Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
A - E
Person:
Müller, Friedrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1040427
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1040959
Antonio , 
Alle gri , 
gen, 
Correggio. 
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stimmen in den unendlichen Jubel himmlischen Entzückens dieser unermesslichen Schaar 
von Heiligen, Seligen und Engeln. Aufgelöst scheint der ganze architektonische 
Raum, oder vielmehr über alle Grenzen der Architektur hinaus erweitert; die Kuppel 
ist erfüllt von einem ungeheuren Heere der erhabensten und licblichsten Gestal- 
ten, die alle durch diese lichterfüllten Wogen von Licht und Glanz schweben , so dass 
das Auge in den offenen Himmel zu schauen wähnt. Im November des Jahrs 1530 er- 
hielt er die zweite Rate von 175 Dukaten für diese Malereien, worauf er Parma ver- 
liess und sich wieder nach Correggio begab, wo er sich ein Landgut kaufte und ein 
zurückgezogenes, idyllisches Leben führte. Während dieser Zeit soll er sich mit der 
Ausführung des vom Adler in die Lüfte entführten Ganymeds (in der k. k. Gallerie 
zu Wien) beschäftigt haben, dieser durch die lieblichste Anmuth ausgezeichneten Ge- 
stalt, die stark an eine der Engelsiiguren der erwähnten Kuppelgemälde erinnert. 
Mit der Rückkehr der guten Jahrszeit im J. 1531 machte er sich wieder an seine Ar- 
beit im Dome zu Parma, eine ihn üherfallende Krankheit nöthigte ihnjedoch bald 
wieder zur Heimkehr; auch war er zur Ausführung der ihm weiter übertragenen und 
von ihm contraktlich übernommenen Malereien in der Tribune nicht mehr zu bewegen, 
da. sein zartes Gemüth durch das rauhe Benehmen der Domherren verletzt werden war, 
So dass er fiir seine sämmtlichen dortigen Malereien von dem vertragsmässig festge- 
setzten Lohne im Ganzen nur die, für die Grösse und Bedeutung der daselbst vollen- 
deten Malereien sehr geringe Summe von 350 Golddukaten erhielt.  In demselben 
Jahre noch berief ihn die Brüderschaft von San Pietro Martire nach Modena, ihr für 
ihre neu erbaute Kirche ein Altargemälde zu malen. Cofreggio führte den Auftrag 
aus , und wir bewundern in seiner Arbeit Wiederum eines der gefeiertsten Werke des 
Meisters. Es ist dies der sogenannte heilige Georg, der später in die Gallerie d'Este, 
von da in die des Königs von Polen gelangte und sich jetzt in der Dresdner Gal- 
lerie befindet. (Es existiren aber davon noch einige Wiederholungen von Correggio 
selbst und mehrere Copieen.) Man erblickt darauf die Madonna, auf dem Throne vor 
einer offenen Architektur, Georg und Petrus Martyr, Johannes den Täufer und Gemi- 
nianus zu ihren Seiten: im Vordergrunde Kinderengel, die mit den WVaifen des heil. 
Georg spielen. Ueber dieses Bild ist die lichteste Tageshelle ausgegossen, das Antliz 
der Maria. verklärt die süsseste, gnadenvollste Milde, in dem Märtyrer Petrus spricht 
sich die begeistertste Inbrunst und Hingebung aus.  
Aber nicht allein das Gemüth durch religiöse Darstellungen anzuregen und zu 
erheben, abwechselnd auch das Auge durch die Reize schöner Formen in der rückhalts- 
losest-en Hingabe an den Genuss der Sinne zu ergötzen, schuf er jetzt wieder eine 
Reihenfolge von Bildern, in denen er, wie dort die Wonne der Andacht, die schwär- 
merische Ekstase des religiösen Gefühls , so hier die Schauer des Entzückens der Lie- 
beslust mit einer Vollendung zeichnete, die vielleicht nur von der vollkommenen Rein- 
heit und Naivität, in der sie zur Erscheinung kommt, übertroffen wird. ,So malte er 
für Friedrich II. von Mantua, zu einem Geschenk an Karl V. , der ihn vom Marchese 
zum Herzog erhoben hatte, bei dessen im J. 1530 gefeierten Krönung zu Bologna eine 
Danae (jetzt in der Gallerie Borghese zu Rom) und eine Leda. Danae liegt halb auf- 
gerichtet auf prachtvollem Ruhebett, Anlor, eine äusserst reizende Gestalt. isitlt ihY 
zu Füssen und fangt den goldenen Regen in ihren Gewändern auf. Vor dem Bette 
Stehen Amorinen , die in anmuthigSteT NßliVität beschäftigt sind, ihre Pfeile zu spitzen 
und auf einem Probirstein zu prüfen.  Leda sitzt unter einem Baume am Ufer eines 
schattenreichen See's mit dem Schwan im Schoosse, zur Linken badende Gespielinnen, 
zur Rechten musicirende Liebesgötter. Um dieselbe Zeit entstand ferneryausser meh- 
reren anderen erotischen Gemälden aus der antiken Mythe oder Wiederholungen 
bereits ausgeführter, für verschiedene Edelleute der Lombardei bestellt, die vom Jupi- 
ter in einer WVolke umarmte Jo (gest. v. Bartolozzi, lith. v. Je ntzen). Alle drei. 
Bllder, ausgezeichnet durch die überaus schöne Darstellung der süssesten YVonnen der 
Liebe, durch die höchste Macht des Ausdrucks und feinste Grazie der Bewegung, durch 
die grösste Zartheit der Behandlung und die Anmuth des Colorits, befanden sich früher 
III der Sammlung der Königin von Schweden und kamen später nach mehrfachem
        

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