Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
A - E
Person:
Müller, Friedrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1040427
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1043985
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Cimabue. 
Darstellungsweise, eine freiere Behandlung erlauben durfte. Sehr verwandt diesem 
Gemälde ist ein kolossaler Christus in trono mit zwei Engeln, der sich in S. Simone zu 
Florenz, auf einem verlassenen Altar in einem dunklen Gange zwischen Kirche und 
Sakristei befindet. Von dem grossen Mosaik, Welches die Haupttribüne des Domes von 
Pisa schmückt, einem riesigen Christus, zu dessen Seiten Johannes, der Täufer, und 
Maria stehen, ist der grösste Theil, dokumentlichen Nachrichten zufolge, von Cimabue 
gegen Ende seines Lebens ausgeführt worden. Bei der Gestalt Christi in diesem 
Bilde ist jedoch, wenn sie überhaupt von ihm herrührt, noch der vorgeschrie- 
bene starre byzantinische Typus beibehalten, während in der Figur des Johannes, 
die erwiesenermassen von seiner Hand ist, bereits eine lebendigere Bildung des 
Kopfes und eine naturgemässere Bewegung hervortritt. 
WVichtiger aber noch als diese Werke sind die grossen Wandmalereien , Welche dem 
Cimabue in der Oberkirche des h. Franciscus zu Assisi zugeschrieben werden, Bilder, 
in denen sich sein grosses Talent in seiner vollständigen Entwicklung, seine Kunst in 
ihrem ganzen Umfang offenbart. Sie sind jedoch leider zum grössten Theil zerstört. 
Was er in der Unterkirche gemalt, ist nicht mehr vorhanden, seine Arbeiten im Chor 
und im Qnerschif der Oberkirche sind fast gänzlich erloschen, dagegen ist noch Ein- 
zelnes von den Malereien der gewölbten Decke und der oberen Wände des Lang- 
schifFs erhalten. Von jenen werden ihm die Gemälde der Felder des ersten, dritten 
und fünften Kreuzgewülbes zugeschrieben. Sie enthalten im ersten Raume die Ge- 
stalten der vier Evangelisten, die noch ziemlich byzantisirend gehalten sind, im fünften 
die vier Kirchenvater, ihren Schreibern diktirend, und im dritten Medaillons mit den 
Bildern Christi, der Maria, Johannes des Täufers und des h. Franciscus, sämmtlich Ge- 
mälde, die dem künstlerischen Gehalt nach den erwähnten Altarbildern zu Florenz 
verwandt sind. Interessanter aber als diese letzteren Gemälde selbst sind die Ver- 
zierungen, womit sie eingefasst erscheinen. Hier sieht man in den unteren Winkeln 
der Dreieckfelder nackte Genien dargestellt, welche geschmackvolle Vasen auf ihren 
Köpfen tragen; reiche Blumenranken wachsen aus diesen Vasen empor, an denen sich 
andere Genien aufschwingen, Früchte pilückend oder in den Kelchen der Blumen lau- 
schend. In den freien Bewegungen, in der versuchten Modellirung des Nackten bei 
diesen Gestalten , erkennt man eine entschiedene und nicht unglückliche Annäherung 
an die Antike. Die Hanptleistung des Meisters aber bleiben die Malereien des obern 
Theils der Wände des Langhauses der Kirche mit 16 Geschichten aus dem alten und 
16 Begebenheiten aus dem neuen Testament. In diesen Gemälden, unter denen: 
Joseph mit seinen Brüdern, die Hochzeit zu Kana, die Gefangennehmung Christi und 
die Kreuzabnahme als die vorzüglichsten geschildert werden, erscheint das Todte, 
Starre und Hässliche der byzantinischen Kunst, bis auf einen gewissen Grad voll- 
kommen beseitigt und in Gruppirung, Stellung und Geberde eine, lebendige Entwick- 
lung eines besonderen Moments erzielt. Wenn es Cimabue darin auch n0ch nicht 
ganz gelungen ist, seine Gestalten individuell zu beleben, soweit es zu der bestimm- 
ten Darstellung einer besonderen Handlung nöthig ist, seinen immer noch ziemlich 
ähnlichen Köpfen den Ausdruck des Augenblicks zu verleihen, So sieht man doch 
wie mächtig er gerungen, der überlieferten Form den Ausdruck einer lebendigen 
Idee aufzuprägen, wie glücklich er manches grossartige und Würdevolle Motiv hervor- 
gebracht. Diese YVerke sind es vornehmlich, die man als diejenigen zu betrachten 
hat, welche einer freieren Kunst Bahn gebrochen. Die unteren Wandbilder des 
Langhauses der Kirche mit 28 Darstellungen aus dem Leben des h. F ranciscus 
werden von Einigen den Schülern des Cimabue, von Anderen dem Pm-ri di Spi- 
nello zugeschrieben. 
Ueber das Leben des Cimabue besitzen wir wenig beglaubigte Nachrichten und 
es ist mit Vorsicht aufzunehmen, was uns Vasari von ihm erzählt. Nach diesem, 
seinem Biographen, soll er in dem Kloster von S. Maria Novella in den Wissenschaften 
unterrichtet, später aber, als der Trieb der Kunst in ihm erwacht und unwidersteh- 
lich geworden war, griechischen Malern, die der damalige Befehlshaber der Stadt 
nach Florenz berufen, in die Lehre gegeben worden sein. Durch unablässige Uebung
        

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