Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
A - E
Person:
Müller, Friedrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1040427
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1044303
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Coocke. 
Kinde (noch heute daselbst zu sehen) ausführen musste und nach Vollendung der 
letzteren von Papst Julius II. nach Rom berufen wurde, um für Santa Maria del Po- 
polo die Grabmäler der Kardinäle Girolamo Basso und Ascanio Sforza anzufertigen. 
Diese Grabmonumente (begonnen 1505) sind, was sowohl den Reichthum der Archi- 
tektur und der Dekoration, als die Schönheit des plastischen Schmucks betrifft, die 
herrlichsten, welche Rom besitzt. Die allegorischen Figuren sind von idealer Energie, 
die Statuen der Verstorbenen wunderbar edel und von schönster Durchbildung, 
und wenn es auch ein nicht ganz reiner naturalistischer Zug sein mag, dass die 
letzteren nicht mehr strenge in liegender Stellung  wie solche Figuren das 
ganze Jahrhundert hindurch dargestellt wurden  sondern das Haupt auf die 
Hand gestützt, als hielten sie ihren Mittagsschlaf, gebildet sind, so sind diese 
Motive doch so vollkommen durchgeführt, dass jeder Tadel vor ihrer Schönheit 
verstummen muss. Auch die Madonnenreliefs in den Lunetten und vorzüglich die 
Engel mit Lenchtern oben, sind bewundernswerth. Darauf arbeitete Andrea im 
Jahr 1512 für S. Agostino zu Rom eine Marmorgruppe der h. Anna und der Maria 
mit dem Kinde, ein Werk, das ebenso wegen der liebevollen Anmuth und Milde, wie 
wegen der hohen Würde , der Schönheit und Freiheit in den Linien und Formen und 
dem lloldesten Ausdruck zu den edelsten Erzeugnissen der gesammten italienischen 
Sculptur zu zählen ist. Nach Beendigung dieser Arbeiten übertrug ihm Papst Leo X. 
die innere Ausschmückung des von Bramairte umgebauten heiligen Hauses in der 
Kirche von Loretto mit marmornen Sculpturen. Seine Thätigkeit beschränkte sich 
dabei jedoch mehr auf die Leitung und Anordnung des reichen plastischen Schmucks, 
Reliefs aus der Geschichte der Maria, Propheten und Sibyllen darstellend, nach seinen 
Ideen und Entwürfen; denn von seiner eigenen Hand rühren nur die Scenen der Ver- 
kündigung, eine höchst anmuthsvolle Darstellung, und der Geburt Christi her. 
Während seines Aufenthalts zu Loretto gab man Andrea des Jahrs vier Monate 
Ferien, die er zu Monte Sansavino, seiner Heimath, zubrachte, wo er im Kreise von 
Freunden und Verwandten die Freuden des Landlebens genoss und mehrere plastische 
Arbeiten ausführtc , auch einige Gebäuliclikeiten nach seinen Plänen errichten liess. 
Sein letztes Sculpturwerk soll die Statue eines h. Rochus in natürlicher Grösse ge- 
wesen sein. Er starb 1529.  Schüler von ihm waren: Girolamo Lombardo, 
Simone Cioli, Domenico von Monte Sansavino, Lionardo del Tasse, vor- 
nehmlich aber Jacopo Tatti, der nach ihrn Jacopo Sansovino genannt wurde. 
Andrea Contucci war der erste und vielleicht der edelste der italienischen Bildhauer, 
welche das 16. Jahrhundert vertreten. Mit einer milden schönen Empfindungsweise 
begabt, die in ihren Aeusserungen ein verwandtschaftliches Verhältniss zu Leonardo 
da Vinci zeigt, schwingt er sich mit Macht in die volle Freiheit des löuJahrhundel-ts 
hinüber. Seine Gestalten reissen daher ebensowohl wegen der hohen grossartigen 
Reinheit und Einfalt, als wegen dem an die F ormenschönheiten der Antike erinnern- 
den Styl und die vollendete Durchbildung zur Bewunderung hin. Sie gehören zu 
jenen Arbeiten, welche uns in der Sculptur den Geist markvoller Schönheit reprä- 
sentiren, den in der Malerei vorzüglich Raphael vertritt. Auch gleichen ihnen 
am meisten diejenigen Sculpturwerke, welche letzterer selbst schuf oder durch 
Lorenzetto ausführen liess. 
Ausser den genannten Werken werden ihm in Italien noch mehrere kleinere 
Arbeiten zugeschrieben, von denen indessen ein Salvator auf einem Grabmal in Area- 
celi zu Rom am meisten Anspruch auf Aechtheit machen dürfte. Im Museum zu 
Berlin sieht man ein in der Kunstweise auf der Grenze des 15. und 16. Jahrhunderts 
stehendes Relief seiner Hand, anbetende Engel darstcllend, aus dem Kloster der 
Kirche S. Maria del Popolo zu Rom. 
Literatur. Vasari, Leben der ausgczeichnetsten Maler, Bildhauer und Baumeister.  Quatremere 
de Quincy, Dictionnaire historique d'Architecture.  (licognara, Storia della Scultura.  Kugler, 
Handbuch der Kunstgeschichte.  Burckhardt, Der Gicerune. 
Ooocke, Thomas, geb. 1734, gest. 1809, ein englischer Kupferstecher, der sich 
unter dem Franzosen S. Raven er zu London in seinem Fache ausbildete und schätz-
        

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