Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
A - E
Person:
Müller, Friedrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1040427
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1044459
Gornelius. 
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erstürmten Himmel gestossen und, zu wilden Knäueln zusammengeballt, durch Teufel 
in den Abgrund gestossen werden. Den untern Theil des Bildes endlich nimmtyrechts 
vom Beschauer, die Hölle ein. Vor dem Eingang dazu sitzt der Fürst der Finsterniss, in 
der Linken-einen Zweizack, in der Rechten ein Schlangenbündel, die Füsse auf zwei 
Verräther, Judas und Segest setzend, vor ihm, in den Gestalten Verdammter, die 
sieben Todsünden und das Gezücht der Heuchler. Vor den Pforten der Hölle liegen 
die Neidischen zur Fortsetzung ihres genusslosen Lasters. Zwischen der Hölle und 
der Auferstehung, Welche die Umwandlung des verklärten Leibes in verschiedenen 
Scenen des Wiederündens und Wiedererkennens zeigt, sehen wir ein Weib, das, von 
einem Teufel gezerrt, sich tleheutlich an einen Engel Wendet, der den Bösen mit dem 
Schwerte abwehrt, wodurch der Erfolg der Fürbitte ltlariens für die schuldbewussten 
und strafwürdigen Sünder am Throne des Weltrichters angedeutet und der untere 
Theil des Bildes mit dem oberen geistig verbunden wird. Dieses grosse 63 Fuss 
hohe und 39 Fuss breite Gemälde wurde von Cornelius in allen Theilen selbst in 
fresco ausgeführt. 
TVie in der Glyptothek die Lehre von der Entstehung der TVelt bei den Griechen 
im Zusammenhang mit ihrer Götter- und Heroensage, so hat Cornelius in den Ge- 
mälden der Ludwigskirche die christlich-religiösen Ideen der Weltordnung mit einem  
philosophisch gebildeten Kunstgeiste von seltenster Tiefe und einer unvergleichlichen 
schöpferischen Gestaltungskraft zu einem grossen Ganzen von gewaltigster Wirkung 
zusammengefasst. Die ewigen Ideen von Grösse, Macht und Erhabenheit sind darin 
in der grossartigsten Symbolik auf das Lebendigste versinnlicht. Mit dem tiefsten 
Erfassen des Gegenstandes, schlagender Richtigkeit der Wahl, sowie möglichster 
Kürze und Klarheit im Ausdruck, verbindet der Künstler eine bewundernswürdige, 
durch lebendige Symmetrie und sicheres Maassgefühl geleitete Architektonik des 
Aufbaus und Schönheit und Grossartigkeit der Anordnung, sowohl in den Gruppen 
im Allgemeinen, als im Gang und der Verbindung der Linien im Einzelnen, der 
Massen und der Beleuchtung, einen unerschöpflichen Reichthum der wahrsten und 
schönsten Motive, sowohl in den Gestalten und deren Bewegungen, als in den Gesichts- 
zügen und Gewändern, und eine eigenthümliche charakteristische Formgebung, so 
dass seine Kunstweise an die verschiedensten , oft entgegengesetztesten grossen Vor- 
bilder der klassischen Zeiten christlicher Malerei erinnert und doch zuglcichdurch 
und durch eigenthümlich ist. Diess sind Vorzüge von so hoher Bedeutung und Trag- 
weite für die deutsche Kunst der Gegenwart, der sein Genius die Wege zur Ent- 
faltung all ihrer inwohnenden Kraft vorgezeichnet, dass darüber selbst der Tadel, 
Cornelius verfolge und entwickle in diesen Bildern den dogmatischen Gedanken zu 
sehr in einer entschieden mittelalterlichen scholastischen Richtung, die mit der Naivi- 
tät künstlerischer Conception hin und Wieder in einen bedenklichen Widerspruch 
gerathe, sowie die Rüge der Mangelhaftigkeit eines die malerische Wirkung ver- 
nachlässigenden oder verschmähenden Colorit-s , in den Hintergrund treten. 
Ausser diesen Werken wurden um jene Zeit zwei weitere Arbeiten des Meisters 
bekannt, deren wir am besten hier gedenken. Es ist die Zeichnung zu einer Scene 
aus Shakespeares Romeo und Julie, die durch Engen Schaffens Stich ein Gemein- 
gut geworden ist, und ein Oelbild: die drei Marien am Grabe Jesu. 
Nach Vollendung der Malereien in der Ludwigskirche im Jahr 1839 machte 
Cornelius eine Reise nach Paris und erhielt nach seiner Rückkehr von dort, nachdem 
er gerade nochmals und nunmehr die letzte Hand an sein Gemälde des jüngsten Ge- 
richts gelegt hatte, im Jahr 1840 einen Ruf nach Berlin als Direktor der dortigen 
Kunstakademie, dem er im Jahr 1841 folgte. Seine Mission in München schien ihm 
erfüllt, auch glaubte er künstlerische Kräfte genug zu hinterlassen, welche die 
Malerei auf dem durch ihn erhobenen Höhengrade zu erhalten und in derselben Rich- 
tung fortzuführen versprachen. Vielleicht mochten Manche sogar seine Abreise für 
die Selbstständigkeit der bedeutenderen unter den mit- und nachstrebenden Künstlern, 
deren Eigenthümlichkeit die unbeugsame Entschiedenheit des künstlerischen Charak- 
ters ihres Meisters, mehr oder minder beherrschte, als ein Glück erachten. In Berlin
        

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