Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
A - E
Person:
Müller, Friedrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1040427
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1044133
Clouet, Pieter 
Clovio. 
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König die Erlaubniss, sich die Stelle eines Kammerdieners kaufen zu dürfen. Um 1529 
war er, wie einst Jan van Eyck für den Herzog Philipp den Guten von Burgund, mit 
Bildnissen verschiedener Geliebten Königs Franz I. beschäftigt, auch kommt er in 
seiner Stellung bei Hofe, wo er meistens nur Jehan, Jehannot, ou Jehannet 
Clouet genannt wird, ein Namen, aus dem durch Zusammenziehen Jenne t, Jainet 
entstand, bis ums Jahr 1536 vor. Er starb im Jahr 1541. Als Bildnisse seiner Hand 
werden bezeichnet: das Porträt Königs Franz I. zu Pferd in voller Rüstung, ein 
Miniaturgemälde in der Gallerie der Utüzien zu Florenz, und ein Porträt desselben 
Monarchen im Louvre zu Paris. Ferner werden ihm zugeschrieben: das lebensgrosse 
Porträt der Schwester Kaiser Karl V. und zweiter Gemahlin Franz I., Leonore, im 
Schlosse Hamptoncourt bei London; fast dasselbe Bild, nur zwei Drittel lebensgross, 
im Besitz des Regierungsraths von Minutoli zu Liegnitz in Schlesien; das Bildniss 
der llIargaret-ha von Valois, Schwester Franz 1., ebenfalls halbe Figur in Lebensgrösse 
wie die vorigen, in der Royal Institution in Liverpool.  
Jean Clouet liess sich nicht, wie die meisten französischen Maler seiner Zeit, 
von der beliebten Nachahmung der italienischen Schule fortreissen, sondern bestrebt-e 
sich mehr, den Charakter der national französischen Schule festzuhalten. Seine 
Bilder unterscheiden sich von denen seines Sohnes durch das Bestimmtere in den Um- 
rissen, das Alterthümlichere in der ganzen Kunstform, durch eine grössere Tiefe und 
Sättigung des Silbertons. In der Feinheit der Modellirung weisen sie, wenn nicht 
auf direkten Einfluss des Leonarda da, Vinci, der ebenfalls am Hofe Franz I. lebte, 
so doch auf ein tieferes Studium seiner YVerke zu Fontainebleau hin. 
Clouet, Pieter, siehe Clowet. 
Clovio, D011 Giulio, genannt Macedo, der berühmteste Miniaturmaler des 16. 
Jahrhunderts, geb. 1498 zu Grizane, einem unbedeutenden Dorfe des kroatischen 
Küstenlandes, studirte bis in sein 18. Jahr in einem Kloster, wo die Liebe zur Malerei 
plötzlich in ihm erwachte. Er ging desshalb nach Italien und hatte das Glück, dort 
den Kunstliebenden Kardinal Grimani kennen zu lernen, der ihm seine Gunst zu- 
wandte und ihn beschäftigte. Clovio zeichnete für ihn in den Jahren 1516-1519 
mit der Feder im kleinsten Format mehrere prachtvolle Medaillen, Siegel  
die in der Folge für die Stechkunst verwendet wurden. Bei diesen Arbeiten lernte 
er seine grosse Befähigung für kleinere Kunstarbeiten kennen; er legte sich 
daher, unterstützt von Giulio Romano, der ihn lehrte, wie man Tinten und Farben 
mit Gummi und Tempera auftragen müsse, und ein zartes und liebliches Colorit zu 
erreichen im Stande sei, auf die Miniaturmalerei. Eines seiner frühesten Gemälde 
war ein Muttergottesbild, das er nach einem der ersten Holzschnitte Albrecht 
Dürers aus dem Buche: Epitomae in divae Mariae historiam u.s.w. Fol. Norim- 
bergae 1511 copirte. In der Folge malte er viele andere Miniaturen, die ihm einen 
so grossen Ruf verschafften , dass ihn Ludwig II- , König von Ungarn, an seinen Hof 
berief. Hier entstanden mehrere prachtvolle Bilder, unter denen besonders: ein Ur- 
theil des Paris und eine sich selbst entlcibellde Lucrezia gerühmt wurden. Der Tod 
Ludwigs und der Verfall des ungarischen Reiches zwangen Clovio jedoch, wieder 
nach Italien zurückzukehren, Er kam 1526 nach Rom, führte hier für den Kardinal 
Campcggio eine Madonna und mehrere kleinere Bilder aus, und beschäftigte sich viel- 
fach mit dem Studium der Werke Michelangelds, gerieth aber bei der Einnahme 
und Plünderung Roms im Jahr 1527 in Gefangenschaft und trat, nachdem er glück- 
lich aus dem Kerker befreit worden war, einem während der Haft abgelegten Ge- 
lübde getreu, zu Mantua in ein Kloster. Während eines dreijährigen Aufenthalts 
dß-Selbst 1113158 er ein grosses Chorbuch mit zarten Miniaturen, unter denen die Dar- 
stellung eines Noli me tangere besonders gelang, und unternahm ein Werk mit 
grösseren Figuren: die Ehebrecherin, nach einem Gemälde Tizian's. Die harte 
Behandlung, welche ihm während einer Krankheit widerfuhr, entleidete ihm indessen 
daS KlßSferlebßn ganz und gar, so dass er sich durch Verwendung seines Gönners, 
des Kardinals Grimani, der jetzt Legat von Perugia geworden war, wieder davon 
entbinden ÜeSS, worauf er wieder in dessen Dienste trat. Er malte für denselben:
        

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