Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
A - E
Person:
Müller, Friedrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1040427
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1044373
,Corn elius. 
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des Goldschmiedehandwerks, wozu durch seine im Zeichnen erworbenen Kenntnisse 
bereits ein guter Grund gelegt sei, angerathen hatten. Sie widerstand jedoch dem 
Ansinnen und steigerte dadurch , dass sie, in richtiger Würdigung des Talents ihres 
Sohnes, volles Vertrauen auf seine -Kraft setzte , seine Liebe für die Kunst zur Be- 
geisterung. Unermüdlich arbeitete er nunmehr Tag und Nacht, denn ihm und seinem 
älteren Bruder lag die Sorge der ganzen zahlreichen Familie ob, und seine damalige 
Thätigkeit grenzt an's Unglaubliche. Er zeichnete Bilder zu Kalendern und malte 
Processionsfahnen, ja es gibt vielleicht nicht eine Gattung der Malerei, die er nicht 
geübt hätte, um jeden kleinen sich ihm darbietenden Gewinn wahrzunehmen, immer 
eingedenk des Ausspruchs seines Vaters, dass man bei jederArbeit lernen könne, 
wenn man sich bestrebe, sie auf's Beste zu machen. Dabei war er stets bemüht, seine 
Gedanken auf eine eigenthümliche und mächtig, ergreifende Weise auszudrücken, was 
ihm um so besser gelingen musste, als er, um nicht in sclavische Nachahmung zu ver- 
sinken und die eigene Schöpfungskraft lebendig zu erhalten, sich immerwährend 
übte, die früher nach den Antiken und dem lebenden Modell gemachten Zeichnungen 
aus dem Gedächtniss zu wiederholen, wodurch er eine ausserordentliche Fertigkeit 
erlangt hatte , sie so unmittelbar und ursprünglich als möglich wieder zu geben. Zu 
gleicher Zeit suchte er sich auf die mannigfachste Weise zu unterrichten und seine 
dichterische Kraft an den Werken der besten deutschen Poet-en, namentlich Göthe'S, 
zu begeistern, auch las und studirte er viel die Bibel. Die ersteren grösseren Bilder, 
welche er sodann als 19jähriger Jüngling im Jahr 1807 schuf und die bei aller Un- 
vollkommenheit den Charakter des Gewaltigen nicht verläugnen, sind die nach den 
Angaben des Canonicus Wallraff gemalten Darstellungen des Reiches Gottes in der 
Kirche zu Neuss bei Düsseldorf. Nach Vollendung derselben begab er sich, von dem 
Wunsche beseelt, jetzt nach Italien zu pilgern, nach Frankfurt, wurde aber hier 
durch theilnelirnende Freunde, namentlich den geistreichen Förderer und Unterstützer 
der Kunst, den Fürst-Primas von Dalberg, festgehalten. Er malte für letzteren in 
Oel eine h. Familie, eine Grablegung, eine Flucht nach Aegypten und die klugen 
und thürichten Jungfrauen. Namentlich aber begeisterte ihn Göthe's Geburtsstadt 
zu den Compositionen zum Faust (gcst. v. lduscheweyh), zu jenen meisterhaften 
Leistungen von sprühender Genialitat, die ihm in der ganzen Kunstwelt einen be- 
rühmten Namenmachten. 
Endlich reiste er ab und im Jahre 1811 langte er in Rom an. Cornelius traf 
hier bereits Inehrere ihm vorausgeeilte deutsche Künstler, die sich zur Bekämpfung 
des akademischen Zunftzwangs und antiken Götzendienstes , jener in der Malerei ein- 
gerissenen falschen Richtung, auf's Engste verbunden hatten, und mit ihm, der sich 
ihnen sogleich angeschlossen, nun voll schöpferischer Fülle sich die Wiederherstellung 
ächter deutscher Kunst zum Ziele ihTeS Lebens Setzten. Es waren Overbeck, Koch, 
Schadow, Vein Besonders aber zu Overbeck fühlte sich Cornelius auf's Innigste 
hingezogen. Sie bewohnten die Zellen des verlassenen und verfallenen Klosters San 
Isidoro, arbeiteten, gehoben von dem begeisterten Gedanken eine neue deutsche 
Malerei zu erziehen, von Morgen bis zum Abend, theilten sich jeden Sonntag ihre 
die Woche über gemachten Zeichnungen mit und unterwarfen sie gegenseitiger rück- 
haltloser und strenger Kritik. In dieser glücklichen Abgeschiedenheit entstanden 
Cornelius' herrliche Compositionen zu den Nibelungen (gest. von Amsler, Barth, 
Lips und Ritter), jene viel bewunderten Bilder, in denen er zum erstenmale fest- 
stehende , aus dem innersten Kern deutschen Wesens gestaltete Typen für die Helden 
jenes Liedes schuf und durch die er die, nach dem Sturz der französischen Fremdherr- 
schaft eben wieder neu erwachende Liebe zu den deutschen Schöpfungen der Poesie 
und Kunst, indem er sie gerade auf die grossartigsten und, schönsten hinlenkte, 
mächtig förderte. 
So vergingen in reger schöpferischer Thätigkeit, die aber, da es an Aufträgen 
fehlte, nur die Mappen füllte, mehrere Jahre in Rom, und es war eine schöne treue 
Verbrüderung, in der diese deutschen Künstler, denen sich später noch Schnorr, 
Fohr u. A. angeschlossen hatten, trotz aller Noth, die sie litten, lebten, und in der 
Müller, Künstler-Lexikon. 24
        

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