Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
A - E
Person:
Müller, Friedrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1040427
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1040947
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Allegri, Antonio, gen. Correggio. 
beschäftigt war, fuhr er ebenso eifrigst mit der Ausführung von Staffeleigemälden 
fort. So malte er im J. 1527 eines seiner Hauptmeisterwerke, den heil. Hieronymus, r 
auch „der Tag" genannt (jetzt in der Gallerio zu Parma). Madonna mit dem Kinde, 
zur Linken Hieronymus und ein Engel neben ihm, der dem Christuskinde eine Stelle 
in dem geöffneten Buche des Heiligen zeigt; zur Rechten Magdalena, knieend und den 
Fuss des Kindes küssend, neben ihr ebenfalls ein Engel (gest. v. AgOSt- CH-ril-Cßi, 
Bob. Strange, Mauro Gandolfi, von Ravenet u.  In diesem Gemälde, das 
Correggio für die Donna Briseide Colla, Wit-twe der Ottaviano Bergonzi zu Parma, 
um die Summe von 400 Lire (100 Lire  20 Dukaten), 2 Wagen Reissbündel, einige 
Scheffel Weizen und ein Schwein ansführte, und mit welchem die fromme Dame die 
Kapelle ihrer Familie in der Kirche S. Antonio daselbst schmückte, entfaltet der in 
sich zur vollendetsten Harmonie gekommene Genius des Meisters all den Zauber sei- 
ner Farben- und Lichtverklärung. WVie von ätherischem Licht umüossen erscheinen 
die Gestalten in einem durch die gesteigertste Empfindung erhöhten Lebenszustande 
und in einer bis an ihre äussersten Grenzen verfolgten Grazie und Anmuth. (Von die- 
sem Bilde existiren die meisten alten, zum Theil tretflichen Copien, eine von Lod. 
Caracci in der Bridgexivater-Gallerie zu London, eine andere von Baroccio im Pal. 
Pitti zu Florenz.) Im folgenden Jahre wurde des Künstlers Geburtsstadt von Hungers- 
noth, Krieg und Pest schwer heimgesucht. Da gedachte Correggio einer schon im 
Jahr 1522, auf einer Erholungsreise von seinen Arbeiten in S. Giovanni nach der Hei- 
math . in Reggio schriftlich eingegangenen Verpflichtung, wornach er einem Alberto 
Pratonero daselbst ein Oelgemälde, die Geburt Christi darstellend, für die Summe von 
208 Lire (etwa 245 il. rhein.) auszuführen sich anheischig gemacht hatte. Sein Ge- 
niüth, abgestossen von der trübseligen Aussenvvelt, wandte sich daher mit um so un- 
getileiiferef Gefülllßwäfme Seiner Arbeit zu, und so entstand sein weltberühmt ge- 
wordenes Bild, die sogenannte heiligeiNacht, in der Dresdner Gallerie (gest. v. Le- 
febre). In diesem Gemälde geht, der alten Legende zufolge, das Licht von dem 
göttlichen Kinde aus, bestrahlt zunächst die Mutter, die es hält, und blendet fast die 
Hirten, die von seinem hellen Scheine herbeigelockt kamen, während die in der Höhe 
schwebenden Engel davon gleichsam nur angehaucht erscheinen. Im Hintergrundc 
beschäftigt sich Joseph mit dem Esel, in der Ferne zeigen sich noch andere Hirten 
mit ihren IIeerden , während am Horizont der Morgen anbricht. Der Hauptvorzug in 
diesem Bilde besteht in der Poesie der Lichtwirkung. Das Kind erscheint Wie in 
Licht getaucht, das Antlitz der Mutter von blendendem Glanze übergossen, in den 
mannigfachsten Abstufungen webt und spielt das Licht bis in die dunkelsten Stellen, 
so dass überall noch die Farben, die wunderbar harmonisch zusammenstirlllllen 5 durch- 
wirken. Dabei waltet in jeder Gestalt ein frisches Gefühl des Lebens, das Sich in der 
amnuthigsten Erscheinung knndgibt. Kleinere Darstellungen der Nacht in ähnlicher 
WVcise behandelt, und Correggio zugeschrieben, findet man an verschiedenen Orten, 
Ein yorzügliches Bild dieser Art, als „Schule des Correggio" bezeichnet und neuer- 
dings dem Rondani zugeschrieben, besitzt das Museum in Berlin.  Unbeirrt durch 
die Schrecken eines im Herzen Italiens wüthenden Krieges, beschäftigte er sich ruhig 
mit diesem und andern XVerken. Da traf ihn im Jahr 1529 ein harter Schlag; er 
verlor zu Parma seine innigst geliebte Gattin durch den Tod. Sich nun über diesen 
traurigen Verlust zu trösten, arbeitete er, bezeichnend für seine ganze Individualität, 
jetzt nur mit um so emsigerem Fleisse, mit um so seligerem Behagen an den, Gemäl- 
den der Kuppel des Doms fort (gest. von Toschi).'"" Er stellte darin die Himmelfahrt 
der lillaria dar, wie sie von Engeln in jauchzendem Triumphe emporgetragen wird, wie 
Christus in leuchtendem Strahlenglanze voll göttlicher Wonne der Mutter entgegen- 
stürzt, wie die Apostel in seliger Herzensfreude der emporschwebenden Madonna 
nachschauen, wie Chöre von Genien in festlicher Heiterkeit Kandelaber anzünden oder 
das Rauchfass schwingen, und wie, während dies in der Höhe vorgeht, unten die 
Schutzheiligen von Parma, von Engeln begleitet, auf WVolken sitzen und mitein- 
i: {bgebildet in den Denkmäle rn der Kunst. Atlas zu Kuglers Handb. der Kunstgesch. Taf. 75, Fig. 2. 
Lhendaselbst. Taf. 75, Fig. 5.
        

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