Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
A - E
Person:
Müller, Friedrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1040427
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1044390
Cornelius. 
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Stellungen von allen Seiten her wurde. Cornelius bekam gleichzeitig das Anerbieten, 
Frescobilder im vatikanischen Museum, in der Villa des Marchese Massimi und in der 
zu errichtenden Glyptothek in München auszuführen. Er entschied sich zunächst für 
den Auftrag des Marchese. Nicht fehlte es ihm an ausgiebigem Stoff in der Masse 
seiner Entwürfe mit cyklischen Vorstellungen aus dem christlichen Ideenkreise und der 
griechischen Mythe. Der Marchese aber wünschte, dass aus Dante, Ariost und Tasso 
der Inhalt für die Decken und Wandgemälde dreier Säle in seiner Villa geschöpft 
würde und Cornelius entschloss sich zu Darstellungen aus den Dichtungen des ersteren. 
Er zeichnete die Umrisse zu Dante's Paradies, Compositionen voll hoher Anmuth und 
erhabenster Seelenruhe, die später (1831 von Eberle in 9 Blättern) lithographirt 
wurden, führte sie jedoch nicht mehr aus. Er hatte 1819 eine ehrenvolle Berufung 
nach seiner Vaterstadt Düsseldorf als Direktor der dortigen Akademie erhalten und 
angenommen. Beruhigt über seine Thätigkeit in Rom konnte er die ewige Stadt ver- 
lassen. Er hatte durch sein dasiges WVirken nicht nur den zurückbleibenden, mit- 
strebenden Freunden Bahnen einer höheren Wirksamkeit eröffnet, sondern der 
deutschen Kunst überhaupt ihre neue Richtung vorgezeichnet. Von den Malereien 
der Casa Bartoldi (1815) und der Villa Massimi (1817) datirt sich die Wiederge- 
burt der neueren deutschen Malerei. 
Die Seele voll grossartiger Entwürfe zu andern Bildern, trat er die Rückreise 
in die Heimath an, kam 1820 nach Berlin und übernahm noch in demselben Jahre 
seine Stelle in Düsseldorf. Bereits harrte hier seiner eine Anzahl talentvoller, für 
ihn begeisterter Kunstjünger, mit denen er nun eine neue Schule gründete, die bald 
allgemeine Anerkennung fand. Denn gegenüber dem akademischen Zunftzwang, den 
eklektischen und manieristischen Richtungen, in welchen die Malerei in Deutschland 
grossentheils damals noch befangen lag, suchte er, sie Wieder zur reinen YVahrheit 
der Natur, zum Ausdruck edler Gesinnungen zu erheben, die hohe ideale Kunst 
wieder in ihre geheiligten Rechte einzusetzen. Sein Hauptaugenmerk war dabei auf 
die monumentale Malerei gerichtet und so konnte er dagschon in Rom begonnene 
Werk, die Frescomalerei im Vaterlande wieder zu Ehren zu bringen, fortsetzen. Die 
besten Kräfte unter seinen Schülern: W'. Kaulbach, Götzenberger, St-ilke, 
H_ Stürmer, Ad. Eberle, C. H. Herrmann und Ernst Förster schaarten sich 
um ihn und fanden bald Gelegenheit, ihre Talente und erlangten Geschicklichkeiten 
in der vom Meister angebahnten Richtung in grösseren Bildern zu erproben. Der 
Aggisensaal zu Coblenz, die Universitätsaula in Bonn, die Landhäuser des Grafen 
Spee und des Barons von Plessen sollten mit Fresken aus der christlichen und Profan- 
geschickte, Sowie aus der Mythologie geschmückt werden und Cornelius übertrug 
die Entwürfe und deren Ausführung den fähigsten unter ihnen. 
Für den Meister selbst aber eröffnete sich ein grossartiger, würdiger Wirkungs- 
kreis, der ihn fast zehn Jahre beschäftigte und ihm Gelegenheit gab, die ganze 
epische Fülle seiner geistreichen Anschauungen zu oifenbaren. König Ludwig von 
Bayern hatte schon als Kronprinz in Rom, nachdem er die Malereien in der Casa 
Bartholdi und der Villa Massimi gcßellen , den Gedanken gefasst, Cornelius zu. 
München in umfassender YVeise zu beschäftigen, und jetzt von der preussischen Re- 
gierung die Erlaubniss erlangt, dass es dem Meister gestattet wurde, sich während 
des Sommers in Bayerns Residenzstadt aufhalten zu dürfen, um in zwei gewölbten 
Festsälen der Glyptothek die Mythologie der Griechen und die Ilias in ihren hervor- 
ragendsten Momenten darzustellen. Mehrere Jahre wanderte nun Cornelius, dessen 
Name bereits durch ganz Deutschland klang und mit allem, was die Zeit Herrliches 
hervorgebracht, Zugleich genannt wurde, mit den besten seiner Schüler im Anfang 
des Sommers von Düsseldorf nach München, und es entfaltete sich jetzt hier allmählig, 
namentlich nachdem der Meister später selbst ganz dahin übersiedelt war, ein Kunst- 
und Künstlerlebell, wie es früher vielleicht nur Italien gekannt. Während Cürne- 
lius nämlich noch mit der Ausführung der ersten Reihenfolge von epischen Darstel- 
luhgen in der Glyptothek beschäftigt war, bei denen er vorzugsweise durch die Bei-  
hülfe der Professoren an der Münchner Akademie Zimmermann und Schlotthauer
        

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