Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
A - E
Person:
Müller, Friedrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1040427
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1040892
Allegri, Antonio, gen. Correggio. 
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von Stafford in Yorkhouse), herrühren. Der im Jahre 1511 in Correggio ausge- 
brochenen Pest zu entliiehen, begab sich Allegri nach Mantua, WO das Studium der 
Werke des Andrea Mantegna und Beispiel und Lehre seines Sohnes, des Fran- 
ce s c o M an tegn a, seine künstlerische Ausbildung mächtig förderten. 1513 wieder in 
seine Vaterstadt. zurückgekehrt, malte er ein Altarbild mit vier lcbensgrossen Figu- 
ren , Petrus, ltlargaretha, Magdalena und Antonius von Padua (gegenwärtig in der 
Sammlung des Lord Ashburton zu London), ein Bild noch ganz in der streng kirch- 
lichen Weise des ltleisters , und ein Bildniss (in der Dresdner Gallerie), das den Arzt 
des Künstlers. Dr. Grillenzoni, nach Pungileoni aber den bereits erwähnten Lombardi 
vorstellen soll. Aus dem J. 1514 datirt sich eines der herrlichsten Jugendwerke des 
Meisters, ein Altarbild, ursprünglich für das IYranciskaiierkloster zu Carpi um die 
Summe von 100 Dukaten in Gold oder Zeechinen gemalt, jetzt unter dem Namen 
des heil. Franciscus, auch wohl des heil. Antonius bekannt (in der Dresdner Gallerie), 
Madonna. auf dem Throne, zur Linken Franciscus und Antonius von Padua, rechts 
Johannes der Täufer und die h. Katharina (gest. v. F. Lutz). Aus diesem Bilde, 
das in dem engen Gefält, wie in den Verkürzungen, den Einfluss des Andrea Man- 
tcgna, in der Anordnung, in den Köpfen und andern Theilen den des Bianchi 
Ferrari erkennen lässt, in der Malerei aber bereits eine grosse Weichheit und 
einen ausserordentlichen Schmelz entfaltet, strahlt noch ganz die schwärmeriscli be- 
geisterte Gefühlsweise der Meister des 15. Jahrhunderts, insbesondere, wie sie der, von 
den Werken Peru gin o's angeregte F rancia nach der Lombardei verpilanzte, durch, 
allein sie gelangt darin aber auch in Correggio zum Abschluss. TVerke einer Weibern 
fortgeschrittenen Entwicklung sind: eine Ruhe auf der Flucht nach Aegypten, auf dem 
der heil. Joseph dem Kinde einen Palmzweig abbricht und der heilFrauciscus anbetend 
zur Seite kniet, vom Cavalier Murani für die Kapelle seiner Familie in der Kirche 
S. Francesco zu Correggio bestellt (jetzt in der Tribune der Utiicien zu Florenz), und 
das grosse Bild der Kreuztragung (in der Gallerie von Parma), in welchem Correggio 
die hohe Macht des Geistes über das Leiden, die über den höchsten Schmerz siegende 
Heiterkeit der Seele, mit ergreifender Wahrheit und unwiderstehlichem Reize dar- 
stellte. Im J. 1516 führte er für das Oratorium S. Maria seiner Vaterstadt einige Bilder, 
worunter einen Johannes, den Täufer, aus; auch soll er um dieselbe Zeit seinen 
Christus zwischen Engeln auf dem Himmelsbogen thronend und die Menschen zu den 
Freuden des Paradieses einladend (ein Bild, das man in der vaticanischen Gallerie zu 
besitzen glaubt, dessen Aechtheit jedoch bestritten wird), gemalt haben. Aus dem 
J. 1517 stammt- das im Auftrag eines Mclchior Fassi gemalte Bild einer heil. Martha, 
mit den h. Petrus, Leonhard und der Maria Magdalena. Dieses Bild soll er ausge- 
führt haben, nachdem er zuvor in S. Giovanni zu Bologna Raphaels h. Cäcilie (nun- 
mehr in der dortigen Pinakothek) gesehen und vor demselben den bekannten Aus- 
T1111? "Anclfio son pittore" gethan; 1111011 Wvird versichert, dass dasselbe in der Com- 
Position eine Aehnlichkeit mit jenem habe. Endlich entstand noch in demselben 
Jahre eine Pieta für die Kirche in Albinea. 
Im Jahre 1518 wurde Correggio nach Parma. berufen, um in dem Nonnenkloßter 
S. Paolo im Auftrag der Aebtissin Donna Giovanna da Piacenza YVand und Decke 
des Refectoriums mit Gemälden zu schmücken. Er stellte darin jene bekannten, erst 
inflellßrer Zeit wieder aufgedeckten Scenen aus der antiken Mythologie dar, die zu 
seinen schönsten Arbeiten gehören?" An der Hauptwand erblickt man die Diana, 
Welßhß Strahlend im Glanze vollkommenster Jugend, deren Reize eine leichte Be- 
kleidung nur wenig verhüllt, auf einem von weissen Hindinnen gezogenen WVagen 
Wnv der Jagd zurückkehrt; die Decke des Saals wölbt sich zur Laubgrotte mit 16 
oralen Oeifllllllgen, in welchen die anmuthsvollsten Gruppen reizender Genien im 
fflssen, 110111811 Spiele sich mit Attributen der Jagd beschäftigen, Sßhäkerll, einander 
llellikßäen oder Früchte von den Rändern der Laube pflücken. Die darunter befind- 
llc P11 16 hunetten sind grau in grau gemalt, und nach der Angabe des berühmten Ge- 
ehrten 6101310 Anselmi, der eine Tochter im Kloster hatte, mit andern mythischen 
i Abgebildet in den D enkmäl e rn de r Kunst. Atlas zu Kuglers Handb. d. Kuustgesch. Taf. 75, Fig. 8-10.
        

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