johannes, 
sowie die Gestalt des Glaubens fallen in den Abend seiner künstlerischen Thätigkeit. 
Es ist darin ein ernstes Streben nach Verkörperung der Ideale eigener Religiosität 
nicht zu verkennen, allein sie tragen gerade desshalb das Gepräge der Subjektivität, 
streifen in das Gebiet des Malerischen hinüber und entfernen sich von dem eigent- 
lichen Typus der christlichen Kunst. Danneckefs Vorzüglichstes und unbestreitbares 
Verdienst besteht jedoch im Bildniss. Er wusste in seinen Büsten eine höchst wür- 
dige und schöne Auffassung der Individualität mit der frappantesten Naturwahrheit 
und (lölll gEHIZCII  der plastischen Darstellung zu Verbindejh Sein g-föggtes und 
mit Recht viel bewundertes Werk in dieser Gattung ist die geistreiche Büste Schillers. 
Dannecker wurde zum Hofrath, Galleriedirektor zu Stuttgart und Ritter des
        

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