Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
A - E
Person:
Müller, Friedrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1040427
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1040960
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Allegri , Antonio , gen. 
Correggio. 
TVechsel des Besitzes in die berühmte Gallerie des Herzogs von Orleans zu Paris, 
dessen Sohn wegen des darin aufs Höchste gesteigerten Ausdrucks der tVollust die 
Köpfe der Jo und Leda aus dem Bilde schneiden und verbrennen liess. Der erstere 
wurde von Proudhon, der letztere von Schlesinger wieder sehr schön ergänzt. 
Die beiden letzteren Bilder, von König Friedrich II. von Preussen nach ihrer Vanda- 
lischen Verstümmlung erkauft, befinden sich im Museum zu Be1'lin. In der k. k. Gal- 
lerie zu YVien sieht man eine vorzügliche Wiederholung der Jo vom Meister selbst, 
eine Wiederholung der Ilauptgruppe der Leda in kleineren Dimensionen im Palast 
Rospigliosi zu Rom, eine andere im Palast Colonna zu Rom.  Auch andere Wieder- 
holungen aller drei Bilder, zum Theil mit Veränderungen, werden erwähnt. WVeitere 
Bilder, die er für Gonzaga gemalt haben Soll, sind die mit Wasserfarben ausgeführ- 
ten Allegorien: der Mensch unter der Ilerrschaft der Laster und der 'I'riuInph der 
Tugend (in der königl. Sammlung der Handzeichnungen zu Paris); ferner die vom 
Ruhm gekrönte Tugend (unvollendet gebliebenes Oelbild) in der Gallerie Doria Pam- 
fili zu Rom. Im Jahr 1532 befand sich Correggio wieder in seiner Vaterstadt und 
malte hier, nachdem er zuvor in Mantua denselben Gegenstand für Friedrich Gonzaga 
von Tizian ausgeführt, gesehen, die heilige Magdalena, jenes überaus reizvolle Bild- 
chen in der Dresdner Gallerie, eines der grössten Meisterwerke in Bezug aufWirkung 
der Beleuchtung, auf Feinheit der Abstufungen des Helldunkels und der Harmonie 
aller Tinten in der Färbung, von dem eine eigenhändige Wiederholung in der Samm- 
lung des Lords WVard zu London und viele Copien von Albani, den Carracci u. A. 
existiren (gest. v. Longhi, J. Humphreys, Rahl, Knolle). Die Herren von Cor- 
reggio sollen dieses Bild gekauft und damit Karl V., der im December desselben Jahrs 
ihr Gast war, ein Geschenk gemacht haben. Auch soll Correggio, einer alten Chronik 
zufolge, für die letzteren Herren, die ihren grossen Gast in "würdigen Gelassen zu be- 
herbergen den Wunsch gehegt, die Gevrölbe und Lunetten einiger Zimmer ihres Pa- 
lastes mit Darstellungen aus der Mythologie und den Fabeln der Alten geschmückt, 
die damalige kriegerische Zeit aber mit ihren Zerstörungen im Gefolge dieselben 
schon bald nach ihrer Entstehung wieder vernichtet haben. Im Jahre 1533 bestellte 
Dr. Alberto Panciroli bei Correggio ein grosses Bild für einen Altar seiner Familien- 
kapelle in S. Agostino, der Meister konnte dasselbe aber nicht mehr vollenden, denn 
ein rasch sich entwiekelndes organisches Leiden machte seinem Leben, das er nur auf 
40 Jahre und einige Monate brachte, ein Ende. Er starb am 5. März 1534- zu Cor- 
reggio und wurde in der Kirche S. Francesco unter dem Porticus daselbst begraben. 
Seine Eltern überlebten ihn beide. Sein Sohn Pomponio folgte des Vaters Fuss- 
stapfen als Maler; von seinen drei 'l'öchtern waren zwei jung gestorben, die dritte, 
Letizia, überlebte ihn. 
YVenn Correggio auch für seine künstlerischen Erzeugnisse nicht so belohnt 
wurde, wie-seine grossen Zeitgenossen Michelangelo, Raphael, Tizliln, S0 Wa- 
ren die Preise , die er für sie erhielt, für Städte mittlerer Grösse wenigstens nicht un- 
bedeutend , so dass er, obgleich er natürlich durch dieselben nicht reich wurde , doch 
einst seiner Schwester eine Aussteuer von hundert Dukaten in Gold mitgeben konnte 
und nach seinem Tode ausser mehreren Grundstücken und Häussern noch ein hübsches 
Vermögen hinterliess. Weniger günstig gegen jene war er aber in der Anerkennung 
seiner Werke und Verdienste gestellt; denn wenn ihn auch die Mönche von S_ G10- 
vanni dadurch auszuzeichnen meinten, dass sie ihn zum Mitglied ihrer Genossenschaft 
ernannten, so hat er doch bei Lebzeiten nie eine, seinen eminenten Leistungen angemes- 
sene Auszeichnung und Würdigung genossen, und es ist daher um so bezeichnender 
für seinen Charakter, dass er sich ohne solche zu immer höherem Aufschwung an- 
spornenden Ermunterungen stets auf derselben Höhe der Empfindung zu erhalten 
wusste und mit jener unbefangensten Freiheit des Geistes darzustellen vermochte, die 
sich in allen seinen Werken beurkundet. 
Von allen den angeblichen Bildnissen CorreggißiS, die sich da und dort zerstreut 
finden und öfters gestochen wurden, ist, den von Gambara neben die Hauptthüre deg 
 ' Abgebildet in den D enkmälern der Kunst. Atlas zu Kuglers Handb. der Kunstgesch. T'ai". 75, Fig. 6.
        

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